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Kammermusik am Nordkolleg : Der lange Weg zum Profimusiker

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Üben, üben, üben. Wer Berufsmusiker werden will, muss sich gut vorbereiten. Der Landesverband der Musikschulen bietet zur Vorbereitung auf das Studium spezielle Kurse an – so wie momentan am Nordkolleg.

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erstellt am 23.Apr.2014 | 11:57 Uhr

Den ganzen Tag Klavier spielen oder Cello oder Flöte – ein Traum? Wenn aus dem Hobby Pflicht wird, verliert mancher die Lust an der Musik, weiß Helmut Kolzer, Geschäftsführer vom Landesverband der Musikschulen. Außerdem ist die Konkurrenz auf dem Weg zum Berufsmusiker groß und die Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschulen sind schwer. Die jungen Musiker, die zur Zeit am Nordkolleg in Rendsburg proben, schreckt das nicht. Sie möchten ihren Traumjob verwirklichen. Warum? Ganz einfach: „Weil es Spaß bringt“, sagt Nora Wortmann. Und Emil Riedel aus Flensburg fügt hinzu: „Weil man viele Möglichkeiten hat.“

Vier große Bereiche mit festen Anstellungen stehen ihnen offen: Orchestermusiker, Lehrer an einer allgemeinbildenden Schule, Lehrer an einer Musikschule oder Kirchenmusiker. Doch bis es so weit ist, heißt es: Üben, üben, üben. „Sie müssen neben der Schule viel leisten, ähnlich wie im Spitzensport“, sagt Helmut Kolzer. Darum wird der Nachwuchs von den Musikschulen unterstützt – finanziell, aber auch durch die „Studienvorbereitende Ausbildung“ (SVA). 25 junge Leute aus ganz Schleswig-Holstein sind dafür momentan bei der Kammermusik-Woche angemeldet.

Christian Gayed von der Norddeutschen Sinfonietta hat ein anspruchsvolles Programm mit Neuheiten zusammengestellt. Zu Hause haben die Kurs-Teilnehmer oftmals keine Spielpartner auf demselben Niveau. Im Nordkolleg treffen sie auf gleichwertige Partner. In den kleinen Kammermusik-Besetzungen können sie sich außerdem nicht verstecken wie in einem großen Orchester, sondern „sie müssen miteinander agieren“, so der Profi. Aufeinander achten, aufeinander hören – auch darum geht es. Und um ein „gehöriges Maß an Disziplin“. Die ist in dem Beruf unabdingbar, erklären Kolzer und Gayed übereinstimmend.

Für Swaantje Kaiser ist das nicht neu. Die Schülerin des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Kiel erlebt es bei ihrer Mutter, Violinistin im Sinfonieorchester der Landeshauptstadt. Seit knapp zwölf Jahren spielt die 17-jährige Swaantje Geige und wird von ihrer Mutter bei dem Wunsch nach einer Profikarriere unterstützt. Damit hat sie schon mal gute Voraussetzungen. Wer studieren möchte, muss die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule bestehen: „Als Faustregel gilt: Die Bewerber müssen sich rund zehn Jahre intensiv mit dem Instrument beschäftigt haben“, erklärt Kolzer. Im Nebenfach müssen sie Klavier spielen können. Die Zahl der Bewerber an den Hochschulen ist dennoch groß. Von den SVA-Teilnehmern ist in den vergangenen Jahren aber keiner durchgefallen, ist Kolzer stolz. Denn auch Schulung in Musiktheorie gehört zur Prüfungsvorbereitung. Spiele zwei Bewerber gleich gut, gibt das theoretische Wissen oftmals den Ausschlag.

Doch die Kurse am Nordkolleg haben noch eine andere Funktion. „Es filtert sich heraus, ob jemand zum Berufsmusiker geeignet ist, bevor er vielleicht mehrere Jahre im Studium gesessen hat“, erklärt Kolzer.

Bei Swaantje, Emil und Nora hört es sich nicht so an, als sie hoch konzentriert Dvoraks „Dumky Trio“ proben. Es ist eines jener Stücke, die am Freitag um 18 Uhr beim Abschlusskonzert zu hören sein werden. Der Eintritt ist frei.

 

Stichwort: Musikschulen

> Im Land gibt es 21 Musikschulen

> Sie betreuen rund 26 000 Schüler

> Unterricht erteilen circa 1000 Lehrer

> Zu den beliebtesten Instrumenten gehören Klavier, Gitarre, Violine, Schlagzeug, Blockflöte

> Die Studienvorbereitende Ausbildung (SVA) wird vom Land finanziell gefördert

> Dozenten schulen die jungen Musiker zwei Mal im Jahr und bereiten sie auf das Vorspielen an der Musikhochschule vor

> Internet: www.musikschulen-sh.de

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