Rendsburger Hubschrauber : Die fliegenden Lebensretter

Ein fliegender Krankenwagen: Sebastian Liebig (inks) und Daniel Bläser sorgen auf engstem Raum für ihre Patienten.
Ein fliegender Krankenwagen: Sebastian Liebig (inks) und Daniel Bläser sorgen auf engstem Raum für ihre Patienten.

Das Team des Rendsburger Rettungshubschraubers „Christoph 42“ bewältigt durchschnittlich sechs Einsätze am Tag – und viele Herausforderungen.

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26. Juni 2014, 14:14 Uhr

Sie sind gerade erst zurück von einem Einsatz. Das Team der DRF Luftrettung, Station Rendsburg, um Pilot Andreas Severin hat etwas Zeit durchzuschnaufen. Das ist allerdings nicht immer so. „Es gibt Tage, da sind wir die ganze Zeit unterwegs, und es gibt Tage, da haben wir nur einen einzigen Einsatz.“

Während die EU über neue Mindeststandards für Hubschrauberlandeplätze nachdenkt, macht das Team des Rendsburger Rettungshubschraubers vor allem eines: seine Arbeit. 24 Stunden ist die Station hinter der Imland-Klinik besetzt. Sechs Piloten, drei Rettungsassistenten und 18 Ärzte wechseln sich im Schichtdienst ab. „Jeweils um 7 Uhr morgens und 19 Uhr abends tauschen wir die komplette Besatzung.“ Tagsüber fliegen ein Rettungsassistent, ein Notarzt und ein Pilot die Einsätze, nachts ist aus Sicherheitsgründen ein Pilot mehr an Bord.

Kommt ein Einsatzbefehl von der Leitstelle, muss es schnell gehen. „Tagsüber sind wir innerhalb von zwei Minuten unterwegs.“ Innerhalb von fünf bis zehn Minuten ist das Retterteam meist am Einsatzort. Nicht viel Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Das ist die Herausforderung. Wir müssen schnell, konsequent und mit Bedacht arbeiten“, berichtet Severin. Manchmal bekommt man wichtige Informationen erst während des Fluges, oder aber die Einsatzmeldung liest sich anders als das, was man am Unfallort vorfindet. Dann heißt es: spontan und flexibel zum Wohle des Patienten handeln. Das bedeutet nicht immer, dass der Rettungshubschrauber auch Verletzte abtransportiert. Notarzt Daniel Bläser erklärt: „Der Patient muss einen stabilen Kreislauf und eine stabile Atmung haben, damit er den Flug gut übersteht.“

An Bord ist der Hubschrauber wie ein Krankenwagen ausgestattet: ein Defibrilator, ein EKG, ein Beamtungsgerät und Spritzenpumpen sind im Inneren des Helikopters vorhanden. Allerdings haben die Rettungsflieger einen großen Vorteil gegenüber den Krankenwagen: Sie sind schneller. Deswegen fliegen sie nicht nur Notfalleinsätze, sondern auch Krankentransporte, um die Patienten schnell in die richtige Klinik zu bringen. Im Durchschnitt sind sie sechs Mal am Tag in der Luft.

Dafür muss sich das Team auf seinen Hubschrauber verlassen können. Christoph 42, benannt nach dem Schutzheiligen der Reisenden, ist zwar 28 Jahre alt, das sieht und merkt man ihm aber nicht. „Alle 50 Betriebsstunden kontrolliert ein Techniker den Helikopter“, sagt Severin. Alle 600 Stunden wird er komplett auseinander genommen und durchgecheckt. „Einige Teile wie die Triebwerke werden regelmäßig ausgetauscht, egal ob sie kaputt sind oder nicht.“

Rettungsassistent Sebastian Liebig hat sich auf seinen Job lange vorbereitet. Seit Anfang des Jahres arbeitet er in Rendsburg. Um als fliegender Retter arbeiten zu dürfen, musste er eine zweiwöchige Zusatzausbildung absolvieren. „Ich wurde in Navigation, Funk und Wetterkunde in Theorie und Praxis geschult.“ Zehn Jahre arbeitete er zuvor in einem Krankenwagen. „Ich habe einiges erlebt, aber ich wollte mich weiterentwickeln. Ich habe die ganze Zeit daraufhin gearbeitet, in einem Hubschrauber zu arbeiten.“

Die beiden Ärzte Andreas Glück und Daniel Bläser haben eine Zusatzqualifikation als Notärzte. Sie sind eigentlich in Kliniken tätig. „Jede Säule profitiert von der anderen“, sagt Bläser. Man könne die Geretten der Einsätze in den Kliniken weiter betreuen. Glück schätzt neben der Hilfe für Menschen die Abwechslung und Vielseitigkeit seines Berufs: „Jeder Patient ist anders. Man kommt mit den verschiedenen Fachgebieten in Berührung.“

Die Piloten müssen mindestens 2000 Stunden als Kommandant geflogen sein, um einen Rettungshubschrauber bedienen zu dürfen. „Der Großteil der Piloten war vorher bei der Bundeswehr. Ich selbst habe lange in Hohn gearbeitet“, sagt Severin. So spart sich die Luftrettung die Pilotenausbildung, die zwischen 50.000 und 80.000 Euro kostet. Immer wieder eine Herausforderung ist es, statt auf befestigten Flugplätzen auf Kreuzungen mitten im Dorf zu landen. „Manchmal hat die Polizei schon einen Platz ausgesucht, aber wir müssen aus der Luft entscheiden, wo wir landen“, sagt Severin. Dabei unterstützt ihn sein Rettungsassistent. „Er sagt, ob da Platz genug ist oder nicht.“

Gegenseitige Unterstützung ist den vier Männern sehr wichtig. Morgens wird zusammen gefrühstückt und der Tag besprochen. Ihre Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen und Zusammenhalt. Severin: „Wir sind eine Crew und wie eine Familie. Was wir machen, geht nur als Team.“

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