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Landeszeitung

17. Dezember 2017 | 05:28 Uhr

Europawahl : „Die EU wird verkannt“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Wahlmüdigkeit junger Menschen liegt nicht an den Wahlkampfthemen, sagt die Partei-Jugend im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Das Interesse junger Menschen an europäischer Politik ist ernüchternd: An der vergangenen Wahl zum europäischen Parlament im Jahr 2009 beteiligte sich von den 21- bis 29-Jährigen im Land nur jeder fünfte. „Der Grund ist einfach: Europa ist weit weg und die Auswirkungen sind nicht direkt zu spüren. Viele haben das Gefühl, als Wähler nicht viel zu erreichen“, sagt Katja Ludwig (23), Vorsitzende des Kreisverbands der Jungsozialisten. Sie und ihre Genossen versuchen, das zu ändern. Neben ihrem Verband gibt es von den etablierten Parteien nur zwei weitere in Rendsburg-Eckernförde: Die Junge Union und die Jungen Liberalen. Grüne, Piraten und Linke haben keine eigenen Jugendverbände auf Kreisebene. Dabei haben die jungen Parteigänger durchaus etwas zu sagen.

„Wir haben ein generelles Problem bei Europawahlen: Die Notwendigkeit der EU wird verkannt“, kritisiert etwa Michael Stötzler (24), Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen (Julis). „Im Wahlkampf werden kaum konkrete Punkte genannt, man hört immer nur, wie toll Europa ist. Dabei kann die EU bei Problemen helfen, die national nicht zu lösen sind.“ Ein Beispiel sei das Datenschutzabkommen mit den USA, bei dem die EU-Staaten ihm zufolge nur gemeinsam eine gute Verhandlungsposition haben. Ähnlich sieht er die Finanzpolitik: „Wir haben gesehen, was passiert, wenn wir mit einer gemeinsamen Währung alles auf nationalstaatlicher Ebene lösen wollen: Die Schuldenkrise ist entstanden, weil sich einzelne Staaten nicht an die Konvergenzkriterien gehalten haben.“ Dennoch halte er nichts davon, alles zu zentralisieren. „Aber gemeinsame Regeln müssen sein.“ Wer die nicht einhalten könne, müsse die Möglichkeit bekommen, den Währungsraum auf eigenen Wunsch zu verlassen. Diese Themen seien nicht die Ursache des jugendlichen Desinteresses. „Sie würden den Nerv der jungen Leute treffen, wenn die Parteien sie besser transportieren würden.“

Auch Katja Ludwig von den Jusos findet, dass es nicht in erster Linie die Wahlkampfthemen selbst sind, die junge Leute abschrecken. Europäische Abläufe seien eben sehr komplex. „Deshalb müssen wir zeigen, wie lebendig Politik sein kann.“ Gemeinsame Aktionen wie Flyer verteilen trügen dazu bei. Aber auch die Themenwahl der Mutterpartei SPD spreche Jungwähler an, etwa Mindestlohn oder Gleichstellung. Ihre wichtigste Forderung: „Das Wahlalter muss auf 16 Jahre gesenkt werden, um zu zeigen, dass das Engagement der Jugendlichen gewünscht ist.“

Im Gegensatz zu den Julis und Jusos stellt die Junge Union keine einzelnen Wahlkampfthemen in den Vordergrund. Damit unterscheide sie sich auch von der Mutterpartei CDU, so der JU-Kreisvorsitzende Max Schmachtenberg (27). „Die CDU will alles abdecken. Wir sind thematisch eingegrenzter: Wir zielen auf Frieden und Einigkeit in der europäischen Gemeinschaft ab. Unsere Generation kann sich ja nicht vorstellen, dass das auch einmal anders war.“ Das komme auch besser an, als über Verordnungen zu Olivenöl-Kännchen oder Gurken zu streiten. Dennoch unterstütze die JU die Mutterpartei im Straßenwahlkampf. „Im Internet und besonders in den sozialen Netzwerken lassen sich die Botschaften aber besser vermitteln als in der Fußgängerzone“, findet Max Schmachtenberg.

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