Grundschulen : Die Krux mit dem Schwimmunterricht

Schwimmunterricht in Aukrug: Seit das Freibad beheizt ist, kommen sogar Schüler von der Gemeinschaftsschule Nortorf.

Schwimmunterricht in Aukrug: Seit das Freibad beheizt ist, kommen sogar Schüler von der Gemeinschaftsschule Nortorf.

Viele Schulen finden keinen Weg in die Hallen und Bäder der Region . Dafür gibt es zahlreiche Gründe – und kaum Lösungen.

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14. Dezember 2017, 17:23 Uhr

An jeder fünften Grundschule im Kreis Rendsburg-Eckernförde findet kein Schwimmunterricht statt: An 38 Schulen lernen Kinder schwimmen, an zehn nicht. Das ergab eine Auswertung der Landeszeitung. In einer Antwort auf eine Anfrage der AfD hatte das Bildungsministerium in Kiel für alle Grundschulen in Schleswig-Holstein aufgelistet, ob Schwimmunterricht erteilt wird – und warum er ausfällt. Demnach wird landesweit an fast jeder vierten Grundschule derzeit kein Schwimmen gelehrt.

Zu lange Wege, zu wenig Lehrer, zu hohe Kosten und fehlende Hallenzeiten sind Gründe, warum Schulen den Unterricht nicht anbieten. In Langwedel mangelt es dem Ministerium zufolge an einer Schwimmlehrbefähigung. Schulleiterin Meike Dallmann verdeutlicht auf Nachfrage, dass die Lage komplexer ist: „Es geht um mehr als eine Befähigung, die aufgefrischt werden müsste. Wir sind nur fünf Lehrer und unterrichten knapp 80 Schüler. Drei Kolleginnen arbeiten in Teilzeit. Wir bräuchten einen weiteren Sportlehrer mit entsprechender Befähigung. Außerdem ist es schwierig, in Neumünster und Umgebung überhaupt Hallenzeiten zu bekommen. Und durch lange Anfahrten bliebe kaum Zeit zum Schwimmen.“ Besonders für kleine Schulen sei Schwimmunterricht schwer zu organisieren. In Langwedel wäre wohl nur der Transport unproblematisch, weil die Gemeinde einen Schulbus stellt. Auch einen weiteren Service gibt es: „An einigen Wochenenden fährt ein Bus zum Schwimmbad in Neumünster. Das ist ein tolles Angebot, für das wir auch in der Schule werben.“

In Holtsee/Groß Wittensee setzt Schulleiterin Birte Birn ebenfalls auf außerschulische Maßnahmen und Engagement der Eltern. „Wir weisen bei der Einschulung darauf hin, dass wir in der dritten Klasse das Sportabzeichen abnehmen. Dafür müssen die Kinder schwimmen können.“ Helfen könnten beispielsweise Intensivkurse in Eckernförde. Um die Anmeldung müssten sich Eltern selbst kümmern. 70 bis 80 Prozent der Schüler können schwimmen, wenn sie in die dritte Klasse kommen, sagt Birn. „Auch Fahrradfahren wird vor der Prüfung in der vierten Klasse nur kurz in der Schule trainiert. Trotzdem können es fast alle. Schließlich will niemand, dass sein Kind als einziges schlecht dasteht.“ In Eckernförde seien alle Hallenzeiten durch die Schulen der Stadt und von umliegenden Gemeinden belegt. Deswegen bliebe es bei mündlicher Aufklärungsarbeit. „Im Holtsee sind schon Menschen ertrunken. Wir erklären daher den Schülern das richtige Verhalten am See – und den Eltern, dass es lebensgefährlich sein kann, wenn ihre Kinder nicht schwimmen können.“

In Aukrug schwimmen die Schüler der Gemeinde im beheizten Freibad. Im benachbarten Hohenwestedt fällt der Unterricht laut Liste des Bildungsministeriums wegen „Transportproblemen“ aus. Bürgermeister Holger Bütecke korrigiert: „Das kann sich nur um einen Irrtum handeln. Wir haben auch ein beheiztes Freibad – 300 Meter neben der Schule.“ Sogar die Gemeinschaftsschule Nortorf schickt ihre Kinder zum Schwimmen dorthin. Nur 2019 bleibt das Bad voraussichtlich geschlossen, weil es saniert werden soll.

Für Timmaspes Grundschüler gab es dieses Jahr eine Premiere. Die Aktion „Schleswig-Holstein lernt Schwimmen“ fördert Schulen, die bislang keinen Schwimmunterricht anbieten konnten. „Wir hatten das Glück, dass wir daran teilnehmen durften“, sagt Schulleiter Dag Pauschardt, der zugleich Sportlehrer ist. Zwei Wochen fuhr er im September jeden Tag mit Schülern zum Schwimmen. „Wir mussten weder die Busfahrten nach Neumünster noch den Eintritt in die Halle zahlen. Auch um die Zeiten mussten wir uns nicht kümmern. Außerdem wurden wir durch Fachkräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft unterstützt. Das war großartig. Zum ersten Mal konnten wir Schwimmunterricht an unserer Schule anbieten.“ Der komprimierte Unterricht habe den Kindern „unheimlich viel gebracht“. Alle hätten sich in dieser Zeit verbessert, auch er selbst. „Ich habe das als Fortbildung wahrgenommen, weil ich selbst erstmals Schwimmen unterrichtet habe.“ Obwohl die Kinder wegen Fahr- und Umkleidezeiten von drei Schulstunden nur eine im Wasser verbringen konnten, will Pauschardt versuchen, auch künftig Schwimmunterricht anzubieten.

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