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Landeszeitung

15. Dezember 2017 | 15:46 Uhr

Rendsburg : Die gute Seele am Bahnsteig

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eva-Maria Meiske ist die dienstälteste Ehrenamtlerin der Bahnhofsmission Rendsburg. Trotz ihrer 76 Jahre denkt sie nicht ans Aufhören.

Seit 30 Jahren hilft Eva-Maria Meiske mehrmals in der Woche in der Bahnhofsmission Rendsburg aus. Jetzt wurde die 76-Jährige als dienstälteste Ehrenamtlerin der Bahnhofsmission in der Region mit dem goldenen Kronenkreuz der Diakonie ausgezeichnet. Mit 20 Gästen feierte sie ihr Dienstjubiläum. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir Frau Meiske haben“, sagte Diana Marschke vom Diakonischen Werk Rendsburg-Eckernförde. „Wir müssen ihr für fast ein halbes Leben danken, das sie auf dem Bahnsteig verbracht hat.“

Mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit aufhören will die gelernte Kinderkrankenschwester, die selbst vier Kinder großgezogen hat und heute in Hohn lebt, allerdings noch lange nicht. Der Grund für ihr Durchhaltevermögen und die Motivation sei ganz profan: „Es macht mir einfach riesigen Spaß. Es macht Freude, den Leuten zu helfen und jeden Tag etwas Neues zu erleben. Man tut jeden Tag etwas Gutes und hilft den verschiedensten Menschen bei den verschiedensten Dingen. Es wird niemals langweilig“, begründet die Ehrenamtlerin ihre Beständigkeit.

Einige Geschichten aus ihrer langen Dienstzeit sind ihr dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben. So wisse sie noch genau, wie eine ältere Dame aus einem Zug ausstieg und sich suchend umsah. „Die Dame sagte, dass der Bahnhof bei ihrem letzten Besuch noch ganz anders ausgesehen hätte und fragte mich, ob sie hier überhaupt richtig sei“, erzählt Meiske, die sich der älteren Dame damals sofort annahm. Bald wurde auch klar, weshalb der Reisenden der Bahnhof so fremd erschien: Sie hatte eigentlich nach Flensburg fahren wollen, war aber fälschlicherweise in Rendsburg ausgestiegen.

Dass Menschen sich nach Rendsburg verirren, obwohl sie eigentlich nach Flensburg wollen, kommt Meiskes Erfahrung nach öfter vor. „Dasselbe ist auch einer jungen Mutter samt Kleinkind und Kinderkarre einmal passiert. Eigentlich wollten sie nach Langballig zur Kur“, denkt die 76-Jährige schmunzelnd an die beiden prägnantesten Vorfälle, an die sie sich aus ihrer langen Tätigkeit bei der Bahnhofsmission erinnern kann. Beide Male nahm Meiske sich beherzt des Problems an und half den falsch Ausgestiegenen nicht nur dabei, einen Zug zu finden, der sie ans richtige Ziel – Flensburg – bringen würde. Sie bot jedes Mal auch ein Plätzchen in der Bahnhofsmission an, um die Wartezeit bei einem Kaffee zu verbringen.

Eva-Maria Meiske ist allerdings nicht nur für Organisatorisches und theoretische Hilfe zuständig: Nebenher packt die zierliche Rentnerin trotz ihrer 76 Jahre auch beim Ein- und Aussteigen der Fahrgäste immer noch tatkräftig mit an. Sie hilft dabei nicht nur älteren Menschen, sondern auch Rollstuhlfahrern gern. „Mit den meisten Leuten kommt man schneller ins Gespräch als man denkt. Es ist spannend, sich die Reisegeschichten anzuhören“, erzählt Meiske weiter. Manchmal erfahre man sogar etwas, das über die Reise hinausgehe. Jeder Einzelne, der in die Bahnhofsmission käme, habe auch seine ganz eigene Geschichte, für die man immer ein offenes Ohr haben sollte.

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