Heringe sind da : Der Schwarm aller Angler

Die Heringe sind da: Matthias Pfalzgraf (links) und Thomas Philipson, Mitarbeiter von Hans Brauer,  holten  gestern zwei Zentner  der Delikatesse aus dem Kanal.
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Die Heringe sind da: Matthias Pfalzgraf (links) und Thomas Philipson, Mitarbeiter von Hans Brauer, holten gestern zwei Zentner der Delikatesse aus dem Kanal.

Die Heringe kommen: Früher als in anderen Jahren ziehen die Schwärme zum Laichen in den Kanal. Tausende Besucher werden zum Rader Heringsfest von Fischer Hans Brauer erwartet.

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14. März 2014, 18:17 Uhr

Früher waren sie ein Arme-Leute-Essen. Heute sind sie eine Delikatesse: Heringe. Fischermeister Hans Brauer aus Rade holt mit seinem Team derzeit das „Silber der See“ zentnerweise aus dem Nord-Ostsee-Kanal. „Täglich werden die Fangmengen nun steigen“, weiß der Experte. Denn nach dem milden Winter und den Frühlingstemperaturen in den vergangenen Tagen ziehen die Speisefische in Schwärmen in die Wasserstraße, um dort zu laichen.

„Wenn das Wasser etwa sechs Grad warm ist, kommen die Heringe“, erklärt der Kanalfischer das alljährige Fortpflanzungsritual der Silberglanz-Fische, bei dem die Angler oft dicht an dicht am Ufer stehen. Einige fangen die beliebte Beute kiloweise, andere angeln sich nur ein paar Exemplare. Und wer nicht selbst Jagd macht auf die silbergrün glänzenden Heringe (Clupea), wird von Hans Brauer versorgt. Sein Revier ist ein 16 Kilometer langer Abschnitt von der Audorfer Fähre bis Königsförde. Bereits in der sechsten Generation bewirtschaftet die Fischerfamilie den Kanal. In der betriebseigenen „Aalkate“ neben dem Bootsanleger in Rade kann man Brathering, Bückling, sauren Hering und Matjes essen.

„Schon immer zogen Ostseeheringe zwischen Anfang März und Mitte April zum Laichen in die Förden und Flüsse“, berichtet der Fischmeister. Seit der Fertigstellung des Kanals im Jahr 1895 nutzen die Tiere auch diese Möglichkeit als Kinderstube und steuern durch die Holtenauer Schleuse das weniger salzhaltige Brackwasser im Kanal an. Sie schwärmen von Kiel bis nach Breiholz aus, um an den Steinufern jeweils bis zu 400 000 Eier abzulegen. „Dann drehen die Weibchen wieder um und schwimmen zurück“, sagt Brauer. Der Nachwuchs bleibt im Kanal. Die geschlüpften Larven fressen sich hier im Süßwasser an Plankton groß, erreichen etwa eine Länge von fünf Zentimetern und nehmen im Herbst ebenfalls Kurs auf die Ostsee.

Anfang der 70-er Jahre landete Hans Brauer in einem Jahr an die 7000 Zentner der etwa 25 Zentimeter großen Schwarmfische an. Heute fängt der Kanalfischer nur noch rund 200 Zentner in einer Saison, die etwa fünf Wochen dauert. Der Rückgang des Fischbestands zeichnete sich bereits vor 25 Jahren ab. Auf der Suche nach ergänzenden Einnahmequellen stellte die Familie am 1. April 1989 einen Bierstand auf und verkaufte Fischbrötchen. Die Resonanz war riesig: „Wir wurden von dem Erfolg völlig überrascht“, erinnert sich Hans Brauer an die Geburtsstunde eines Publikumsmagneten. Denn das Rader Heringsfest, das sich stetig weiter entwickelte, ist mittlerweile die Krönung jeder Fangsaison und wird auch in diesem Jahr wieder Besucher anlocken – in Schwärmen.

Termine Heringsfest

Kanalfischer Hans Brauer lädt   zum  Heringsfest in Rade ein. Der Auftakt findet am Sonntag, 23. März, von 11 bis 17 Uhr,  statt.  Weitere Termine  folgen am Sonntag, 30.März,  und Sonntag, 6. April.

Live-Musik und  Fischmarkt  rund um „Brauer’s Aalkate“. Stargast:  Gottlieb Wendehals. Informationen    www.brauers-aalkate.de Telefon  04331/91561.

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