Fussball-Kreisklasse : Der Wittenseer SV überrascht sich selbst

Akrobatisch und treffsicher: Torben Wulf  war mit 23 Toren der beste Schütze des Wittenseer SV und hatte damit maßgeblichen Anteil am Aufstieg seiner Mannschaft.
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Akrobatisch und treffsicher: Torben Wulf war mit 23 Toren der beste Schütze des Wittenseer SV und hatte damit maßgeblichen Anteil am Aufstieg seiner Mannschaft.

Mit dem Aufstieg hat bei dem Club niemand gerechnet. Der Trainerwechsel in Fockbek bringt doch noch den Klassenerhalt. Die Saison der Kreisklasse A war durchaus turbulent.

shz.de von
14. Juni 2014, 06:02 Uhr

Alle Welt schaut momentan gebannt und erwartungsvoll zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien. Auch die „kleinen“ Amateure im Kreis Rendsburg-Eckernförde bilden da keine Ausnahme. Dennoch lohnt ein Blick zurück auf ihre eigene, spannende Saison. In der Kreisklasse A gelang es der SG BSV/EMTV dem Wittenseer SV und dem SV Fleckeby, ihre Winterplatzierung zu verteidigen und in die Kreisliga aufzusteigen. Abgestiegen ist neben dem SV Holtsee, nach nur einjähriger Zugehörigkeit, auch die Reserve des Osdorfer SV.

SG BSV/EMTV

Der Meistertitel ging mit deutlichem Vorsprung völlig verdient an die SG, die sich im Laufe der Saison keine einzige Schwächephase erlaubt hat. „Viele meiner Spieler haben in ihrer Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht. Es war gut, dass sie dafür in der Kreisklasse A noch ein Jahr Zeit gehabt haben“, nennt Trainer Stefan Truelsen einen Grund für den souveränen Aufstieg. Doch im Hinblick auf die Kreisligasaison besteht weiterer Verbesserungsbedarf. „Besonders beim Umschaltspiel von Angriff auf Abwehr müssen wir geistig flexibler werden. Zudem ist es an der Zeit, dass die jüngeren Spieler mehr Verantwortung übernehmen“, so Truelsen, der in der abgelaufenen Spielzeit keinen Akteur gesondert herausheben wollte: „Die Mannschaft war der Star und hat als Kollektiv überzeugt“.

Wittenseer SV
Beim Wittenseer SV hat wohl niemand damit gerechnet, nach der vergangenen, eher durchwachsenen Saison, so durchzustarten. „Wenn jemand diesen Ausgang vor der Spielzeit prophezeit hätte, wäre er wohl für verrückt erklärt worden“, glaubt Erfolgscoach Peter Thede. Doch es gibt Gründe für den Aufschwung. „Jeder im Team brachte die Bereitschaft mit, für den anderen da zu sein und dessen Fehler auszubügeln. Letztendlich hat uns dieser starke Zusammenhalt den Aufstieg beschert“, ist Thede überzeugt. Bei der Frage nach dem Spieler der Saison kam der Coach, der weiterhin die sportlichen Geschicke beim WSV leiten wird, neben den Toptorschützen Torben Wulf (23) und Pascal Reimers (22) auch an Torben Rehder nicht vorbei: “Er hatte als Innenverteidiger maßgeblichen Anteil daran, dass wir nur 39 Treffer kassiert haben“.

SV Fleckeby
Fleckebys Coach Francois Cassini wollte die eigene Erwartungshaltung und die der Anhänger nach dem Abstieg aus der Kreisliga mit einer vorsichtigen Zielsetzung nicht zu hoch schrauben. Umso größer war dann die Freude über den nicht unbedingt einkalkulierten, direkten Wiederaufstieg. „Es ging mir in dieser Saison eigentlich vornehmlich darum, neue Hierarchien und Strukturen zu entwickeln. Auch den Teamgeist zu fördern stand zunächst ganz oben auf der Agenda“, so Cassini. Zu den vielen Lichtblicken der abgelaufenen Saison zählt er Jannik Bornerewitz. „Er stand zwar beruflich bedingt nicht so oft zur Verfügung, doch wenn er im Einsatz war, hat er seine Aufgabe, egal welche, zu hundert Prozent erfüllt“, schwärmt Cassini von seinem Mittelfeldabräumer. Bester Torschütze war Jens Matthiesen (21).

