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Landeszeitung

26. September 2017 | 06:03 Uhr

Rendsburg : Die ehrenwerte Gilde und der Vogel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Altstädter Vogelschützengilde richtet am Dienstag ihr Königsschießen aus.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Der König ist tot, es lebe der König. Wenn irgendwann am Dienstagnachmittag bei der Altstädter Vogelschützengilde von 1531 der letzte Schuss gefallen ist, endet die Amtszeit seiner Majestät Christopher Leptien. Zeit, um ihren alten König zu trauern, haben die Gildebrüder nicht, der neue wird sogleich ausgerufen. Einzige Hürde, die der kommende Würdenträger dafür überwinden muss: Er muss aus 100 Metern Entfernung den hölzernen Vogel von der Stange schießen. Ab 15.30 Uhr wird das Schießen im Schützengrund Hindenburgstraße für Zuschauer auf eine Videoleinwand übertragen.

Bevor der Vogel fällt, wird er aber noch genüsslich gerupft. Die Anbauteile wie Flügel oder Zepter etwa sind begehrte Trophäen bei den Schützen. Im Normalfall werden sie einzeln abgeschossen. „Einmal haben wir erlebt, dass beide Flügel gleichzeitig heruntergekommen sind“, sagt Ältermann Thomas Krabbes und schmunzelt. Das ist aber noch nichts gegen den Kunstschützen, der bewusst vorbei geschossen hat und dann trotzdem den Vogel abgeschossen hat. Seine Kugel ist abgeprallt und hat das Tier von hinten erlegt. „Der hat natürlich spärlich geguckt , sich aber dennoch in sein Amt gefügt“, sagt Hans von Fehrn-Stender. Das arme Tier wird übrigens alle paar Jahrhunderte gegen ein anderes Modell ausgetauscht. „Ganz am Anfang war es mal ein Papagei“, sagt Krabbes, „und dann kam irgendwann der preußische Reichsadler.“ Vielleicht hat dem preußischen Staat der respektlose Umgang mit seinen Symbolen nicht gefallen, jedenfalls wurde der stolze Adler irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegen den heutigen Vogel ausgetauscht. „Dieses Modell gibt es jetzt seit 1910 nahezu unverändert“, sagt Thomas Krabbes.

Veränderung gibt es dagegen beim Personal der Gilde. Der Notar Markus Stöterau wird die Schützenbrüder als „Speckmichel“ – so heißen die Neulinge – verstärken. Eine Entscheidung fürs Leben: „Bei uns tritt man nur durch Tod aus“, sagt Krabbes. Wie bei der Mafia. Aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit der ehrenwerten Gilde mit der ehrenwerten Gemeinschaft.

Ab 18.30 Uhr spielt die Norddeutsche Sinfonietta bis zum Eintreffen der Gilde Werke von Mozart, Piazzolla, Strauss und anderen auf dem Altstädter Markt. „Danach wird der Choral aus den Fenstern des Alten Rathauses in alle vier Himmelsrichtungen gespielt“, sagt Krabbes. Von Schülern der Christian-Timm-Schule, die anschließend auch den Zapfenstreich spielen. Der wurde sogar schon von Kommodore Hartmut Zitzewitz gelobt. „Und der hat schon einige Zapfenstreiche in seinem Leben gehört“, sagt Ältermann Krabbes.

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