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Handball : „Der sofortige Wiederaufstieg ist nicht das vorrangige Ziel“

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Lutz Bünger, Leiter der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg, spricht im Interview mit der Landeszeitung über die kommende Saison in der SH-Liga und den neuen Trainer Volker Paul.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Mit großen Zielen waren die Oberliga-Handballer der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg in die Saison gestartet, am Ende stand der Verein vor einem Scherbenhaufen. Als Vorletzter musste die HSG den Weg in die Schleswig-Holstein-Liga antreten, zudem trennte man sich vom langjährigen Trainer Gunnar Kociok. Mittlerweile ist ein Nachfolger gefunden. Volker Paul (57) soll den Verein über kurz oder lang wieder in die Oberliga führen. Die Landeszeitung sprach mit HSG-Leiter Lutz Bünger über die Gründe für den Abstieg und die Erwartungen an den neuen Coach.

Herr Bünger, haben Sie den Abstieg mittlerweile verdaut?

Lutz Bünger: Die erste Zeit war schwierig. Ich habe lange gebraucht, um das zu verdauen. Der Abstieg hat uns hart getroffen, weil wir vor der Saison ja ganz andere Ziele hatten und vom Personal her sicherlich besser waren, als einige Mannschaften, die die Klasse gehalten haben.

Warum hat die Mannschaft trotz ihrer individuellen Klasse den Abstieg nicht verhindern können?

Wir hatten großes Verletzungspech. Immer wieder sind wichtige Spieler wie Niklas Ranft, Jens-Christian Woldt oder Patrick Petriesas langfristig ausgefallen. Und zum Schluss hat es dann Trainer Gunnar Kociok erwischt. So konnte er dem Team in den letzten entscheidenden Spielen nicht mehr helfen. Aber das war nicht das größte Problem.

Welches denn?

Man muss ganz ehrlich sagen, dass wir schlecht trainiert haben. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Trainingsbeteiligung ausgerechnet. Sie lag bei rund 66 Prozent. Das ist für diese Klasse einfach zu wenig. Und auch die Trainingsinhalte haben nicht immer gestimmt. Andere Mannschaften waren uns in Sachen Tempospiel, Abwehr- und Rückzugsverhalten weit voraus. Aber wie soll man das trainieren, wenn selten mehr als acht Spieler zum Training erscheinen?

Dennoch hat sich der Verein von Trainer Gunnar Kociok nach 13 fast durchweg erfolgreichen Jahren getrennt.

Ja. Es waren Abnutzungserscheinungen zwischen Trainer und Mannschaft zu erkennen. Die Motivation, die Bereitschaft, alles zu geben, fehlte bei vielen Spielern. Das hat sich eben auch in der mangelhaften Trainingsbeteiligung widergespiegelt. Erste Anzeichen dafür gab es bereits im November.

Warum haben Sie nicht da schon gehandelt?

Wir haben dann bis zur Winterpause vier Spiele in Folge gewonnen und standen nach Abschluss der Hinrunde auf Platz sieben. Da hat man dann wenig Argumente. Aber der schleichende Prozess war nicht mehr aufzuhalten. Dennoch betone ich gerne noch einmal, dass wir Gunnar Kociok für seine geleistete Arbeit dankbar sind. Er ist ein guter Trainer, den wir gerne irgendwie in den Verein einbinden wollen, wenn er wieder ganz gesund ist.

Mit Volker Paul haben Sie einen Nachfolger gefunden. War die Suche nach dem Abstieg schwierig?

Ich habe mit vielen Kandidaten gesprochen. Zuletzt hatten wir drei Trainer in der engeren Auswahl und haben und letztlich für Volker Paul entschieden, weil wir glauben, dass er in unserer Situation der beste für die HSG.

Warum?

Volker Paul ist sehr erfahren, aber er kann auch sehr gut mit jungen Spielern arbeiten. Vor allem der Umgang mit jungen Spielern war ein wichtiger Punkt bei der Trainersuche, denn wir wollen unsere A-Jugend noch enger mit der ersten Herrenmannschaft verzahnen. Das ist zuletzt etwas auf der Strecke geblieben. Wir hatten viele talentierte A-Jugendliche, von denen die wenigsten den Sprung in die Oberliga-Mannschaft geschafft haben. Das soll jetzt besser werden. Und ich bin zuversichtlich, dass es gelingt. Die Art von Volker Paul kommt bei den Jugendlichen jedenfalls gut an, das haben die ersten Trainingseinheiten gezeigt.

Spüren Sie sonst noch Veränderungen?

Ja, es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung. Nach dem Abstieg war die Stimmung im Verein schlecht, davon ist jetzt überhaupt nichts mehr zu spüren. Alle freuen sich auf die kommende Saison. Volker Paul hat für frischen Wind gesorgt. Unterstützt wird er dabei von Frank Moreau, den wir als Co-Trainer gewinnen konnten. Auch Frank wird uns mit seiner Erfahrung helfen können. Die beiden bilden ein ideales Gespann.

Gibt es neben dem neuen Trainerteam auch neue Spieler?

Uns ist es gelungen, aus der Konkursmasse vom Dithmarschen LH drei Spieler nach Westerrönfeld zu lotsen. Malte Pieper, Magnus Hannemann und Andreas Tietjens waren auch von anderen Vereinen heiß umworben, haben sich aber letztlich für uns entschieden. Da wir zudem fast alle Leistungsträger halten konnten, bin ich für die neue Saison sehr zuversichtlich.

Dann kann das Ziel ja nur sofortiger Wiederaufstieg lauten.

Nein. So vermessen sind wir nicht. Wir wissen nicht, was uns in der SH-Liga erwartet und wie stark die anderen Teams sind. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, dass wir irgendwann wieder in der Oberliga spielen. Das muss aber nicht zwingend in der übernächsten Saison sein.

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