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Diagnose Diabetes : Die Angst begleitet den Alltag

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Diagnose war ein Schock. Der dreijährige Jannik leidet an Diabetes mellitus Typ 1. Der Junge aus Hamdorf muss intensiv betreut werden. Die Kontrolle der Blutwerte ist lebenswichtig.

Hamdorf | Jannik streckt seiner Mama das Händchen entgegen. Die Mutter umfasst den Mittelfinger des Jungen und ritzt die Haut auf. Ein Blutstropfen erscheint. Birte Westphal hält den Messstreifen in den Lebenssaft. Das schwarze Gerät, das wie ein kleines Handy aussieht, beginnt zu arbeiten. Die Auswertung erscheint auf dem Display: Die aktuellen Blutzuckerwerte des Dreijährigen. Der kleine Pieks muss viele Male am Tag wiederholt werden. Die Kontrolle ist lebenswichtig für das Kind. Denn Jannik leidet an der unheilbaren Krankheit Diabetes Typ 1.

„Die Diagnose vor drei Monaten war ein Schock“, sagt die Mutter Birte Westphal. „Ein Riesenberg türmte sich vor mir auf.“ Die Nachricht habe sofort einen Film ausgelöst, der vor ihrem inneren Auge ablief. Denn die Hamdorferin wusste genau, was auf ihren Sohn zukommt: Lebenslange Disziplin, Selbstmanagement, Arzttermine. „Das ganze Leben dreht sich um den Blutzucker.“ Die Angst vor Komplikationen und Koma begleite den Alltag ständig. Die Krankenschwester und Diplom-Pädagogin, die als Referentin beim Landesverband der Diakonie für den Bereich Altenhilfe arbeitet, leidet selber seit ihrem vierten Lebensjahr unter der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes, im Volksmund: Zuckerkrankheit.

Die Schwangerschaft war für Birte Westphal, die eine Insulinpumpe trägt, zwar ein Risiko. „Aber ich bin durch mein Diabetes-Team in der Eckernförde Klinik sehr gut betreut worden.“ Die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit zu vererben, liege bei nur vier Prozent. Das Ungeborene habe sich normal entwickelt. Auch bei den späteren Untersuchungen des Säuglings sei immer alles in Ordnung gewesen. Doch im Februar dieses Jahres sei sie unruhig geworden. Jannik musste auffällig oft Wasser lassen. Die Windeln waren immer übermäßig nass. Das kann ein erstes Symptom sein. Diabetes-Kinder klagen über starken Durst und müssen ständig zur Toilette. Eine Urinprobe beim Kinderarzt bestätigte die Befürchtung, dass Jannik an Diabetes Typ 1 leidet – nicht zu verwechseln mit der Volkskrankheit Diabetes II, die durch Ernährung und Lebenshaltung beeinflusst werden kann.

Nach der Diagnose wurde Jannik sofort ins Krankenhaus in Rendsburg eingewiesen. „Hier gibt es ein Team, das spezialisiert ist auf Diabetes bei Kindern und Jugendliche“, berichtet Janniks Mutter. Der Dreijährige trägt mittlerweile eine Insulinpumpe mit einem Katheder im Unterhautfettgewebe am Po. Das Gerät muss stündlich überwacht und neu programmiert werden. Für die Eltern von Jannik ist die Kontrolle ein gewohntes Ritual. Auch der Junge hat sich an die Prozedur gewöhnt. „Das ist die rote Perle“ – so nennt er den Blutstropfen beim Messen.

Im Kindergarten in Nübbel sind die Erzieherin ebenfalls mit Pumpe und Messgerät vertraut. Die Mitarbeiterinnen wurden speziell für den Betreuung von Jannik geschult. Der Junge besucht die „Kinderstube“ seit knapp zwei Jahren. Die Eltern arbeiten beide in Vollzeit. Die Heimatgemeinde der Familie konnte keinen Krippenplatz stellen und leistet an die Nachbargemeinde Nübbel eine Ausgleichszahlung. Nach der Sommerpause muss der Dreijährige in eine Regelgruppe wechseln. „In Nübbel klappt es wirklich gut“, sagt die Mutter. „Hier habe ich das nötige Vertrauen.“ Um ihrem Kind Stress zu ersparen, der zu massiven Störungen des Stoffwechsels führen könnte, wollen die Eltern Jannik einen Umzug in die fremde Umgebung in Hamdorf ersparen. Doch der Antrag von Birte und Martin Westphal an die Gemeinde Hamdorf, die Ausgleichszahlung an Nübbel weiterhin zu zahlen, ist vorläufig abgelehnt worden.

„Ich kann die Eltern gut verstehen“, sagt Bürgermeister Jörg-Peter Thomsen. „Aber ich muss auch die Seite der Gemeinde sehen.“ Der Hamdorfer Kindergarten könne die gleichen Bedingungen erfüllen wie in Nübbel. Die Mitarbeiterinnen sollen entsprechend geschult werden. Die Gemeinde halte also einen bedarfsgerechten Platz für Jannik vor. Nach der Schätzung von Birte Westphal handelt es sich um jährliche Kosten von maximal 4000 Euro für die Gemeinde Hamdorf.

„Es geht nicht darum, dass wir den Erziehern in Hamdorf die Betreuung eines Kindes mit der Diagnose Diabetes Typ 1 nicht zutrauen“, argumentiert die Mutter. „Aber wir wissen, dass für Jannik extrem hoher Stress lebensbedrohlich werden kann.“ Die Pädagogin will darum kämpfen, dass ihr Kind in seiner vertrauten „Kinderstube“ bleiben kann. Am Dienstag, 27. Mai, (19.30 Uhr, Gaststätte Lafrenz) soll die endgültige Entscheidung in der Sitzung der Gemeindevertreter fallen. Birte Westphal will sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort melden und um Verständnis werben. Das koste sie zwar viel Kraft. „Aber ich mache das für Jannik.“

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erstellt am 26.Mai.2014 | 15:00 Uhr

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