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Tea-Time : Die besten Jungmusiker der Welt in Büdelsdorf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Konzert in der ACO Thormannhalle im Rahmen des Schleswig-Holstein-Musikfestivals war eine Überraschung für die Besucher.

17 Mal Musik, zwei Pausen, ein Preis: Das Tea-Time-Konzert des Schleswig-Holstein-Musikfestivals (SHMF) am Sonnabend ab 17 Uhr ist für sein Überraschungsangebot berühmt. Es war wie in den Vorjahren als eines der ersten Konzerte ausverkauft.

Spannend war es: Bis zum Eingang in die ACO Thormannhalle war vom Programm nichts bekannt. Auch der Humor kam nicht zu kurz. Agnes Monreal, Leiterin der Orchesterakademie und verantwortlich fürs Angebot, freute sich über das „unglaubliche Vertrauen, das unserer ‚sneak preview‘ mit kleinen klassischen Besetzungen entgegengebracht wird.“

Aus der ganzen Welt kamen die Besten der besten Jungmusiker. Sie hatten sich in den Heimatländern zur Teilnahme an der SHMF-Orchesterakademie qualifiziert, vertraten 26 Länder und viele Sprachen. Mindestens eine sprechen und verstehen sie wie das Publikum gemeinsam: Die Musik. Der Slogan „Let’s make music as friends“ auf den schwarzen T-Shirts erinnerte daran.

In René Leibowitz‘ (1913-1972) „Marijuana“-Variationen wurde klar, dass aber sogar die Weltsprache Musik schwer verständlich sein kann. Angefangen wurde mit einem Satz aus Antonín Dvoráks G-Dur Streichquintett und Alfredo Casellas spritzigen „Fünf Musiken für Marionetten“. Zum Schluss des ersten Teils folgte eine wunderbar verkleinerte und verkürzte Version von Richard Strauss‘ „Till Eulenspiegels lustigen Streichen“, mit „nur“ fünf statt 120 Spielern. Feinstens musiziert, die Geschichte dazu dachte man sich selbst. Gelungen! Besonders herausfordernd für Musiker war auch das Trio für Oboe, Klarinette und Fagott von Georges Auric. Schwer zu spielen, ungewohnt zu hören.

Überraschung nach der ersten Pause: Zwölf Schlagzeuger im Breitwand-Sound, zum Schluss mit großem Donner sogar im Raum verteilt, präsentierten „Pléïades“ des 2001 verstorbenen Yanis Xenakis. Extra Applaus für den dirigierenden Dozenten Guido Rückel.

Der Gegensatz dazu folgte unmittelbar: Der erste Satz aus Franz Schuberts C-Dur-Streichquintett mit Anfang aus dem Nichts, totaler Stille. Zutiefst berührend. Wie im folgenden auch Nieves Inmaculada Aliaño Ramos‘ mit ihrer besonderen Art, die Querflöte zu spielen. Sensationell der Anfang von Mozarts D-Dur-Flötenquartett! Johannes Brahms 1. Satz aus dem B-Dur Klaviertrio schaffte es ebenso ins Programm wie zwei Sätze aus Ludwig van Beethovens f-Moll-Streichquartett op. 95: Wunderbar, klar, lebendig und bis auf die Cellistin im Stehen gespielt. Ein neuer Trend in der Kammermusik.

Block drei: Gleich zwei Streichquartette gleichzeitig in dem deshalb so selten aufgeführten Oktett in Es-Dur op. 20 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Hier mit einer starken Besetzung aus Taiwan. Das Land wurde entdeckt als Schatzkiste für gute Streicher. 50 hatten sich dort zum Vorspiel angemeldet, und die Besten es bis zum Auftritt in Büdelsdorf geschafft. Erste Wahl! Der „Sommer in Buenos Aires“ von Astor Piazzolla für Klaviertrio verzauberte besonders stark – nach dem verregneten Vormittag mit echtem Schleswig-Holstein-Wetter. Das „Crazy-(Klarinetten) Quintett“ begeisterte mit Zitaten aus „Carmen“ bis „Cumparsita“ und Ländler: Johlender Beifall – Zauber der Volksmusik, wenn sie denn wie hier sehr gut gemacht ist. Das gilt auch für das von Omer Levi zusammengestellte Bläser-Potpourri für Oboen, Klarinetten und Hörnern mit „Hits aus der Bar“. Acht Celli und ein Kontrabass mit Carl Davidoffs „Hymne“ und Giovanni Sollimas „J .Beuys Song“ aus „Terra Aria“ bereiteten danach auf den schlafenden Löwen („The lion sleeps tonight“) in der Bearbeitung für vier Hörner vor. Auch mit Gesang. Der war allerdings nicht ebenbürtig den Hörnertönen. Spaß hat es dennoch gemacht. Wie auch das „Concerto Italiano“ für Trompeten, Horn, Posaune und Tuba. Ende auf dem Punkt!

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erstellt am 31.Jul.2017 | 13:03 Uhr

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