Jubiläum : Die Geheimnisse der Herder-Promis

Talkrunde in der Schulaula (von links): Regisseur Arne Feldhusen, ARD-Sportmoderator Gerhard Delling, OLG-Vizepräsident Rainer Hanf, Moderator Jürgen Muhl (sh:z), Ex-Porsche-Sprecher Christian Dau, Jungunternehmer Lennart Rieper, Schauspielerin Malin Steffen, Ruderer Lauritz Schoof und Kitesurfer Mario Rodwald.
Talkrunde in der Schulaula (von links): Regisseur Arne Feldhusen, ARD-Sportmoderator Gerhard Delling, OLG-Vizepräsident Rainer Hanf, Moderator Jürgen Muhl (sh:z), Ex-Porsche-Sprecher Christian Dau, Jungunternehmer Lennart Rieper, Schauspielerin Malin Steffen, Ruderer Lauritz Schoof und Kitesurfer Mario Rodwald.

Hochkarätig besetzte Talkrunde bei 625-Jahr-Feier des Gymnasiums am Rendsburger Stadtsee bot große Unterhaltung.

shz.de von
28. Mai 2018, 09:26 Uhr

Rendsburg | Es ging um die Millionengehälter der Fußballstars, die Urheber des Diesel-Skandals, den Konflikt ums Baskenland und um erfolgreiche Fernsehserien. Doch eigentlich standen die Menschen selbst im Mittelpunkt, die Jürgen Muhl, stellvertretender sh:z-Chefredakteur, auf der Bühne der Herderschule mit seinen Fragen konfrontierte. Zum 625-Jahr-Jubiläum hatte das Rendsburger Gymnasium prominente ehemalige Schüler eingeladen. Und die plauderten unterhaltsam aus dem Nähkästchen.

Gerhard Delling zum Beispiel, der seine journalistische Karriere als freier Mitarbeiter der Landeszeitung begann, dann zum NDR ging und später mit Günter Netzer die Spiele der Fußballnationalelf kommentierte. Er war nicht zum ersten Mal auf der Bühne der Herderschule. Die Premiere lag allerdings schon Jahrzehnte zurück. „Ich war im Schulchor.“ Allerdings weniger, weil er Spaß am Singen hatte. Vielmehr hatte es ihm das Mädchen am Cello angetan. „Ich war verliebt.“ Der ARD-Sportmoderator heimste großen Applaus für seine Kritik an den Millionengehältern vieler Fußballprofis ein. Die Einkommensunterschiede zwischen den Stars und den ganz normalen Menschen seien nicht gut. „Ich würde mir mehr Protest wünschen.“ Delling bewältigte stets den Spagat zwischen ernsten Themen und Anekdoten aus seiner beruflichen Vergangenheit. Bei der LZ habe er „für nur zehn Pfennig die Zeile“ gearbeitet, sagte er leicht vorwurfsvoll zu Muhl, mit dem er befreundet ist. Muhl erwiderte: „Dafür hast du später bei den Öffentlich-Rechtlichen dank der Zwangsgebühren gut verdient.“ Das wiederum ließ Delling nicht auf sich sitzen: „Wenn du jetzt Schärfe reinbringen willst, erzähle ich den Leuten, wie du Golf spielst.“

Wie man mit dem Vertrauen von Kunden spielt beziehungsweise es verspielt, beleuchtete Christian Dau, der ehemalige Kommunikationschef von Porsche und Vertraute des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking. 2014 verließ Dau das Unternehmen. Ein Jahr später wurde der Diesel-Skandal ruchbar. „Ich war schon ziemlich baff“, sagte Dau über die auch ihm damals erst bekannt gewordene Manipulation an Motoren und Abgasen. Dau hat den Schuldigen ausgemacht: „Die Quelle allen Übels liegt da, wo die vier Ringe sind“, erklärte er, ohne Audi namentlich zu erwähnen. Dau ging auf eine Schwachstelle in seiner Vita ein. Die siebte Klasse an der Herderschule habe er wiederholt. Es war eine reine Jungenklasse. „Dann kam ich in eine Mädchen-Jungen-Klasse.“ Seine Leistungen verbesserten sich deutlich, denn in Gegenwart von Mädchen „wollte er nicht der Depp sein“.

Von Regisseur Arne Feldhusen („Stromberg“, „Tatortreiniger“) erfuhren die Zuhörer, dass seine gymnasiale Laufbahn auf dem Kronwerk-Gymnasium begann. Dort gab es eine „ganz tolle Theater-AG, aber alles andere dort fand ich nicht so toll“. Dann wechselte er auf die Herderschule, und da war’s umgekehrt: eine großartige Schule, aber eine Theater-AG ohne Anspruch. „Es war schon gut, wenn man mitmachte.“ Feldhusen, der sich in der Fernsehszene etabliert hat, deutete an, dass der „Tatortreiniger“ bald Geschichte sein könnte: „Ich mache das schon acht Jahre.“

Knapp eineinhalb Stunden plauderten die Promis. Ruder-Olympiasieger Lauritz Schoof berichtete, wie er Sport und sein Medizinstudium unter einen Hut bekam, sich aber jetzt auf Olympia intensiv vorbereiten will. Außerdem mit dabei: der Unternehmer Lennart Rieper, der erfolgreich ein Sporthandtuch vermarktet, die Schauspielerin Malin Steffen (ARD-Serie „Rote Rosen“), OLG-Vizepräsident Rainer Hanf und Kitesurf-Star Mario Rodwald, der berichtete, wie er sich nach einem schweren Unfall zurück ins Leben kämpfte. Er betreibt wieder seinen Sport, hat sich aber zugleich ein neues Standbein geschaffen. Er unterstützt Firmen bei der Entwicklung neuer Kite-Produkte. Und er beschrieb, wie er heute die Dinge sieht: „Ich muss keine Millionen verdienen. Ich bin an den schönsten Stränden, ich kann durch die Welt reisen. Viele andere können das erst, wenn sie ausgesorgt haben.“

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