Owschlag : Der mutige Schritt zum Landarzt

Das neue Ärzte-Team in Owschlag: Dr. Matthias Eppel (links) und Felix Wachtler.
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Das neue Ärzte-Team in Owschlag: Dr. Matthias Eppel (links) und Felix Wachtler.

Felix Wachtler ist seit Beginn des Jahres zweiter Mediziner in der Praxis von Dr. Matthias Eppel. Die Entscheidung für Owschlag fiel dem Internisten leicht.

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03. Januar 2017, 00:00 Uhr

Aufatmen in Owschlag: Die medizinische Versorgung im Ort bleibt gesichert. Jetzt hatte Felix Wachtler seinen ersten Arbeitstag in der Praxis von Dr. Matthias Eppel. Er übernimmt damit die Kassenzulassung des zweiten Arztes in dem Dorf: Peter Riemer hat sich Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet.

Dass er recht unkompliziert einen neuen Mitstreiter finden würde, damit hatte Eppel nicht gerechnet – immerhin zieht es vor allem die jüngeren Ärzte eher in die Städte als aufs Land. „Ich habe im Frühjahr aktiv mit der Suche nach einem Kollegen begonnen. Eine gewisse Nachfrage war auch da, es kam aus verschiedenen Gründen aber nicht zu einem Abschluss.“ Sein Stellenangebot veröffentlichte der Allgemeinmediziner sowohl über eine Online-Plattform der Kassenärztlichen Vereinigung als auch im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt. Fünf Interessenten hätten sich gemeldet – zwei kamen sogar aus Süddeutschland. „Ich wurde nicht gerade überrannt, denn es werden ja überall Stellen ausgeschrieben“, berichtet Eppel. Eine Kandidatin habe ihm zwar gut gefallen, die allerdings bekam eine Stelle in der Stadt. Glück für Felix Wachtler.

Der Facharzt für innere Medizin beschloss während seiner Elternzeit, sich beruflich umzuorientieren. Seit 2009 arbeitete der 36-Jährige im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster. Nach der Geburt seiner Tochter, die heute 15 Monate alt ist, sollte eine Veränderung her. „Dass ich mich einmal niederlassen würde, stand für mich von Anfang an fest, deshalb bin ich beispielsweise Internist und nicht Anästhesist geworden. Meine Tochter hat jetzt eben nur den Zeitpunkt bestimmt“, erläutert Wachtler. Seine Arbeitszeiten in der Klinik seien schwer mit Familie zu vereinbaren gewesen – dort gehören Wochenenddienste und Nachtschichten zum Tagesprogramm. Seine tief verwurzelte Motivation, als Hausarzt tätig zu sein, zieht Felix Wachtler aus dem Umgang mit den Patienten. „Hier habe ich die Möglichkeit, den Menschen nicht nur mit seiner Krankheit zu betrachten, sondern das gesamte Umfeld.“ Diese Komponente sei für ihn besonders wichtig, so der Kieler. „In der Klinik helfe ich im akuten Fall und behandle die Erkrankung punktuell. Zeit, auch mal nach links oder rechts zu gucken, bleibt da nicht.“ Darauf würde er sich nun freuen – darauf, Zeit für die Menschen zu haben, nicht nur für ihre Krankheiten.

Diesen Punkt sieht auch Matthias Eppel als große Stärke einer Praxis auf dem Land. „Ich sehe meine Patienten meist nicht nur einmal im Jahr. Wir bieten hier eine sehr umfassende Betreuung von ganzen Familien und verschiedensten Beschwerden. Es ist toll zu sehen, wie aus Kindern erst Jugendliche und schließlich Erwachsene werden.“ Er selbst habe zwar auch mal überlegt, ob es nicht besser sei, sich in einem Fachbereich richtig gut und in die Tiefe gehend auszukennen, doch stets kam er zu dem Schluss: „Nein, lieber nicht. Ich mag das breite Spektrum, mit dem wir uns hier befassen. Es wäre nichts für mich, mich jeden Tag nur mit beispielsweise urologischen oder neurologischen Problemen zu beschäftigen.“

Dass es vielen jungen Ärzten nach wie vor so schwer fällt, sich für den Schritt aufs Land zu entscheiden, kann Eppel nicht verstehen. Seit 2008 gebe es beispielsweise keine 24-Stunden-Notdienste mehr und Owschlag sei auch gut angebunden an die Städte mit Kunst, Kultur, Restaurants und mehr. Vor allem aber: „Die Bevölkerung ist hier so nett. Alle freuen sich über die Versorgung, die man ihnen gewährleistet.“ Allein hätte er den Renteneintritt von Peter Riemer nicht auffangen können, zu zweit sei die Betreuung der Patienten aber gut zu schaffen. Ein Vorteil vor allem für die ältere Bevölkerung, ist sich Eppel sicher, denn: „Ältere Menschen sind oft nicht mehr so mobil. Weitere Fahrten sind für sie eine Belastung. Nicht nur deshalb ist die medizinische Grundversorgung auf dem Land so wichtig.“ In Owschlag zumindest ist sie gesichert.

ALTER DER ÄRZTE IM KREIS

In Rendsburg-Eckernförde gab es am 15. Januar 2016 insgesamt 467 zugelassene und angestellte Ärzte und Psychotherapeuten. Arztgruppe (Anzahl der Ärzte) und Durchschnittsalter (eine Auswahl):

> Nuklearmediziner (1): 72 Jahre

> Chirurgen (10): 57,8 Jahre

> Laborärzte (2): 56,5 Jahre

> Hautärzte (6): 55,3 Jahre

>Hausärzte (191): 55,2 Jahre

> Augenärzte (24): 48,2 Jahre

> HNO-Ärzte (14): 46,3 Jahre

> Strahlentherapeuten (1): 44 Jahre

Die Daten stammen von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein.

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