SSV Bredenbek
Um ein Haar wäre die Truppe von Peter Heuer aufgestiegen. Dass es nicht geklappt hat, ist für Betreuer Marco Holste allerdings kein Beinbruch. „Ich bin mit dem undankbaren vierten Platz eigentlich sehr zufrieden, denn damit hat vor der Saison doch keiner gerechnet“. Trotzdem wäre mehr drin gewesen, wie Holste zugab: „In manchen Partien, gegen vermeintlich schwächere Gegner, haben wir unnötig Punkte verschenkt, weil die Einstellung gefehlt hat“, trauerte er unter anderem dem 0:1 beim Osdorfer SV II nach. Zu den Stärken des Teams gehört hingegen der Zusammenhalt. „Die Jungs sind eingespielt, da sie sich schon sehr lange kennen“, so Holste. Doch darin könnte für die Zukunft auch ein Problem liegen. Christian Dalpiaz (37), als treffsicherster SSV-Torschütze (16), Michael Schulat (38) und Marco Carstensen (über 40) sind in die Jahre gekommen.

SV GW Todenbüttel
Die Grün-Weißen stellten das beste Team in der Frühjahrsserie. Dennoch gelang der direkte Wiederaufstieg nicht, weil sich die Hinrunden-Hypothek von zwölf Punkten und ungefähr 30 Toren Rückstand auf die Aufstiegskonkurrenz am Ende als zu hoch erwies. „Mit Haiko Thun, Mitchell Westerweller und zunächst auch Marcel Koppe fehlten mir vor der Winterpause wichtige Stammkräfte“, sagt Trainer Michael Knieriemen, der seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert hat. Nach der einzigen Niederlage in der Rückrunde (2:4 bei IF) musste GW seine Hoffnungen schließlich begraben. Zu den Gewinnern dieser Saison zählt der Coach die unermüdliche „Laufmaschine“ Jorge Illing, Andre Donner als stabilen Manndecker, und den umfunktionierten Mittelstürmer Patrick Pohlmann als großen Rückhalt im Tor.

Eckernförde IF
IF-Trainer Toni Fahn macht unmissverständlich klar, dass der sechste Platz für ihn einen Erfolg darstellt. Trotz der zwischenzeitlichen Chancen sich noch weiter vorne zu platzieren, sah er die Mannschaft nie in Zugzwang. „Wir sind der kleinste Verein in Eckernförde. Deshalb ist es überhaupt nicht notwendig, dass wir in die Kreisliga aufsteigen“, meint Fahn. Dennoch hätte man den Sprung realisieren können, doch dafür fehlten in der Rückserie die Tore von Raffael Fischer (24), der IF in der Winterpause verlassen hat. Ein Schwachpunkt ist nach wie vor die Disziplin: Gleich zwölf Mal schickten die Unparteiischen
einen IF-Akteur vorzeitig vom Feld. Negativrekord der Liga. Spieler der Saison war für Fahn, der dem Club erhalten bleibt, Michael „Jason“ Wight: „Immer beim Training und die Zuverlässigkeit in Person“.

SV Felm
Die Felmer blieben sich bis zum Ende treu, indem sie eine grundsolide Spielzeit mit Platz sieben abschlossen. Zu mehr reichte es jedoch nicht, weil Leistungsträger wie Philip Borrmann und Matthias Winkelmann zu lange mit schwerwiegenden Verletzungen ausfielen. Nur drei Niederlagen kassierte die Truppe von Kay Mielenz nach der Winterpause. Zwei Gründe waren die wiedergewonnene Treffsicherheit von Henrik Listner, der am Ende mit 27 Treffern noch Torschützenkönig wurde, und die Rückkehr von Christopher Grube (16). Verbesserungsbedarf sieht Mielenz, der wie fast alle aus dem aktuellen Kader für die neue Saison seine Zusage gegeben hat, beim Umschaltspiel: „Nach einem Fehlpass wird zu behäbig der Rückwärtsgang eingelegt“, moniert Felms Coach, der in Christian Beckmann den Spieler der Saison sah.

