zur Navigation springen
Landeszeitung

22. November 2017 | 08:41 Uhr

Oldtimer Fans : Der schönste Stau der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Traumwetter sorgt für Besucher-Rekord beim 22. Oldtimertreffen. Doppelt so viele Fahrzeuge wie erwartet auf dem Messegelände.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2016 | 14:09 Uhr

Sonntagmorgen, zehn Uhr. Die Messe ist voll. Aber es ist nicht der Gottesdienst, der die Menschen in Scharen anzieht, sondern es sind Benzin, Rost und altes Eisen. Vor einer Stunde hat das 22. Rendsburger Oldtimertreffen begonnen. Zähfließender Verkehr auf dem Messegelände, aber das stört hier keinen – je langsamer die Kolonne fährt, umso besser kann man sie angucken.

„Kommen wir damit hier rein?“, fragt der Mann hinter dem Steuer des endlos langen Cadillac DeVille. „Natürlich, sieht doch super aus“, sagt Ingo Dühr, der am Eingang steht und winkt ihn durch. „Die großen Amerikaner haben am meisten Flair“, sagt er. Man müsse nur aufpassen, dass sie wegen ihrer Länge nirgendwo hängen bleiben.

Rund 1000 Oldtimer sind nach Rendsburg gekommen, dazu noch einmal 3000 Besucher aus Norddeutschland und Skandinavien, die einfach nur gucken wollen. „So viele waren es noch nie“, sagt Organisator Erwin Schröder (61), der mit der Hälfte gerechnet hatte. Ständig klingelt sein Handy: Erwin, kannst du mal, Erwin, mach doch mal.  .  . „Aber das ist kein Stress für mich, denn das ist meine Welt hier“, sagt er. „Ich hätte nie gedacht, dass wir irgendwann einmal an die Kapazitätsgrenzen des Geländes kommen.“ Das liegt auch am Wetter. Strahlender Sonnenschein, keine Wolke am Himmel, höchstens eine Zweitaktfahne, die vorüberzieht.

Die könnte von Burkhard Mikschs Zündapp KS 50 Super Sport stammen. So eine hatte der 53-jährige aus Felde schon zu Schulzeiten. „Damit war man damals einer der ganz Coolen“, sagt er. 6,  25 PS reichten dafür vollkommen. Doch auch die ganz Wilden wurden irgendwann vernünftig. Miksch verkaufte seine Maschine und fuhr fortan Auto. Ein schlechter Tausch. Jahre später kaufte er sich wieder eine grüne Zündapp, Spitzname „Hühnermörder“, und holte sich damit auch ein Stück seiner Jugend zurück. Ob er seine Zündapp verleihen würde? „Nein, wieso?“, fragt Miksch entrüstet, als ob man ihm ein unmoralisches Angebot gemacht hätte.

Ähnlich sieht es Jan Detlefsen (75) aus Sörup. „Jemand anderes fahren lassen – nur über meine Leiche“, sagt er. Man kann ihn verstehen, schließlich hat er seinen 88 Jahre alten Dodge Brother, den er als rostiges Wrack vor 50 Jahren in Australien gekauft hat, eigenhändig restauriert. Drei Jahre hat er dafür gebraucht. Weshalb der Dodge1928 allerdings den Spitznamen „Fast Four“ – schnelle(r) Vier(er) – bekommen hat, weiß heute kein Mensch mehr. Mit seinen 24 PS ist der offene Wagen nicht schnell, aber zäh. 1970 ging es für Detlefsen zurück nach Europa – mit dem Schiff nach Neapel. „Von da sind wir mit dem Dodge über die Alpen gefahren, mit Frau und zwei Kindern an Bord“, erinnert er sich. Unterwegs reparierte Detlefsen noch schnell den Kühler – mit einer australischen Münze und dem Kaugummi der Tochter. „Hält heute noch “, sagt er stolz.

Die meisten Oldtimer glänzen nicht mit guten Fahrleistungen, sie sind laut, Komfort ist nach heutigen Maßstäben ein Fremdwort und die Sicherheitssysteme heißen Bremse und Gurt. Die Antwort, was ihre Faszination ausmacht, fällt so unterschiedlich aus, wie die Modelle auf dem Messegelände. Nur in einem sind sich die meisten Besitzer einig. „Man muss kein Mechaniker sein, um den Wagen in Stand zu halten“, sagt Ralf Wepel (50) aus Nortorf. Zur Not könne er seinen Opel Kadett C Coupé auch mit dem Hammer reparieren. Schon als Kind hat er die Welt von der Rückbank eines Opels aus entdeckt. Er und seine Freunde sind mit 15 Autos, allesamt Alt-Opel aus den 70er-Jahren, angereist. Oldtimer-Treffen sind für sie das Salz in der Suppe. „Tage wie heute sind wie Urlaub – Blech gucken und Blech reden“, schwärmt Wepel.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen