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Landeszeitung

18. Dezember 2017 | 12:16 Uhr

Der lange Schatten von Bob Dylan

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schauspieler Stefan Hufschmidt wagte mit Erfolg die musikalische Annäherung an ein Idol / Texte ins Deutsche übersetzt

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Mit dem „Dylan-Café“ hat das Landestheater erneut einen Volltreffer gelandet. „Musikalische Annäherungen an ein Idol“ war der Abend mit Stefan Hufschmidt überschrieben. Um es vorweg zu nehmen: Ihm gelangen mehr als nur Annäherungen.

Fürs Publikum waren es Erinnerungen an eigene Jugendjahre mit musikalischer Prägung durch Dylan-Songs. Hier wurde bewusst, wie seine Musik seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Weltbild von Generationen geprägt hat. Für den Schauspieler Hufschmidt schien es die Präsentation eines Lebenswerks zu sein. Obwohl erst im Alter von 30 Jahren auf den Dylan-Fanzug aufgesprungen, war er – zumindest was Gitarre, Mundharmonika und Gesang anbetraf – von der ersten Sekunde an mittendrin.

Bereits eine Strophe der allseits bekannten Songs reichte aus, um wohlige, angenehme, aber auch unangenehme Erinnerungen an frühere Zeiten zu wecken. Über allem schwebte der Schatten von Bob Dylan. Der war immer dabei, nun aber komfortabel verständlich, weil deutsch sprechend. Das galt besonders für die Liedtexte, die Stefan Hufschmidt teils wörtlich übersetzt hatte. Damit wurde klar, wie weit entfernt Dylans Texte von den damals üblichen Liebes-, Herz und Schmerzthemen entfernt waren und sind. Was verstehen wir eigentlich, wenn „Blowin‘ in the wind“ (die Antwort in den Wind geblasen) erklingt? fragt der Programmzettel.

Antworten auf alle Fragen, dazu den unvermeidlichen Abriss über Dylans Leben, gab es in einer einsamen Kneipe, irgendwo im Westen Amerikas. Viel interessanter als Lebensdaten waren aber die ungezählten Geschichten um Bob Dylans Leben und Rätsel um seine Persönlichkeit: Bob Dylan als Kunstfigur und Vorbild einer „60 plus“- und immer noch jugendlich frisch wirkenden Generation. Die Zeit hat bewiesen, dass Dylans Songs nach wie vor auf alle Situationen des Lebens zutreffen. Fast banal wirkte dann die Erkenntnis „The times, they are a changing“. Die englischen Originaltexte werden „zu 70 Prozent nicht verstanden“ erklärte Dylan-Double Hufschmidt. Das änderte sich mit den von ihm übersetzten Texten schlagartig.

Stefan Hufschmidt hatte mit seiner Darstellung von Bob Dylan offensichtlich seine Lebensaufgabe gefunden. Der Schauspieler konnte alle Zuhörer in seinen Bann ziehen. Klar, dass dafür eine Zugabe nicht reichte – es wurden insgesamt drei. Es hätte so nahtlos zu einem Dylan-Konzert mit Hufschmidt weitergehen können. Nur, dass der offizielle Teil des Abends im Theater beendet war. Schon wieder bekam Bob Dylan recht: „Was immer du willst, von mir kriegst du es nicht.“ Dennoch hatten bis dahin alle etwas bekommen, von dem sie vorher nicht wussten, dass sie es wollten.



>Weitere Termine: 6. Dezember in Flensburg, 13. Dezember in Schleswig und am 11. Januar wieder im Foyer des Rendsburger Stadttheaters.

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