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Umkämpftes Angelrevier : Der Schilder-Fälscher vom Kanal

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wohl um andere Angler zu vergraulen, hängte ein Unbekannter bei Rendsburg falsche Warn- und Verbotsschilder auf. Jetzt ermittelt die Wasserschutzpolizei gegen den Unbekannten.

shz.de von
erstellt am 08.02.2014 | 09:30 Uhr

Rendsburg | Die Hinweise sollen echt wirken, amtlich – deshalb tragen sie das Logo der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Sie klebten am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals, am Verteilerkasten einer Beleuchtungsanlage bei Rendsburg. Aber statt einer offiziellen Mitteilung verbreiteten sie nichts als Angler-Latein. Jetzt ermittelt die Wasserschutzpolizei gegen Unbekannt.

Gesucht wird ein Schilder-Fälscher, wahrscheinlich ein Angler, der andere Sportfischer aus seinem Revier vergraulen will. Der kuriose Fall begann im vergangenen Jahr, als die rätselhaften Hinweise erstmals am nördlichen Ufer des Schirnauer Sees unweit von Bünsdorf auftauchten. Der See gehört zum Kanal, sein Ufer ist noch weitgehend so wie vor dem Bau der Wasserstraße und dank der flachen Böschung ein perfektes Revier, um die Angel ins Kanalwasser zu halten.

Eine heile Welt. Bis der Schwindler seine Köder auswarf. Die in schlechtem Deutsch verfassten Mitteilungen weisen zum Beispiel darauf hin, dass „der NOK Abschnitt in diesem Abschnitt nun Vereins Gewässer vom Angel Verein Neptun“ ist. Den Verein gibt es in der Region Rendsburg nicht. Frei erfunden ist auch die Warnung, dass „Angeln wegen Kabelzug Arbeiten unter Wasser zurzeit Verboten“ sei. Es folgt der Zusatz: „Gefahr vorhanden!“

In der für den Kanal verantwortlichen Bundesbehörde ist man verärgert: „Beim ersten Mal haben wir noch beide Augen zugedrückt, jetzt geht uns das aber zu weit“, sagt Jörg Winkelmann (38), Außenbezirksleiter Rendsburg beim Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau. „Diese Schilder sind ärgerlich, weil das Logo unserer Behörde den Anschein erweckt, der Hinweis sei offiziell. Und weil andere Angler, die einen gültigen Fischerei-Erlaubnisschein vorweisen können, verunsichert werden.“

Der gesamte Nord-Ostsee-Kanal ist Pachtgewässer des Landesfischereiverbandes. Wer angeln will, braucht eine spezielle Erlaubnis, den sogenannten Kanalschein. Am Verteilerkasten blieben dicke Klebereste zurück. Deshalb erstattete die Kanalverwaltung am 29. Januar Anzeige wegen Sachbeschädigung. Aber wie ist die Logo-Lüge juristisch einzuordnen? Darf das Emblem der Behörde einfach so kopiert und öffentlich ausgehängt werden? „Diese Fragen werden wir mit dem Staatsanwalt klären“, kündigt Kai Solterbeck (46) von der Wasserschutzpolizei Rendsburg an. „Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit, das Kanalufer zu observieren.“ Aber ob der Aufwand im Verhältnis zum Sachverhalt stehe, müsse noch besprochen werden. Die Kontrolle der Häfen und Berufsschifffahrt im Kanal bleibe Kernaufgabe der Wasserschutzpolizei – da bleibe eben kaum Zeit für anderes, so Solterbeck.


>Die Wasserschutzpolizei nimmt Zeugenhinweise unter der Rufnummer 04331/55603 entgegen.

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