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Historische Zeitungen : Der Schatz aus dem Tagespost-Keller

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sämtliche Rendsburger Zeitungsausaben lagerten in den Werkstätten Materialhof . Mit Unterstützung des Ex-Verlegers Heinz Möller erhielt das Stadtarchiv fehlende Bände und werden jetzt alle Exemplare digitalisiert.

Zeitungsexemplare vergangener Jahre üben eine besondere Faszination aus. Beim Blättern bleibt der Blick an Artikeln oder Anzeigen hängen – wie zum Beispiel der Werbung des Rendsburger Arbeitervereins, der am Donnerstag, 19. Februar 1914 zur großen Maskerade in die Stadthalle einlud. Und auf dem Titelblatt wurde an erster Stelle vermeldet, dass der Kronprinz wegen Erkrankung nicht zum Stapellauf der „Ersatz Brandenburg“ nach Kiel kommen würde. Nachlesen lassen sich diese und andere Informationen vergangener Tage jetzt digital oder auf einem Reprint. Denn die Werkstätten Materialhof sind zurzeit damit befasst, sämtliche Ausgaben Rendsburger Zeitungen zu digitalisieren.

Die Werkstätten in der Bahnhofstraße gehören zur Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie und bieten Menschen mit psychischen Handicaps einen Arbeitsplatz. Bürgermeister Pierre Gilgenast machte sich gestern ein Bild davon, wie die historischen Papierdrucke dort für die Nachwelt nutzbar gemacht werden. „Einfach auf den Kopierer legen geht nicht“, erläuterte Silke Meyer, die gemeinsam mit Rita Hlavsa die Abteilung „Lettershop“ leitet. Auch Blitzlicht würde den historischen Ausgaben schaden. Also werden sie Seite für Seite vorsichtig abfotografiert und dann sorgfältig am Computer bearbeitet.

Alle originalen Zeitungsausgaben seit 1808 lagerten im Keller des ehemaligen Möller-Verlagsgebäudes. Die Sammlung gehörte Heinz Möller, der sie in die Obhut der Werkstätten Materialhof gab, als die Diakonie das Haus vor einigen Jahren kaufte. Im Zuge der Digitalisierungs-Aktion, die Ex-Verleger Möller finanziell unterstützt, wurden im Laufe des vergangenen Jahres fehlende Bände ins Stadtarchiv gegeben. Reprints füllen an ihrer Stelle das Materialhof-Archiv auf.

Die ältesten Zeitungen, die Dr. Regina-Maria Becker verwahrt, sind kaum größer als ein Taschenbuch. Die Leiterin des Stadtarchivs weiß, warum: „Es gab noch keine Journalisten. Und der Informationsfluss war sehr langsam.“ Entsprechend wenig gab es zu drucken. Darunter waren dann Nachrichten, welche Reisenden mit welche Schiff in Rendsburg einliefen. Mitgeteilt wurde in der Zeitung auch, mit welchen Ziel sie die Stadt wieder verließen. Denn: Zum einen gab es von den Reisenden Neuigkeiten zu erfahren, zum anderen konnte man ihnen Nachrichten mit auf den Weg geben.

In späteren Jahrgängen wird’s manchmal spannend. Wenn beispielsweise über den Untergang der Titanic berichtet wird. Ernst Gutschlag, der jeden Tag eine Ausgabe von vor hundert Jahren für das „Café Tagespost “ als Reprint anfertigt, hat die Zeitungsausschnitte gesammelt. Manchmal muss er aufpassen, dass er sich nicht an den alten Nachrichten festliest. Was die Ausgabe vom 20. Februar 1914 zu berichten hat, ist heute in dem Café in der Bahnhofstraße nachzulesen.

 

ZEITUNG IN RENDSBURG

> Am 1. Januar 1808 erscheint das erste „Gemeinnützige Wochenblatt für Rendsburg und die umliegende Gegend“, gedruckt vom königlich-privilegierten Buchdrucker Johann Georg Friedrich Wendell

> In den 1830er Jahren ist das Zeitungsformat größer geworden und das Stadtwappen ziert den Titel.


> 1848 Heinrich Gütlein kauft die Zeitung.


> 1885 wird das Unternehmen an den Druckereibesitzer Heinrich Möller aus Altona verkauft.

> Ab 1888
erscheint das Rendsburger Tageblatt als Tageszeitung

> Im Jahre 1986 fusioniert das Blatt, das jetzt Schleswig-Holsteinische Landeszeitung heißt, mit anderen Unternehmen zum Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z).


> Seit vier Jahren wird im „Café Tagespost“, das im alter Möller-Verlagshaus in der Bahnhofstraße untergebracht ist, täglich ein Rendsburger Tageblatt von vor hundert Jahren zum Lesen ausgelegt.


> Reproduktionen bestimmter Ausgaben (beispielsweise für Hochzeiten oder Geburtstage) können gegen einen Unkostenbeitrag beim „Lettershop“ in den Werkstätten Materialhof geordert werden.

Telefon 04331 / 1433-26 oder 1433-39

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 19.Feb.2014 | 15:40 Uhr

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