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Besuch in Rendsburg : Die Enkelin des Zeppelin-Fahrers

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wie Eduard Boëtius überlebte der Sylter Christian Nielsen den Brand des Zeppelins „Hindenburg“. Enkelin Maiken Nielsen hat sich viele Jahre auf Spurensuche begeben – und erinnert jetzt in einem Buch an ihren Großvater.

Als der Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 bei der Landung im amerikanischen Lakehurst in Flammen aufging, gelang dem 27-jährigen Höhensteuermann Eduard Boëtius der lebensrettende Sprung aus der Gondel. Der gebürtige Föhrer wohnte später in Schülp bei Rendsburg, wo er am 7. November 2002 starb. Auch der Freund von Boëtius überlebte: Christian Nielsen war als Navigator an Bord des Luftschiffes. Seine Enkelin stattete Rendsburg jetzt einen Besuch ab. Anlass war die Lesung aus ihrem Buch „Und unter uns die Welt“. Wovon sie übrigens auch ein angebrochener Wirbel nicht abhalten konnte.

Der in Rendsburg aufgewachsene Schriftsteller Henning Boëtius hat in seinem im Jahr 2000 veröffentlichten Roman „Phoenix aus der Asche“ über das Unglück und seinen Vater geschrieben. Maiken Nielsen hat jetzt ihrem Großvater Christian mit einer Roman-Biografie ein Andenken gesetzt. Der Hamburger Reporterin und Rundfunksprecherin ist das Buch „eine Herzensangelegenheit“ (siehe Interview). Sieben Jahre lang hat sie intensiv dafür recherchiert, zum Teil gemeinsam mit ihrem Vater. „Geschrieben habe ich es dann in fünf Monaten“, erklärte sie den gebannt lauschenden Zuhörern in der Buchhandlung Liesegang.

Der Sylter Christian Nielsen fuhr anfangs als Matrose zur See. Doch die Luftschiffe faszinierten ihn. Der gebürtige Flensburger Hugo Eckener ließ auf der Zeppelin-Werft in Friedrichshafen am Bodensee mit der „Hindenburg“ eines der größten Luftfahrzeuge bauen – und hatte gerne Norddeutsche um sich. Nielsen kam nach Friedrichshafen und konnte sich seinen Traum vom Fliegen erfüllen. Eckener war es dann auch, der bei dem schwäbischen Standesbeamten den Namen Rink für Christians Sohn durchsetzte.

Diese Begebenheit ist nur eine von vielen, denn in dem Buch geht es um mehr als Zeppeline. Unter anderem um die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Und um Christians große Liebe zu der – fiktiven – amerikanischen Journalistin Lil Kimming. Am Ende, bei der Schilderung des Brandes, wird es dann so spannend, dass atemlose Stille in der Buchhandlung herrschte.

 

INTERVIEW mit der Autorin

Wie entstand die Idee zu diesem Buch?

Maiken Nielsen: Schon als Kind wusste ich, dass ich einen berühmten Großvater habe. Aber ich habe mich nicht getraut, über ihn zu schreiben. Weil ich nicht wusste, ob ich ihm zu nahe trete. Weil ich befürchtete, dass vielleicht dunkle Aspekte zu Tage treten würden. Und ich war mir nicht sicher, ob es mir gelingen würde, die Zeppelin-Technik zu beschreiben.

Sie haben aber einige historische Romane geschrieben.

Ja, ich wollte gerne Bücher verfassen. Die Romane dienten mir sozusagen zum Warmschreiben für dieses eine große Buch. Denn – dieses Buch ist meine Herzensangelegenheit.

Warum historische Romane? Interessieren Sie sich für Geschichte?

Ich bin der Meinung, ohne Wissen um den geschichtlichen Hintergrund könnten wir nicht leben – weil wir vieles nicht bewerten könnten. Ich mag alte Dinge und höre gerne Musik früherer Zeiten, zum Beispiel Swing.

Gab es einen Auslöser, dass Sie sich dann doch an den Stoff herangetraut haben?

Ich war vor zehn Jahren im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen. Ich entdeckte dort keinen Hinweis auf Christian Nielsen. Das fand ich ungerecht, das hat mich erbost. Ich möchte gerne, dass die Welt weiß, dass es Christian Nielsen gab.

> Homepage der Autorin mit Hintergrundinformationen: www.maiken-nielsen.info

> Buch: „Und unter uns die Welt“, 448 Seiten, Wunderlich Verlag, 19,95 Euro

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erstellt am 17.Feb.2017 | 14:48 Uhr

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