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Landeszeitung

24. September 2017 | 14:22 Uhr

Rendsburg : Die liebe Not mit der Notdurft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der ultimative Toilettentest: Die Landeszeitung suchte und besuchte die Bedürfnisanstalten. Das Ergebnis: Mangelhafte Beschilderung, aber größtenteils saubere Anlagen. Vandalismus ist für die öffentlichen Klos ein großes Problem.

von
erstellt am 05.Apr.2014 | 06:09 Uhr

Schiffbrückenplatz – die Zeit drängt und es wäre sehr erleichternd, wenn man wüsste, wo sich die nächste öffentliche Toilette befindet. Tatsächlich gibt es sieben Orte, an denen Besucher ihre Notdurft verrichten können. Redakteurin Sabine Sopha und Redaktionspraktikant Lukas Till haben versucht, sie aufzuspüren.

In der Pannkokenstraat arbeiteten abwechselnd Ewald Baule und seine Frau. Das städtische WC ist nur wenige Meter vom Schiffbrückenplatz entfernt, aber das Hinweisschild kaum erkennbar. Die Räume sind eng, aber sauber. Baule, der in einer winzigen Kammer zwischen Männer- und Damenklos sitzt, stinkt’s trotzdem manchmal. „Die drehen die Glühbirnen aus der Decke und klauen die Klobrillen“, erzählt er von Erlebnissen mit Randalierern. Und nicht nur das. „Kein Wunder, dass die öffentlichen Anlagen in anderen Städten geschlossen wurden.“ Wenn Ewald Baule und Frau nicht aufpassen würden, wäre das in Rendsburg vielleicht genauso.

Die meisten Toilettengäste wissen das zu würdigen und hinterlassen 30 Cent als kleine Finanzierungshilfe. Doch gibt es Ausnahmen: „Verächtliche Kunden oder solche, die immer wieder mit einem 50 Euro-Schein bezahlen wollen“ – um sich so vor der Bezahlung zu drücken. Sie könnten die kostenfreien „freundlichen WCs“ benutzen. Gleich drei von ihnen gibt es am Altstädter Markt, wobei jene erstmal gefunden werden müssen. Hinweis ist ein kleines blaues Schild mit der Aufschrift „Friendly WC“: Bei Casa Biutelli fehlt es, die Alte Markthalle hat es am Fenster kleben. Den Chinesen in der Altstadtpassage haben die Tester übersehen. An der Kampagne beteiligt sich auch das Rathaus.

Reisende, die in Rendsburg auf ihren Zug warten, dürfen keine Sextaner-Blase haben – und schon gar nicht an Sonn- oder Feiertagen. Die Bahn machte bisher keine Anstalten, die Toiletten in ihrem Gebäude wieder zu öffnen. Dann bleibt nur der Pavillon am ZOB. Aber nur an Werktagen, wenn Imbiss und Busbüro geöffnet sind. Und der Toilettenzugang kostet 50 Cent. Die Einschränkungen gelten nicht für Behinderte, die einen Euro-Schlüssel besitzen. Dieser muss beantragt werden und öffnet dann jederzeit bundesweit die Türen. Für alle anderen wäre der Weg bis in die Stadtmitte eine Alternative, welche aber in die Hose gehen könnte.

Die Toiletten am ZOB werden von der Firma Stadtverkehr T.H. Sievers betrieben. Auch die Sanitäreinrichtungen des Kiosks am Fußgängertunnel liegen nicht in den Händen der Stadt. Diese konnten nicht bewertet werden, da die Eisdiele erst wieder am 14. April öffnet. Die Anlage im Stadtpark hebt sich von den überwiegend guten Eindrücken ab. Die abgeschiedene Lage und durchgehende Öffnungszeiten ohne Zahlzwang ziehen eine ganz bestimmte Klientel an, wie ein Zettelchen neben dem Herreneingang offenbart: „Für ihn ... bei mir zu Hause“. Wer sich in den Häuschen im Stadtpark erleichtern will, weiß zu schätzen, was es heißt, wenn Menschen wie Ewald Baule täglich vor Ort sind. Abends sieht es manchmal schlimm aus, weiß er. Die Klobürsten ersetzt er nicht mehr: „Sie glauben gar nicht, wofür die missbraucht wurden“. Wer dagegen in der Pannkokenstraat 30 Cent zahlt, hat Bürste, Papier und Seife.

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