zur Navigation springen
Landeszeitung

20. Oktober 2017 | 00:46 Uhr

„Die Fantasie gibt uns Kraft“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Landestheater zeigt als Weihnachtsmärchen „Mio, mein Mio“ nach Astrid Lindgren

von
erstellt am 22.Okt.2013 | 12:39 Uhr

Eine fantastische Reise unternimmt das Landestheater mit seinem diesjährigen Weihnachtsstück. Regisseurin Rebecca D. Seiler, die am Landestheater bereits „Die Kuh Rosemarie“ inszenierte, bringt „Mio, mein Mio“ von Astrid Lindgren auf die Bühne. Daniel Ratthei spielt die Hauptrolle.

 

„Mio, mein Mio“ ist kein klassisches Weihnachtsmärchen. Warum dieses Stück?

Rebecca D. Seiler: Es wirft große Themen auf. Was ist das Böse? Ist das die eigene Angst, die man überwindet? Oder ist es etwas ganz Konkretes? Es ist eine andere Form von Märchen; eigentlich fast ein Erwachsenen-Stück. Aber wir haben eine gute Möglichkeit gefunden, es kindgerecht zu inszenieren.

 

Wird das Buch eins zu eins umgesetzt? Darin helfen Bosse ja eine Postkarte und ein Flaschengeist bei der Reise in das „Land der Ferne“.

Seiler: Nein, Karte und Geist finden auf der Bühne nicht statt. Es ist ja ein sehr, sehr langer Roman. Ich habe eine eigene, knappe Fassung geschrieben und entschieden, welche Themen mir wichtig sind. Wichtig ist die Fantasie, denn letztendlich gibt sie die Kraft, das Leben lieben zu können, auch genießen zu können.

Vieles läuft auf der Bühne über die Fantasie der Schauspieler, die sich dann weiter transportiert auf die zuschauenden Kinder. Beispielsweise wird der Besenstil zum Hubschrauber, der Pantoffel zum Mikrofon. Diese Fantasie-Ebene haben wir stark bedient.

 

Herr Ratthei, Mio ist neun Jahre alt. Ist es schwierig, ein Kind auf der Bühne zu verkörpern?

Ich bin Mitte 30. Diese Rolle eins zu eins zu spielen, wäre daher albern, das würden die Kinder nicht annehmen. Was ich machen muss, ist die kindliche Seite in mir selber zum Blühen zu bringen. Dann wird man akzeptiert. Die Erfahrung habe ich auch schon in anderen Stücken – beispielsweise letztes Jahr in der „Schneekönigin“ – gemacht.

Seiler: Wenn ein erwachsener Schauspieler ein Kind spielt, dann läuft das nur über die Haltung.

 

Ist es anders, wenn man für Kinder inszeniert?

Seiler: Ich habe lange gebraucht, die kindliche Fantasie wiederzuentdecken. Für mich ist es wesentlich schwieriger, ein Kinderstück umzusetzen als meinetwegen einen Schiller. Kinder geben sofort Rückmeldung. Es muss darum sehr genau sein, aber gleichzeitig frei. Es darf zwar unlogisch sein, aber logisch für die Kinder.

Ratthei: Auf die Rückmeldungen der Kinder muss ich sofort reagieren. Wenn 300 Kinder schreien: „Der Bösewicht ist hinter dir“, dann muss ich das aufnehmen, fragen: Wo ist der?

 

Und wie sieht das Bühnenbild aus?

Seiler: Das wird noch nicht verraten. Da muss man sich überraschen lassen.

 

Es gibt ja auch Musik. Dietrich Bartsch, der Leiter Schauspielmusik, hat kleine Stücke komponiert und arrangiert.

Seiler: Die Musik ist unterstützend – für die Atmosphäre und die inneren Vorgänge.

Und die Videos von Regieassistent Julian Struck ?

Ratthei: Die Installation hilft uns, ein paar Welten zu kreieren. Dennoch: Hauptsächlich geschieht dies durch die Fantasie.

 

Vieles ist nicht eindeutig in der Geschichte.

Seiler: Ja, man muss schon konkretisieren.

Ratthei: Ist ein sehr lyrisches Buch, das immer diesen wiederholenden Moment hat: „Mio, mein Mio“. Das Buch ist durchaus intellektuell. Und die Figur des Mio hat tragische Momente. Das versuchen wir zu berücksichtigen, aber wollen dennoch, dass der Spaß nicht zu kurz kommt.

 

Es gibt die Interpretation, dass das Land der Ferne Mios Innenwelt ist.

Ratthei: Genau. Diese Frage beschäftigt uns auch. Sie hat auch stark damit zu tun, wie wir das Ende gestalten. Daran arbeiten wir noch

Seiler: Wir hatten ungefähr 15 Möglichkeiten, haben uns auf zwei geeinigt und wahrscheinlich wird’s daraus eine Kombination.

 

Im Buch besiegt Mio den bösen Ritter Kato, der das „Ferne Land“ bedroht.

Ratthei: Ja, und er bleibt in dieser Welt. Aber das wissen wir noch nicht, ob wir das auch wollen.

 

„Mio, mein Mio“ ist eine Geschichte die bestärkt, den eigenen Abgründen zu begegnen und daran zu wachsen. Welches Ziel haben Sie mit der Aufführung?

Ratthei: Es hat etwas mit Freundschaft zu tun, Lebensmut zu finden und Fantasie ins Leben zu bringen. Wir hoffen, dass die Zuschauer am Ende mit einem warmen Gefühl hinausgehen.

Seiler: Auch die Erwachsenen.

Ratthei: Dass die Eltern denken: Ich muss mal wieder mit meinem Jungen Fahrrad fahren. Dass sie wieder einmal etwas mit ihren Kindern unternehmen.

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen