Bahnstreik : Die lange Suche nach dem Notfahrplan der Bahn

Leere Bahnsteige und Gleise am Rendsburger Bahnhof.
Foto:
Leere Bahnsteige und Gleise am Rendsburger Bahnhof.

Jeder zweite Zug fällt wegen Streiks aus. Die Kunden sind frustriert: „Das ist langsam wirklich nicht mehr lustig“.

von
06. Mai 2015, 05:00 Uhr

Die Regionalbahn um 11.53 Uhr in Richtung Kiel fährt nicht, der Zug nach Husum ein paar Minuten später dagegen schon. So stand es gestern Mittag auf der großen Anzeigetafel am Rendsburger Hauptbahnhof, welche über die nächsten fünf Abfahrten informiert. Wer allerdings vorausplanen möchte, sucht vergeblich nach einem Streik-Notfahrplan in der Bahnhofshalle. Kein Hinweisschild mit den Zugausfällen des Tages. Kein zusätzlicher Bahnhofsmitarbeiter, der Fragen beantwortet. Kein einziger Zettel, der darüber informiert, wo die Reisenden Hilfe bekommen.

Auch die 78-jährige Frauke Pasedag wollte gestern herausfinden, ob ihr Zug am Sonntagmorgen nach Kiel fährt. Einen Internetanschluss hat die Rendsburgerin nicht, ihr blieb nur der Gang ins Reisezentrum der Deutschen Bahn am Bahnhof übrig, um an die gewünschten Informationen zu kommen. Mit ihr standen aber noch sechs weitere Reisende an, die wissen wollten, ob ihr Zug ausfällt oder nicht.

„Da muss man so lange warten und hinterher ist man doch nicht schlauer“, sagte die Rendsburgerin frustriert. Denn der neue Fahrplan gilt erst einmal nur für die nächsten 48 Stunden, so die Mitarbeiterin im Reisezentrum. Frauke Pasedag ist verärgert, die häufigen Streiks seien nicht mehr tragbar, genauso wenig wie die schlechte Aufklärung durch die Deutsche Bahn. „Es gab eine Beerdigung in Rendsburg, aus ganz Deutschland wollten Verwandte anreisen. Mit den Zügen war das so schwierig. Das ist langsam wirklich nicht mehr lustig“, sagte sie.

Nicht nur die Pendler bekommen die Auswirkungen des längsten Streiks in der Geschichte der Deutschen Bahn zu spüren. Die Bäckerei „Allwörden“ gegenüber vom Bahnhof hat bereits mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Gerade die Pendler gehören zu den Stammkunden von Filialleiterin Stefanie Pick. „Wir merken den Streik deutlich. Viele Kunden bleiben auf einmal weg“, sagte sie. Außerdem sei die Laune der Gäste deutlich schlechter. „Der Streik schlägt uns allen aufs Gemüt.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen