Klangcoach Wolfgang Saus : "Die älteste Musik der Welt"

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Obertonmeister Wolfgang Saus schult den "Europa Obertonchor" am Nordkolleg Rendsburg. Am Sonnabend findet ein Konzert statt. Der Eintritt ist frei.

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05. April 2013, 09:26 Uhr

Rendsburg | Ein satter Klang schwebt durch den Raum. Auch Flötentöne sind zu hören. Doch woher kommen sie? Die Hörer blicken sich suchend um. Ein Instrument ist nirgends zu entdecken - dafür ein verschmitzt lächelnder Wolfgang Saus, nachdem die Töne verklungen sind.

Saus wird als Obertonmeister bezeichnet und reist als Klangcoach durch die Welt. Er ist fasziniert vom Obertongesang und versteht es, sein Gegenüber dafür zu begeistern - momentan 40 Mitglieder des "Europa Obertonchores" (EOC), die am Nordkolleg proben. Und Samstagabend präsentieren sie den Rendsburgern eine Kostprobe ihrer Kunst.

"Das Erlernen dauert höchstens fünf Minuten"

"Obertöne sind die älteste Musik der Welt", sagt Saus. Schon nach dem Urknall seien sie in den Gaswolken durch das Universum gereist. Er spricht vom Grundprinzip der pysikalischen Schwingung, davon, dass die Stimme diese Töne enthält und dass selbst zahlreiche Musiker noch nie etwas davon gehört haben. Das ist beruhigend für den Laien, der sich nun daran erinnert, dass die Mongolen doch auf diese Art singen. "Ja", sagt Wolfgang Saus. "Die Mongolen kennen den Obertongesang schon länger als wir. Aber wir kennen die Mongolen noch nicht so lange." Es war der Komponist Karl-Heinz Stockhausen, der 1968 die Obertöne für die westliche Welt entdeckte.

Seitdem wurden Gesangstechniken entwickelt und wurde erforscht, wie die Stimme diese Töne erzeugt. Denn die Obertöne sind ein Bestandteil der "normalen" Töne und werden durch Veränderungen des Resonanzkörpers (Rachen, Gaumen, Zunge) erreicht. "Jeder kann es. Das Erlernen dauert höchstens fünf Minuten", versichert Klangcoach Saus und beginnt gleich mit der Anleitung. Kurz danach schwingt ein erster zaghafter Oberton durch den Raum. Wenn eine Teilnehmergruppe im Workshop unter Anleitung einen Ton anstimmt, ist dieser wesentlich kraftvoller - und geht unter die Haut. Es scheint, als schwinge der gesamte Körper und auch die Seele mit. So sind die Beweggründe der Mitglieder auch ganz individuelle und unterschiedliche. Chorerfahrung ist zwar erwünscht - aber Becky Pannell aus England beispielsweise beschäftigt sich mit Körperwahrnehmung und kam auf diesem Wege zum EOC. "Man muss entspannt sein", lautet ihre Erfahrung mit dem Obertongesang. Und dass es in Gemeinschaft besser funktioniere. Für den Schweizer Marton Schneider war "gefühlsmäßig immer klar, dass da noch mehr ist". Über das Didgeridoo ist er zum Obertongesang gekommen. Wer das australische Instrument kennt, kann erahnen, wie Obertongesang klingt.

Zusammen mit dem renommierten Dirigenten Steffen Schreyer leitet Wolfgang Saus die Arbeitswoche am Nordkolleg. Als sie sich vor einigen Jahren kennen lernten, "hat mich fasziniert, wie er mit dem Klang arbeitet", sagt Schreyer von Saus. "Und ihn hat fasziniert, wie ich mit dem Chor arbeite." Denn Schreyer "holt die Stimme aus dem Körper", beschreibt der Sänger die Arbeit des Dirigenten. Dessen Anliegen - und das des Chores - ist es, den Obertongesang mit dem traditionellen Chorgesang zu verbinden und so "den Reichtum jedes Vokals zu vergrößern". So werden beim morgigen Konzert sowohl spezielle Obertonstücke gesungen als auch klassische Chorwerke.

Konzert: Sa., 6. April, 19.30 Uhr, Nordkolleg (Pavillon), Eintritt frei

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