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Hohenwestedt : Der Mann am Ruder verlässt das Schiff

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bernd Ramm wurde nach 29 Jahren in der Hohenwestedter Werkstatt in den Ruhestand verabschiedet.

Viel Lob und jede Menge Geschenke gab es für Einrichtungsleiter Bernd Ramm, der gestern in der Hohenwestedter Werkstatt verabschiedet wurde. Gleich mehrere „Lebenswerke“ habe Ramm im Laufe seiner 29-jährigen Dienstzeit verwirklichen können, meinte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (NGD), Georg Kallsen, in seiner Laudatio: den Umzug der Hohenwestedter Werkstatt in die ehemalige Möbelfabrik Ortlepp (1987), den Aufbau der ersten und größten Elektroschrott-Abteilung einer Diakonie-Werkstatt (Anfang der 90er Jahre), die neue Pulverbeschichtungshalle für die „Hohenwestedter Oberflächentechnik“ (HOT, 2009) und das Abfüllhaus für das „gut2“-Quellwasser in Nindorf (Einweihung am 4. Juli 2014).

„All diese Meilensteine konnten nur gelingen, weil Bernd Ramm Bernd Ramm war“, vermerkte der NGD-Geschäftsführer für den Bereich „Arbeit und Wohnen“, Martin Seehase, „er war der richtige Mann am richtigen Platz, am Ruder der Hohenwestedter Werkstatt, ausgerüstet mit dem nötigen Weitblick für das Wünschenswerte, Nötige und Machbare.“ Als talentierter „Netzwerker“ habe Ramm es verstanden, die Hohenwestedter Werkstatt „hervorragend in das Geschehen in der Region zu integrieren“, lobte Seehase und stattete Ramms Nachfolger Björn Ott mit drei symbolträchtigen Geschenken aus: Fernglas, Kompass und Multifunktionsüberlebensmesser.

„Die Hinwendung zum Menschen stand im Mittelpunkt Ihres Wirkens“, wandte sich Kreispräsident Lutz Clefsen an Ramm, „fast jeder im Land kennt die Hohenwestedter Werkstatt.“ In der Ära Ramm sei die Werkstatt an der B 77 zu „einem festen Bestandteil des Lebensumfeldes in Hohenwestedt, aber auch der hiesigen Wirtschaft geworden“, stellte Amtsdirektor Stefan Landt fest: „Du hinterlässt eine hervorragend aufgestellte Einrichtung – sowohl bezüglich der Betreuung von Menschen mit Behinderung als auch bezüglich der wirtschaftlichen Betätigung.“ Dass er von Ramm als „Freund der Hohenwestedter Werkstatt“ bezeichnet werde, sei für ihn eine große Auszeichnung, betonte Landt: „Das ist ungefähr so, als wenn man früher als Ritter von König Artus in die Tafelrunde aufgenommen wurde.“

Von Vertretern des Werkstattrats bekam Ramm ein Gemälde geschenkt, von seinen Mitarbeitern einen Fernsehsessel. Dann verwandelten sich die Leiter aller schleswig-holsteinischen NGD-Einrichtungen in einen Shantychor und sangen ein Geburtstagsständchen für Ramm.

Als er 1985 nach Hohenwestedt kam, sei dies „eine Zeit des Aufbruchs“ für die gesellschaftliche Akzeptanz und Teilhabe von Menschen mit Behinderung gewesen, sagte Ramm in seinem Schlusswort. „Leider hat sich das Blatt gewendet. Bei den Werkstätten soll gespart werden, uns wird blankes Misstrauen entgegen gebracht, und um die Rechte der behinderten Menschen muss gekämpft werden.“ Ramm appellierte an Politik und Verwaltung, die Diakonie-Werkstätten zu unterstützen.

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