Mastbrook : Der Stadtteil der Gegensätze

Kirsten Erzmoneit (44) im Jugendtreff in Mastbrook: „Das Allerwichtigste ist ein wertschätzender Umgang mit den Jugendlichen“.
Kirsten Erzmoneit (44) im Jugendtreff in Mastbrook: „Das Allerwichtigste ist ein wertschätzender Umgang mit den Jugendlichen“.

Es geht um Mastbrook, seine Probleme und warum Kindern und Jugendlichen das Stadtteilhaus so wichtig ist. Ein Interview mit Leiterin Kirsten Erzmoneit.

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08. Juli 2014, 06:00 Uhr

Kann man Mastbrook schön finden? „Ja“, sagt Kirsten Erzmoneit. Die Leiterin des Stadtteilhauses hat täglich mit Menschen zu tun, die ihren Stadtteil mögen – ungeachtet aller allgegenwärtigen Probleme. Mit Kirsten Erzmoneit sprach unser Redaktionsmitglied Dirk Jennert.

Frau Erzmoneit, wenn von Mastbrook die Rede ist, fällt meist auch der Begriff „Problemstadtteil“. Können Sie das nachvollziehen?

Ich kann es insofern nachvollziehen, dass hier die Wohnungen günstig sind, es ein umfassendes Angebot an sozialem Wohnungsbau gibt und dadurch natürlich viele Menschen hierher ziehen, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind oder die allein erziehend sind. Es gibt viele kinderreiche Familien und welche mit Migrationshintergrund. Aber was man dabei nicht vergessen darf, sind die Familien, die seit Generationen hier leben und die allein deswegen eine enge Bindung zu diesem Stadtteil haben.

Wie würden Sie die Qualität des Wohnraumes beschreiben?

Wenn wir das jetzt auf den sehr günstigen Wohnraum beziehen, muss man feststellen, dass sich einige Wohnungen in einem desolaten Zustand befinden. Da hat der Eigentümer jahrelang nichts getan oder es fühlte sich niemand zuständig. In dieser Hinsicht hinkt Mastbrook hinterher.

Was bietet das Stadtteilhaus den Menschen in Mastbrook?

Wir betreiben eine Kindertagesstätte, planen gerade den Ausbau von U3-Plätzen. Wir betreiben die offene Jugendarbeit, sind Träger der offenen Ganztagsschule an der Schule Mastbrook und der Schulsozialarbeit. Und wir kümmern uns um die sozialpädagogische Familienhilfe im Auftrag des Jugendamtes. Hinzu kommen offene Angebote für Eltern, die Kontakte knüpfen wollen.

Mit welchen Problemen werden Sie bei der Familienhilfe konfrontiert?

Das sind ganz verschiedene Dinge. Manche Elternteile haben eine Trennung hinter sich, erziehen ihre Kinder allein. Manche sind psychisch belastet oder psychisch erkrankt, manche haben Suchterfahrungen. Wir haben aber auch mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun, von denen einige traumatisiert sind, unter anderem durch Kriegserlebnisse.

Wie gehen Sie mit den Kindern und Jugendlichen um, die ins Stadtteilhaus kommen?

Wir versuchen, ihnen soziale Kompetenzen zu vermitteln. Aber wir schreiben ihnen nicht vor, was sie zu tun haben. Sie sollen sich hier geborgen und gut aufgenommen fühlen. Ich bin davon überzeugt, dass uns das gelingt, sonst würden nicht jeden Tag 150 Menschen zwischen drei und 18 Jahren unsere Angebote nutzen. Wenn wir nachmittags den Jugendtreff öffnen, warten oft schon Kinder und Jugendliche vor der Tür. Manche erscheinen täglich, für die ist das ein zweites Zuhause. Das Allerwichtigste ist ein wertschätzender Umgang mit ihnen.

Was ist die größte Herausforderung?

Das sind die Fälle, wo das Kindeswohl gefährdet ist, zum Beispiel wenn es um sexuellen Missbrauch oder Gewalt geht.

Haben die Mastbrooker eine besondere Beziehung zu ihrem Stadtteil?

Auf jeden Fall, auch wenn diese Beziehung von Widersprüchen geprägt ist. Einige nennen den Stadtteil Mastbronx und wollen hier weg. Aber wesentlich mehr sagen, dass sie hier gar nicht weg wollen. Das hat auch damit zu tun, dass es hier eine besondere Verbundenheit unter den Menschen gibt. Es ärgert die Mastbrooker auf jeden Fall, wenn über ihren Stadtteil nur schlecht geredet wird oder in der Zeitung entsprechende Artikel stehen. Da wird schnell vergessen, dass Mastbrook sehr viele schöne Ecken hat. Das ist ein grüner Stadtteil.

Über viele Jahre konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Politik den Stadtteil vernachlässigt. Jetzt gibt es eine Grüne Mitte. Sind Sie zufrieden?

Ich will mal so antworten: Ich sehe die Grüne Mitte nicht als Ende, sondern als Anfang an. Sie ist ein sehr schöner Ort geworden. Aber es gibt noch sehr viel mehr zu tun. Es ist der Bau einer Mehrzweckhalle geplant und der Ausbau unseres Stadtteilhauses zu einem Familienzentrum. Beides ist wichtig. Insgesamt stellen wir fest, dass der Beratungsbedarf bei den Jugendlichen stark gewachsen ist. Da fehlen uns Kapazitäten, um dem gerecht zu werden, zum Beispiel um mal zur Berufsberatung im Jobcenter mitzugehen.

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