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Mein Meisterjahr – Teil 2 : Der Wahnsinn gegen Bergedorf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Twisters-Trainer Bjarne Homfeldt schreibt exklusiv für die Landeszeitung.

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 06:13 Uhr

Mit dem Sieg im Hinspiel in Bergedorf hatten wir die erste hohe Hürde übersprungen. Und auch wenn uns die Presse bisweilen etwas anderes einreden wollte, so war die Meisterschaft natürlich längst nicht entschieden, schließlich war noch nicht einmal ein Viertel der Saison gespielt. Aber es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, sich einen Ausrutscher erlauben zu können und es dennoch weiterhin in eigener Hand zu haben. Und eine Niederlage kann einfach immer passieren. Zwei Wochen später wäre es beinahe so weit gewesen. Im Landesderby bei der BG Suchsdorf-Kronshagen taten wir uns lange Zeit schwer.

Generell muss man sagen, dass es auswärts im Laufe des Jahres immer schwerer wurde. Wir waren der Tabellenführer und keine Mannschaft hatte gegen uns etwas zu verlieren. Da trifft der Gegner zwei Würfe und die Halle kocht. Das ist nicht immer einfach, auch wenn wir ein frenetisches Publikum gewohnt sind. Allerdings stehen die Zuschauer zu Hause ja immer hinter uns. Unsere Fans waren und sind ein nicht zu unterschätzender Faktor. Sie haben uns in der vergangenen Saison hervorragend unterstützt. Es ist richtig, wenn Ingo Perner immer von der lautesten Halle der Liga spricht. Es ist schon etwas Besonderes in Rendsburg zu spielen. Das bestätigen mir auch meine Trainerkollegen immer wieder.

Das nächste Zwischenziel war das letzte Spiel des Jahres in Bremerhaven. Bis dahin galt es nicht zu stolpern. Das haben wir gut hinbekommen, weil wir nicht abgehoben sind. Es gab eigentlich auch nie Anzeichen dafür, aber ich habe schon darauf geachtet, dass es gar nicht erst dazu kommt. Die Partie gegen einen der Mitfavoriten war auch deshalb so bedeutend, weil sie gegen uns zum ersten und einzigen Mal mit einer ganz starken Mannschaft angetreten sind. Es waren drei Erstliga-Spieler dabei, ein Amerikaner, der im Jahr zuvor noch Profi war, und dann hatten sie im Laufe der Hinrunde noch einen Mann aus der zweiten Liga geholt. Im Nachhinein war es für uns das schwerste Spiel der Saison. Nach 25 Minuten lagen wir mit 17 Punkten hinten, das entspricht ungefähr einem 0:3 im Fußball. Die Gegenwehr war so groß wie nie zuvor, aber die Mannschaft bewies dann ihre Qualität, am Ende eines Spiels immer noch zulegen zu können. Nach den besten 15 Minuten des Jahres retteten wir uns in die Verlängerung. Es war bezeichnend, wie dabei dann zum Beispiel ein Max Hillner aufgetreten ist. Er hatte in der regulären Spielzeit nichts getroffen und warf dann in der Verlängerung einen wichtigen Dreier rein. Es war eine entscheidende Phase, weil eine Woche zuvor Bergedorf überraschend gegen den Tabellenletzten BG Hamburg-West verloren hatte.

Und obwohl es noch über sechs Wochen bis zum Rückspiel gegen Bergedorf hin war, begann unmittelbar nach Weihnachten die Vorbereitung auf dieses entscheidende Duell um die Meisterschaft. Alle Systeme und Verteidigungsarten, die wir danach gespielt haben, waren darauf ausgelegt, dass sie gegen Bergedorf funktionieren. Wie schon in der Hinrunde mussten wir den Spannungsbogen aufbauen und noch nie habe ich mich so auf ein einziges Spiel vorbereitet. Ich habe mir den Gegner zwei Mal selber angeschaut, einmal sogar mit meinem Co-Trainer Lars Nonnenmacher, Devon Atkinson und Björn Rohwer, als wir ihn mit einer Videokamera aufgenommen hatten. In den folgenden Wochen haben wir den Gegner völlig auseinander genommen. Wir haben jedes Detail analysiert, kannten die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler, wussten einfach alles. Wir haben allerdings auch darauf geachtet, dass wir unseren Spielern nicht zu viel mit auf den Weg geben. Sie sollten sich nicht ausschließlich auf den Gegner konzentrieren, sondern auch auf ihre eigenen Stärken.

Bei dieser Gelegenheit muss ich auch ein Wort zu Lars Nonnenmacher verlieren. Mir war es zu Beginn meiner Tätigkeit ganz wichtig, dass ich einen Co-Trainer finde, der nicht zu allem was ich sage und mache „Ja und Amen“ sagt, sondern jemanden, der mir auch Kontra gibt und wenn nötig auch mal sagt: „Bjarne, das war Mist.“ So lerne ich auch durch ihn jeden Tag dazu. Meiner Meinung nach war Lars ein ganz wichtiges Puzzleteil unseres Erfolgs.

Das Spiel gegen Bergedorf verlief dann wie im Rausch. Schon zur Halbzeit führten wir mit 48:27. Aber wir wussten, dass die Bergedorfer im dritten Viertel häufig noch einmal zurückgekommen sind. In der Kabine habe ich dann deutlich gesagt, dass wir ein Comeback von ihnen unbedingt verhindern müssen. Fünf Minuten nach der Pause war mit klar, dass wir gewinnen werden. Das dritte Viertel ging mit 30:7 an uns. Am Ende hieß es 103:53 – Wahnsinn.

Ihr Bjarne Homfeldt

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