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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 17:32 Uhr

Die Autofahrer gingen lieber vom Gas

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Blitzermarathon in der Büsumer Straße: Deutlich weniger Temposünder als üblich / Mit 163 km/h über die Rader Brücke

von
erstellt am 11.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Johannes Büller weiß genau, was los ist. Als Polizeiobermeisterin Claudia Linnemann die rote Kelle hochhält und den 46-Jährigen aus Westensee in der Büsumer Straße an den Fahrbahnrand lenkt, sagt er: „Ich war zu schnell, oder?“ Ein bisschen ärgert Büller sich über sich selbst, denn auch er hat wie die meisten anderen Schleswig-Holsteiner, die gestern an über 120 Kontrollstellen in eine Radarfalle geraten sind, von dem bundesweiten Blitzermarathon gehört. „Alle Kontrollstellen waren vorher bekannt“, sagt Claudia Linnemann – so auch die in der Büsumer Straße. In den ersten vier Stunden der Kontrolle blitzen die Beamten 15 Autofahrer, am schnellsten ist einer, der nach Abzug der Toleranz mit 21 km/h zu viel auf dem Tacho über die Straße rast, die direkt an ein Wohngebiet grenzt. Für diesen Fahrer wird es teuer, der Tempoverstoß kostet ihn nicht mehr nur ein Verwarngeld, sondern 80 Euro und bringt einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei.

Der Unterschied zu den normalen Geschwindigkeitskontrollen, die hier immer wieder vorkommen, ist deutlich: Diesmal tappte in der Tempo-30-Zone in der Büsumer Straße nur etwa jeder zehnte Autofahrer in die Radarfalle – ohne Ankündigung ist es üblicherweise jeder vierte.

Dass der Blitzmarathon etwas bringt, daran glauben die Polizisten auf der Straße. „Wir kommen mit den Bürgern ins Gespräch, alle waren bisher einsichtig“, sagt Claudia Linnemann. Genervt oder aggressiv sei keiner gewesen. „Es geht ja nicht darum, hier jemandem das Geld aus der Tasche zu ziehen“, sagt Linnemann. Und das sehen auch die gestoppten Autofahrer so. „Wenn jemand bei mir durch die Wohnstraße brettert, wo meine Kinder spielen, dann werde ich auch aggressiv“, sagt ein geblitzer Autofahrer, der seinem Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, weil er als Fahrdienstleiter seinen Angestellten eingeschärft hat, auf Blitzer zu achten. „Schon peinlich, dass es mich jetzt erwischt hat.“

Heute will die Polizei die Ergebnisse des Blitzmarathons bekannt geben. Schon gestern zog der Sprecher des Landespolizeiamtes, Lothar Gahrmann, ein positives Zwischenfazit. „Die Leute fahren auch dort langsamer, wo gar keine Blitzer angekündigt worden sind.“ Landesweit sei die Quote der geblitzten Fahrzeuge „relativ gering“. Allerdings habe es auch Ausreißer gegeben – etwa einen Dänen, der die Rader Hochbrücke statt mit erlaubten 60 km/h mit 163 km/h passierte. Gahrmann: „Dafür durfte er 1800 Euro hinterlegen.“ Die Beamten seien motiviert dabei gewesen, keiner habe die Blitzanlagen vorzeitig abgebaut. Das hatten einzelne Gewerkschaftsmitglieder angekündigt, die sich wegen der ohnehin schon hohen Arbeitsbelastung der Beamten gegen den Blitzmarathon ausgesprochen hatten.

Johannes Büller findet, dass der Blitzermarathon eine gute Aktion ist, auch wenn er selbst in die Radarfalle getappt ist. „Ich denke, das bringt was.“ Es sei vernünftig, dass die Polizei so massiv kontrolliere. „Ich fahre sonst nicht zu schnell, aber ich habe das 30-er-Schild nicht gesehen – und da hat es auch schon geblitzt.“ Sechs km/h ist er zu schnell gefahren – nach Abzug der Toleranz. Nun wird er wie viele tausend andere Schleswig-Holsteiner in den nächsten Wochen Post bekommen – mit einem Überweisungsträger dabei: 15 Euro kostet Johannes Büller der Blitzmarathon.

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