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Rendsburg-Eckernförde : Die Hörfunk-Zukunft liegt im Internet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kleine Sender versprechen sich wenig von der Änderung des Medienstaatsvertrags und einer eigenen Frequenz für Rendsburg-Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 19:04 Uhr

Eine eigene Hörfunk-Frequenz für Rendsburg-Eckernförde? Die bevorstehende Änderung des Medienstaatsvertrags stößt in der Region nur auf geringe Begeisterung. Die kleinen Sender aus dem Kreis verbreiten ihr Programm lieber im Internet – die Ausstrahlung über Antenne reicht ihnen nicht weit genug. Außerdem erwarten sie hohe Kosten. Hintergrund ist, dass Schleswig-Holstein und Hamburg mehr Hörfunkvielfalt möglich machen wollen. Wenn der Landtag im Dezember zustimmt, wird der Weg für einen nicht-kommerziellen Sender freigemacht (wir berichteten). Auch in Flensburg und Neumünster ist das dann möglich. In der Sylter und der Lübecker Region sind Frequenzen für kommerzielle Sender vorgesehen.

„Wir sind mit dem Medium Internet verheiratet“, sagt etwa Olli Sachse, der seit fünf Jahren den Sender „Radio 112“ von Ahlefeld aus betreibt. Sein Angebot richtet sich nicht an jedermann, sondern ist ein Spartensender für die Feuerwehr – allerdings in ganz Deutschland. „Wir senden 24 Stunden am Tag über Feuerwehr und Rettungsdienst, außer über Einsätze.“ Er hat kein Interesse an einer neuen Frequenz: „Wir sind kein Lokalradio“, betont Sachse. Zudem ist „Radio 112“ ein kommerzieller Sender, der sich über Werbung finanziert. Seinen Angaben zufolge erreicht er 20 000 Hörer täglich. Zudem glaubt er, dass eine Frequenz nicht bezahlbar wäre. Seiner Meinung nach liegt die Zukunft des Hörfunks ohnehin im Internet. Die Ultrakurzwelle werde ihm zufolge über kurz oder lang zugunsten des Digitalradios abgeschaltet – so wie es beim Fernsehen bereits geschehen sei.

Norbert Henning hingegen würde sich über eine eigene Frequenz in Rendsburg und Umgebung freuen, um sein „Radio-RD“ auszustrahlen. Acht Jahre lang hatte es den Kanal im Internet gegeben, bis Henning ihn im Februar dieses Jahres abschaltete – er hatte kaum noch Hörer. „Der Fehler war, dass ich alle Musikrichtungen bieten wollte. Aber der Zeitgeist ist heute anders, jeder hat seine eigene Playlist auf dem Handy“, sagt Henning. Außerdem wollte kaum noch jemand ehrenamtlich für das nicht-kommerzielle Radioangebot arbeiten. Einen Versuch unternimmt Henning jedoch noch. „Radio-RD“ aus dem Kellerstudio Hennings in Osterrönfeld geht im Januar wieder auf Sendung, allerdings nur mit Schlager-Musik im Programm. „Schlager sind beliebt und kommen an“, sagt er. Auch dann will der 57-jährige Vorruheständler den Sender als Hobby im Internet betreiben. Dafür sucht er noch Mitstreiter. Norbert Henning vermutet ebenfalls, dass eine Sende-Frequenz zu teuer wäre. Zudem würden dann höhere Gebühren für die Musikrechte auf ihn zukommen.

Laut Geoffrey Warlies von der Landesmedienanstalt lassen sich die Kosten derzeit nicht abschätzen. „Es ist noch nicht klar, welche Sendeleistung für die Region nötig ist.“ Wenn der Landtag und die Hamburgische Bürgerschaft zustimmen, tritt der Vertrag am 1. Januar 2015 in Kraft. Erst dann werde die medienrechtliche Ausschreibung vorbereitet. Bevor überhaupt jemand auf Sendung gehen kann, vergehe also mindestens noch ein halbes Jahr.

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