Brekendorfer TSV
Der TSV erreichte einen gesicherten Mittelfeldplatz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Die Hinrunde, in der wir mit vielen verletzungs- und beruflich bedingten Ausfällen zu kämpfen hatten, verlief alles andere als optimal. Ich hatte mir insgeheim eigentlich einen Platz direkt hinter den Aufstiegsrängen erhofft“, erklärt Coach Mario Sörensen. Obwohl er fast jede Woche eine andere Elf aufbieten musste, zeigte er sich mit dem Stand der Entwicklung zufrieden: „Ich habe unter anderem die Viererkette eingeführt und das hat in vielen Begegnungen schon sehr gut geklappt“. Neben Top-Torjäger Henrik Staack (24) überzeugte vor allem Jannik Stieper, der mit seinem hohen Maß an Spielverständnis zu den absoluten Leistungsträgern zählte. „Leider schließt er sich dem FC Fockbek an“, bedauert Sörensen, der auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie des TSV stehen wird.

FSV Friedrichsholm
Blickt man auf die Tabelle, so gelang dem Aufsteiger relativ sicher der Klassenerhalt. „Realistisch gesehen war ohnehin nicht mehr drin“, bilanziert Trainer Berndt Gosch. Die Grundlage für das Erreichen des angestrebten Zieles war die positive Bilanz in den Partien vor eigenem Publikum. Der Sieg gegen den WSV (3:2) und das Remis gegen den Liga-Primus SG BSV/EMTV (3:3) sah Gosch als Höhepunkte und Beweis an, in dieser Klasse durchaus mithalten zu können. „Gerade die Begeisterung der Zuschauer in den Heimspielen hat uns getragen“, schwärmt Gosch, der insgesamt von einer geschlossenen Mannschaftsleistung sprach. Sorgen bereiteten ihm die vielen Verletzungen. Die Ausfälle waren oft nicht zu kompensieren, so dass aus einem fast ausgeglichenen Torverhältnis (-2) am Ende ein ziemlich mäßiges wurde (-26).

TuS Rotenhof II
Der TuS konnte sich beim Thema Klassenerhalt aufgrund der lange ungeklärten Frage, wie viele Teams denn nun absteigen würden, nie ganz sicher sein. Mit einem ungefährdeten 5:1-Erfolg über den Absteiger SV Holtsee sorgte man letztlich für klare Verhältnisse und einen versöhnlichen Abschluss. „Obwohl unsere Vorgabe seinerzeit obere Tabellenhälfte lautete, müssen wir, unter den gegebenen Umständen, mit dem Erreichen unseres Minimalzieles zufrieden sein“, resümiert Rotenhofs Trainer Raffael Hopp. Das man sich nicht früher in sicheren Gefilden bewegen konnte, hatte seine Gründe. „Es gab einige Partien, die wir zwar beherrscht, aber aufgrund unserer Abschlussschwäche nicht gewonnen haben. Bedingt durch viele Verletzungen kamen auch noch körperliche Defizite hinzu“, erklärt Hopp, der für den Neuaufbau der Reserve nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

FC Fockbek
Der FC war nach der Hinrunde schon so gut wie abgestiegen. Magere sieben Punkte standen nach 18 Spielen auf der Habenseite. „Wir sind trotz massiver, personeller Probleme immer schön brav angetreten“, gibt FC-Sprecher Steffen Sievers unumwunden zu, dass man im Winter auch mal eine Partie hätte ausfallen lassen sollen. In der Rückserie wendete sich unter dem neuen und im Seniorenbereich bisher noch unerfahrenen Trainer Thorsten Themann jedoch das Blatt. „Alle waren mit Begeisterung dabei. Der Eifer hat sich am Ende absolut ausgezahlt“, sieht Sievers in der konditionellen Fitness einen Baustein für die Rettung. Maßgeblichen Anteil am Ligaverbleib hatten in seinen Augen die Manndecker Jan Sosner und Sören Möller. „Aber auch an unseren Youngstern wie beispielsweise Maximilian Seubert und Jannes Mumm werden wir noch viel Freude haben“, glaubt Sievers.

