Details aus der Vergangenheit

Elisabeth Herrmann beschreibt in ihrem Roman einen Mann, der sein Opfer besser kennt als es sich selbst.
Elisabeth Herrmann beschreibt in ihrem Roman einen Mann, der sein Opfer besser kennt als es sich selbst.

Knapp 50 Zuhörer: Elisabeth Herrmann stellt Krimi „Die Stimme der Toten“ vor

shz.de von
14. Januar 2018, 12:40 Uhr

Fantasie und Lebenserfahrungen zeichnen die Bücher von Elisabeth Herrmann aus. Wie auch den Kriminalroman „Die Stimme der Toten“, aus dem sie in Rendsburg im ehemaligen Kleinbahnhof in der Berliner Straße las – wobei „Lesen“ nur grob beschreibt, was sie den knapp 50 interessierten Bücherfans im voll besetzen Konferenzraum bot.

Der Abend mit Elisabeth Herrmann wurde in „kuscheliger Atmosphäre“ zu einer Begegnung der besonderen Art – wie es auch ihre Bücher und Themen sind. „Bei mir kommt das Schreiben aus dem Bauch heraus“, bekannte sie nach einer Stunde intensiv durchlebter Vorstellung. Stimmt. Es ist noch viel mehr dabei. Eine gehörige Portion Fantasie und Neugier an Themen, die auf den ersten Blick etwas abseitig wirken wie ihr Plan, einen Roman um einen Steuerprüfer vom Finanzamt zu schreiben. Inspiriert durch eine gerade überstandene Steuerprüfung sinnierte sie über den Menschen, der aufgrund seiner Tätigkeit ihre Lebensumstände im Detail kennt. So auch in dem vorgestellten 545-Seiten-Roman. Nur dass hier drastisch auf die Lebensumstände betroffener Vertreter von Geheimdiensten und merkwürdigen Menschen eingegriffen wird. Für 50 000 Euro soll die Reinmachefrau Judith Keppler im Hochsicherheitstrakt einer Bank eine Tasche abstellen. Mehr nicht. Falls sie sich weigert, gäbe es ja noch ihre Tochter.

Nur ein Beispiel aus dem Kriminalroman, in dem Elisabeth Herrmann die Story einer Tatortreinigerin und Umstände drum herum immer wieder mit überraschenden Wendungen weiter spinnt. Und doch bleibt alles nachvollziehbar. „Ich springe in die Person hinein“, schilderte sie ihrer Arbeitsweise. Sie besuchte eine Waffenmesse in London – „nur um mich wie ein Waffenhändler zu fühlen“.

Elisabeth Herrmann schreibt Bücher mit Realitätsbezug, in denen Leser wie unsichtbare Beobachter am Geschehen teilnehmen. Präzise und detailreich schildert die frühere Rundfunkjournalistin Umstände, Gedanken und Gefühle ihrer Akteure. Menschen wie Dombrowski: „erzkatholisch, der seine Tochter beim Lesen der Lutherbibel erwischte“ oder den Kater nach reichlichem Alkoholgenuss: „Hinter den Schläfen saßen zwei Schmiede, bereit auf den Amboss zu schlagen.“

Die „Stimme der Toten“ ist ein Buch voller psychologischer Tiefgründe und abseitigem menschlichen Verhalten, verkleidet als Krimi, in dem auch Darstellungen von psychischer und körperlicher Gewalt mit ihren Auswirkungen nicht fehlen.

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