Nortorf : Deutsch lernen bei der Radreparatur

Freuen sich über die Abwechslung und ihre neuen Fahrräder: Die fünf Flüchtlinge aus Eritrea, Iran und Somalia.
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Freuen sich über die Abwechslung und ihre neuen Fahrräder: Die fünf Flüchtlinge aus Eritrea, Iran und Somalia.

Nortorfer Bürger kümmern sich ehrenamtlich um Flüchtlinge und bringen ihnen nebenbei die Sprache bei.

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15. Dezember 2014, 14:30 Uhr

Pünktlich um 15 Uhr stehen die fünf jungen Männer vor der Volkshochschule und warten darauf, dass sie abgeholt werden. Dieter Schlüter kommt mit seinem Bus angefahren und sammelt die Männer ein. Ihr Ziel: die Nortorfer Gemeinschaftsschule. „Nächste Woche gehen die Jungs aber allein. Das hab ich jetzt nur gemacht, damit sie sich den Weg besser einprägen können“, berichtet Schlüter. Gemeinsam will er mit ihnen alte Fahrräder verkehrstauglich machen. Die Kommunikation ist dabei gar nicht so einfach. Deutsch sprechen die Männer nämlich nicht. Erst vor wenigen Wochen sind sie aus Eritrea, Iran und Somalia nach Deutschland gekommen, um Zuflucht zu finden.

Gemeinsam mit vier weiteren Mitgliedern des Nortorfer Bürgerforums hat es sich Dieter Schlüter zur Aufgabe gemacht, den jungen Männern zu helfen – ehrenamtlich. Nach einem Spendenaufruf wurden nicht nur Fahrräder gesammelt, sondern auch Winterkleidung. „Wir sind positiv überrascht von der Hilfsbereitschaft“, betont Schlüter, „nicht nur aus Nortorf, sondern auch aus dem Umland.“ Rund 20 Fahrräder wurden bereits abgeholt. Verkehrstauglich machen die Flüchtlinge ihre Räder nun selbst. Im Keller der Gemeinschaftsschule wurde ein warmer Raum gefunden. Mit dem richtigen Werkzeug machen sich die Männer ans Werk. Ziel der Aktion sei es nicht nur, den Flüchtlingen ein Fahrrad zu schenken, so dass sie unabhängig unterwegs sein können, sondern auch, dass sie beschäftigt sind. „Aber vor allem sehen wir das hier auch als eine Art Deutschunterricht“, erklärt Schlüter, der gemeinsam mit seinem Kollegen Meinhard Jaster an diesem Nachmittag mit den Flüchtlingen bastelt. „Der Konakt zu der Bevölkerung ist enorm wichtig“, betonen die beiden. Gemeinsam wurde bereits ein Ausflug in den Tierpark Arche Warder unternommen. Gegenseitig wurden auch schon Essenseinladungen ausgesprochen.

Berührungsängste gibt es auf keiner Seite. „Wir haben jede Menge Spaß und lachen viel“, freut sich Schlüter. Auf die Frage nach seiner Motivation, Flüchtlingen ehrenamtlich zu helfen, antwortet Meinhard Jaster: „Empathie.“ Es sei nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen. „Wir lernen gegenseitig voneinander“, sagt Schlüter. „Zum Beispiel Offenheit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.“

Der Austausch mit weiteren ehrenamtlichen Helfern aus Nortorf sei sehr rege. Und dabei entstünden komische, witzige und rührende Geschichten. „Ein Flüchtling kann ganz wunderbar Klavier spielen“, erzählt Schlüter. Nur durch Zufall habe man das herausgefunden. Willi Ehlers spiele und übe nun regelmäßig mit ihm. Die Flüchtlingsbetreuung in der Stadt laufe gut an, „aber es muss noch etwas an der zentralen Organisation gefeilt werden“, betont Schlüter, der bereits eine weitere Aktion geplant hat: „Ab nächster Woche wird es einen Frauen- und einen Männersportkurs geben. Damit sich alle auspowern können.“

Die Hilfe nehmen die Flüchtlinge dankbar an. „Das ist lieb“, sagt der 23-Jährige Mhretab Berhane aus Eritrea, stellvertretend für alle anderen Flüchtlinge. Seit einem Monat ist er in Deutschland und muss feststellen: „Es ist kalt.“ „Deshalb freuen wir uns auch weiterhin über dicke Jacken und Winterschuhe. Das Klima sind die Flüchtlinge nicht gewöhnt“, stellt Dieter Schlüter fest.

Am kommenden Freitag, 19. Dezember, veranstaltet die Nortorfer Kirchengemeinde gemeinsam mit dem Amt ein Kennenlerntreffen zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen um 15 Uhr im Markushaus.

Wer Fahrräder, Jacken oder Schuhe hat, kann sich an Dieter Schlüter unter Telefon 0  439  2/44  67 wenden.

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