TSV Rieseby
Bevor die Winterpause eingeläutet wurde, stand der Aufsteiger mit 16 Punkten auf einem beruhigenden neunten Platz. Der Klassenerhalt sollte also nicht mehr unbedingt in Gefahr geraten. Doch der bis dato erfolgreiche Coach Sönke Burkowski warf nach Differenzen mit dem Vorstand die Brocken hin. Im Nachhinein betrachtet der Beginn des Abschwungs, auch wenn Spielertrainer Thorsten Hauns alles versuchte, um zusammen mit Obmann Björn Fischer die Wogen zu glätten. Dennoch verkam der TSV mehr und mehr zur Schießbude der Liga. 107 Gegentreffer waren mit Abstand der Höchstwert in der Kreisklasse A. „Trotz teilweise herber Niederlagen und nur noch einem Erfolgserlebnis waren wir aber stets bemüht, die Saison sauber zu Ende zu spielen“, so Hauns, der in Christian Hauns und Jan Kosgalwies seine stärksten Akteure sah.

Gettorfer SC II
So gerade eben verhinderte die Reserve des GSC den Abstieg in die Kreisklasse B. Am letzten Spieltag war man sogar auf Schützenhilfe eines bereits geretteten Vereins (FC Fockbek) angewiesen. „Dennoch sehe ich generell aber eine positive Entwicklung. Die Trainingsbeteiligung hat sich deutlich verbessert und auch im Umfeld hat sich einiges getan“, erkennt Trainer Karsten Bengius. Das größte Problem in der abgelaufenen Saison war der viel zu harmlose Angriff. „Wir hatten niemanden, der die Bälle vorne auch mal festmachen konnte“, erklärt Bengius die magere Ausbeute von nur 45 Treffern. „So waren es häufig Zufallsprodukte, die zum Torerfolg geführt haben“, weiß Bengius, wo er in der nächsten Spielzeit ansetzen muss. Der große Rückhalt war, insbesondere in den letzten Spielen, Keeper Aiko Petersen

Osdorfer SV II
Für den dritten Aufsteiger hat es nicht gereicht. Am Ende wurde ihnen ein nicht spielberechtigter Akteur, der gegen den FSV Friedrichsholm (2:0) zum Kader gehörte, zum Verhängnis, so dass man nach nur einem Jahr die Klasse wieder verlassen muss. Doch den Abstieg nur an dieser einen, am grünen Tisch entschiedenen Partie festzumachen wäre dann doch zu einfach. Immerhin stehen 20 weitere Niederlagen in der Statistik. „Allen war klar, dass wir nach dem Aufstieg einen größeren Trainings-Aufwand betreiben müssen. Doch das ist wohl nicht bei jedem angekommen. Zudem hatten wir in der Hinrunde, durch die Vakanz auf der Torwartposition, große Probleme“, analysiert Osdorfs scheidender Coach Mike Lindner, der aus seinem Kader Top-Torjäger Daniel Drews (22), Routinier Nils Möller und Nachwuchshoffnung Kjell Smit heraushob.

SV Holtsee
„Ich hatte schon den Eindruck, dass genug Potenzial in der Mannschaft steckt, um zumindest in dieser Klasse bestehen zu können“, ist für Trainer Jan Klokow der Abstieg nur schwer zu verdauen. Bei einer näheren Analyse findet er dann allerdings doch einige Gründe, weshalb der Traditionsverein die Kreisklasse A verlassen muss: „Vor der Saison gingen mit Marc Mohr und Julian Jacobsen wichtige Stützen. Dann verließen uns Niklas Carl und Rene Minack in der Winterpause. Einige von den verbliebenen Spielern waren durch mangelnden Trainingseinsatz, aufgrund von anderen Verpflichtungen, selten fit. Mit ein Grund, weshalb wir uns in jeder Partie mindestens einen groben Abwehrschnitzer geleistet haben“, so Klokow. Mit dem anfangs erwähnten Gefühl haben die Schwarz-Gelben die Lage offensichtlich zu lange falsch eingeschätzt.

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