Neuanfang : Der „Tempel“ lebt weiter

O’zapft is – heißt es für den neuen Pächter Wolfgang Fidelak (rechts) und seinen Geschäftspartner Harald Poerschke ab morgen.
O’zapft is – heißt es für den neuen Pächter Wolfgang Fidelak (rechts) und seinen Geschäftspartner Harald Poerschke ab morgen.

Wolfgang Fidelak und Harald Poerschke, die neuen Nordmarkhallen-Gastronomen, haben sich viel vorgenommen.

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31. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Auf der kleinen Bühne liegen noch die Reste der letzten Party in diesem Jahr. Als Wolfgang Fidelak gestern Mittag die Musikkneipe in der Nordmarkhalle (Bullentempel) betritt, beseitigen drei Männer gerade die Spuren des Frank-Lange-Abschiedskonzerts am Sonnabend nach Weihnachten. Großreinemachen für den Umbruch: Nach 22 Jahren endet die Ära des bisherigen Pächters heute – ab morgen, 1. Januar, ist Fidelak (58) Inhaber der Gaststättenerlaubnis. Zusammen mit seinem Freund und Geschäftspartner Harald Poerschke (58) hat er sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen. Nach einer monatelangen politischen Hängepartie, bei der die gastronomische Herzkammer des größten Veranstaltungszentrums der Stadt kurz vor dem klinischen Tod stand, wollen beide dem 102 Jahre alten „Tempel“ nun wieder neues Leben einhauchen.

Die Rendsburger sind überzeugt, dass die Nordmarkhalle als Schauplatz für Konzerte und kultureller Treffpunkt noch längst nicht gestorben ist. Der eine verweist auf seine zahlreichen Kontakte in der nationalen Musikszene, der andere auf seine Erfahrung als Gastronom in Rendsburg. Fidelak war zuletzt als angestellter Tourneebus-Fahrer für ein Unternehmen in Elmshorn tätig. Künstler wie Andrea Berg, DJ Bobo, Frida Gold und Bosse chauffierte der 58-Jährige in sogenannten Nightlinern von Konzert zu Konzert. Viele dieser Busse sollen künftig auch an der Nordmarkhalle Halt machen – das ist das Ziel von Fidelak.

Harald Poerschke kennen viele Rendsburger noch aus seiner Zeit als Wirt und Clubbetreiber. Von 1988 bis 1993 leitete der 58-Jährige die Diskothek „Garage“ in der Straße An der Aalkate am Kreishafen, davor das Musikcafé „Zack“ in der Mühlenstraße. Auch die „Myer’s Bar“ (1992 bis 1993) und ein kleiner italienischer Stehimbiss in der Altstadt gehören zu den beruflichen Referenzen des gelernten Fliesenlegers, Bauzeichners und -technikers.

Die Bandbreite der Veranstaltungen wollen die neuen Betreiber deutlich erweitern. Poerschke schwebt ein „Stammtisch für Musiker aus ganz Schleswig-Holstein“ vor und sagt: „Die Künstler sollen sich hier zu Hause fühlen.“ Fidelak will unter anderem eine wöchentliche After-Work-Party initiieren. Aber auch Comedy, Disko-Abende, Talentwettbewerbe sowie Auftritte von Zauberern und Travestiekünstlern haben beide auf ihrer Wunschliste. Als mittelfristige Zielmarke nennt Fidelak zwei Veranstaltungen pro Woche – an 32 Wochen im Jahr. Die zentrale Lage der Stadt sei ideal, um Menschen aus allen Himmelsrichtungen anzuziehen. Vor allem nördlich des Nord-Ostsee-Kanals sei das Potential groß und werde viel zu wenig genutzt. „Wer dort wohnt, fährt wegen der Entfernung nicht nach Hamburg, sondern kommt zu uns. Diese Zielgruppe wollen wir ansprechen.“

Den über drei Jahre laufenden Pachtvertrag mit der Stadt hat Fidelak noch nicht unterschrieben. Die Verhandlungen mit der Verwaltung sind erst in dieser Woche angelaufen. Am 8. Januar ist der nächste Gesprächstermin im Rathaus. „Es geht aber nur noch um Details“, sagt der neue Bullentempel-Chef, der nur auf den gastronomischen Flächen und nicht in der großen Veranstaltungshalle das Sagen hat. „Wir werden den Kneipenbetrieb hier im Januar auf jeden Fall weiterführen, auch wenn noch nichts unterschrieben sein sollte.“

Erst wenn der Pachtvertrag steht, kann der 58-Jährige selbst mit Künstlern über Auftritte in Rendsburg in Kontakt treten. Seinen Job als Busfahrer hat Fidelak an den Nagel gehängt. „Ich will meine ganze Energie hier reinstecken, und das ist auch nötig.“

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