„Mister History“ in Rendsburg : Die Anekdoten des ZDF-Historikers

Guido Knopp fra
Guido Knopp

Lesung mit Guido Knopp: Der „Geschichtslehrer der Nation“ erzählt von Treffen mit den Mächtigen.

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17. September 2018, 19:12 Uhr

Rendsburg | Guido Knopp im großen Pavillon des Nordkollegs – ein Abend wie im Fernsehen, nur ohne Fernsehen. Professionalität vom Anfang bis zum Schluss. Auftritte in der Öffentlichkeit gewohnt, spulte der 70-jährige Journalist, Historiker, Publizist und Moderator deutlich markierte Textstellen aus seinem Buch „Meine Geschichte“ ab.

Angefangen als Zeitungsredakteur war Knopp ab 1984 Leiter der Redaktion „Zeitgeschichte“ beim ZDF. Seine viel beachteten Fernsehserien mit historischem Hintergrund machten „Mister History“ zu einem der bekanntesten Geschichtslehrer Deutschlands. Sein Buch ist persönlicher Erlebnisbericht eines hauptsächlich als Fernsehjournalist bekannten Mannes. Wie sehr „Meine Geschichte“ auch die Geschichte vieler der rund 70 Anwesenden war, bewies die geschrumpfte Büchermenge am Schluss des Abends. Guido Knopp hatte diese Geschichten stellvertretend für die Öffentlichkeit mit den Großen und Mächtigen erlebt. Er konnte über Hintergründe zu weltbewegenden Entscheidungen, aber auch über Charaktereigenschaften der Persönlichkeiten berichten. Und über die eigene Vita: Wegen seines ungewöhnlichen Vornamens „Guido“ wurde Knopp zunächst gehänselt. Später ließ er Chemie aus Liebe zum Fußball lieber ausfallen, das Abitur bestand er knapp. Später versuchte sich Knopp als Bierfahrer, erlebte die letzte Vorlesung Theodor W. Adornos in Frankfurt mit und kam nach Redakteurs-Erfahrungen zum Fernsehen.

Knopp war dort, wo Geschichte geschrieben wurde: Er erlebte Lech Walesas Zeit in Danzig, das Berlin der DDR mit Zwangsumtausch 1:6 und auf dem Friedhof deponierten DDR-Mark, das Russland der 80er-Jahre, machte Bekanntschaft mit Michail Gorbatschow und beschrieb auf kuriose Weise die inneren Hierarchien des ZDF. Wobei die „Schnittblumenberechtigung“ (das Recht, jeden Montag einen frischen Strauß ins Büro zu erhalten) in Mainz bis heute als allerhöchste Auszeichnung gilt.

25 000 Schweizer Franken als Schutzgeld beim Dreh in Moskau, Gespräche mit den Kanzlern der Republik, insbesondere mit Helmut Kohl zur Wiedervereinigung, sind weitere Schlaglichter der Laufbahn Knopps. Bis zur Schilderung der Maueröffnung, die das ZDF total verpennt hatte. Knopp weiß es genau: „Die schönste Nacht in der deutschen Geschichte, die schwärzeste für das ZDF!“

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