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Aukrug : Detlef Ratjen begeistert von Natur und Artenvielfalt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der LZ-Serie „Lieblingsorte – Lieblingsplätze“ zeigt Detlef Ratjen, wo es in Aukrug am schönsten ist.

Was verbindet Menschen mit dem Ort, in dem sie leben? Welche Erinnerungen werden wach? Und an welche Lieblingsplätze kehren sie gern zurück? Mit alteingesessenen Bürgern unternehmen wir einen Spaziergang durch ihre Heimatgemeinde. In dem heutigen Teil der Serie führt Detlef Ratjen durch Aukrug.

Auerochsen, Störche und Weißkopfseeadler: An den Lieblingsplätzen von Detlef Ratjen bekommt man die abwechslungsreiche Tierwelt des Naturparks Aukrug zu sehen. Außerdem kann man von dem gebürtigen Homfelder erfahren, was es mit „Klein Paris“ auf sich hat und wie der Naturschutzring-Unterverein Erna zu seinem Namen gekommen ist.

An seinem absoluten Lieblingsplatz auf einer Anhöhe an der Nordwestseite des Boxbergs hat sich Detlef Ratjen einen Mini-Findling so hingesetzt, dass er bequem die seiner Meinung nach schönste Aussicht des Naturparks genießen kann: den Blick ins Buckautal. „In der Eiche hier war ein Hochsitz in vier Metern Höhe, von dem man noch besser gucken konnte“, erzählt Ratjen, „die Jäger haben diese Stelle deshalb Feldherrnhügel genannt.“

Genau dieser Blick ins Buckautal ist auch auf dem Titelfoto des Artenschutzkatalogs des Naturschutzrings Aukrug zu sehen, eines nach der erfolgreichen Testphase (2011-2013) verlängerten Pilotprojekts mit dem programmatischen Motto „Für Mensch, Natur und Landschaft“. Ein Motto, mit dem man auch das ehrenamtliche Engagement von Detlef Ratjen charakterisieren könnte, der Vorsitzender des Naturschutzrings Aukrug (2001-2010), des Vereins für „Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Aukrug“ (ERNA, 2002-2006), des Aukruger Männergesangvereins (1999-2004) sowie des Wasser- und Bodenverbands Untere Buckener Au (1984-2004) gewesen ist.

Ratjens erster ehrenamtlicher Chefposten war 1961/62 der Vorsitz bei der Aukruger Landjugend. Als er zu dieser Zeit seine landwirtschaftliche Ausbildung in Schönbek bei Bordesholm absolvierte, kam Ratjen alle drei Wochen mit dem Fahrrad nach Hause. „Da konnte ich schon von Nortorf aus das Homfelder Hünengrab sehen“, erinnert sich Ratjen, „da stieg dann die Stimmung immer mehr.“ Es sind sogar drei Hünengräber, die etwa 1600 v. Chr. als Begräbnisstätte dienten. „Diese Grabhügelgruppe ist ein Wahrzeichen von Aukrug“, steht für Ratjen fest, „und es ist ein Zeichen von Ehrfurcht und Respekt, dass diese Gräber bis heute nicht geöffnet wurden.“

Rund um die Bünzer Burg weiden neuerdings Auerochsen, denn Erna hat hier Anfang April seine vierte Weidelandschaft eröffnet (wir berichteten). Die neue Jungviehkoppel sei ein Meilenstein für Erna, meint Ratjen: „Jetzt reicht Erna auch ins Ortszentrum, die Spaziergänger können die Tiere wahrnehmen, und außerdem kommen die Jungtiere nun nicht mehr zu früh in die Zuchtnutzung.“

Ratjen zählt die Beweggründe auf, warum 2002 die ersten Auerochsen aus West-Brabant (Holland) nach Aukrug geholt wurden: „Wir wollten die Landschaft im Interesse des Naturschutzes offen halten, ein Bündnis von Bauern und Naturfreunden begründen, einen Ausweg aus der BSE-Krise finden, den Erlebniswert der Aukruger Landschaft steigern und die Stammrasse aller Rinder erhalten.“ Dass die Auerochsen im Buckautal seit 2002 als Landschaftspfleger ganze Arbeit geleistet haben, zeigt die zunehmende Artenvielfalt in ihrem Revier. Von der extensiven Beweidung durch die Heckrinder profitiert auch der Storch. Das Storchennest auf dem Gelände des Trabergestüts von Henning Rathjen, in dem in diesem Sommer zwei Jungvögel flügge wurden, hat 1994 ein Schleswag-Arbeitstrupp aufgestellt: „Plattform, Mast und das Eingraben waren ein Geschenk vom Pressesprecher der Schleswag für mich und meine Frau anlässlich unserer silbernen Hochzeit“, erklärt Detlef Ratjen, für den erfolgreich ihre Jungen großziehende Störche ein „Indikator für eine intakte Natur“ sind.

Von den Aussichtstürmen an der Homfelder Erna-Fläche aus hat Ratjen mit seinem Fernglas schon Kraniche, Rote Milane und Weißkopfseeadler gesichtet. Bei der Rundfahrt durch die fünf Aukruger Ortsteile kreist wie auf Bestellung ein Weißkopfseeadler hoch über der Bünzau-Herde von Erna am Glasbek in Bargfeld. Warum Erna Erna heißt, wissen nur wenige. „Wir hatten damals auf unserem Ferienhof eine Gastfamilie aus Berlin, die eine Tochter hatten, die Jule hieß, von ihrer Mutter aus irgendwelchen Gründen aber immer nur Erna gerufen wurde“, erzählt Ratjen, der es dann mit seinen Mitstreitern auch schaffte, einen Vereinsnamen zu finden, zu dem Erna die Abkürzung darstellte: „Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Aukrug“.

Wo in Aukrug sich „Klein Paris“ befand, das wissen dank einer Infotafel viele Boxbergbesucher. „Als es nach dem Zweiten Weltkrieg langsam wieder bergauf ging und die jungen Leute sich treffen und Spaß haben wollten, hat die Homfelder Familie Lietge im Wald eine Fläche planiert, wo dann jede Woche Musik und Tanz stattfanden“, erläutert Ratjen. Auch ein kleiner Schuppen samt Tresen wurde errichtet. Von 1949 bis 1954 verwandelte sich das Waldstück auf dem Boxberg allwöchentlich in „Klein Paris“, aber dann wurden die Behörden auf die Tanzveranstaltungen aufmerksam: „Der Kreis hat Klein Paris stillgelegt, weil diese Bauten im Außengelände illegal waren.“

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