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Porträts : Der Kreis entlarvt die Landräte der Nazi-Zeit

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Galerie im Verwaltungshaus wurde neu sortiert wieder aufgehängt. Nun folgt die wissenschaftliche Aufarbeitung.

Wie tief die Landräte der nationalsozialistischen Vergangenheit in den braunen Sumpf gesunken sind, ist noch immer nicht geklärt. Doch der erste Schritt ist getan: Die 36 Porträts ehemaliger Landräte hängen wieder im repräsentativen Sitzungsraum 169 im Kreishaus – jetzt nach Epochen der jüngeren deutschen Geschichte sortiert. Auf den ersten Blick zeigt sich: Vier Verwaltungschefs fallen in die Kategorie „Nationalsozialismus 1933 bis 1945“.

Im Januar waren die schwarz-weißen Bilder abgenommen worden. Jahrzehntelang hatten sie an der Stirnseite des Raums gehangen – ohne Kommentar zur Vergangenheit einzelner Landräte. Bis die Kreisverwaltung durch ein Gutachten von ihren Segeberger Kollegen auf die nationalsozialistischen Verstrickungen Waldemar von Mohls aufmerksam gemacht wurde. Der war von 1921 bis 1932 Landrat im Kreis Bordesholm und später in der Nazi-Zeit Verwaltungschef in Segeberg. Das war für den Hauptausschuss im November 2013 Grund genug, sich für die Aufarbeitung dieser Vergangenheit zu entscheiden.

Die Einordnung nach Epochen sei ein erster Schritt, erläutert Bauamtsleiter Dr. Martin Kruse. Zehn Landrats-Porträts hängen in der Kategorie „Kaiserreich 1871 bis 1918“ und sieben in „Weimarer Republik 1918 bis 1933“. Der Kategorie „Nationalsozialismus“ folgt „Nachkriegszeit und Bundesrepublik Deutschland 1945 bis heute“ mit 14 Landräten. Das vorerst letzte Porträt zeigt Wolfgang von Ancken, der von 2000 bis 2008 Landrat war. Das erste Porträt hängt noch vor der Kaiser-Epoche: Es zeigt Graf von Baudissin, Landrat des Kreises Eckernförde von 1868 bis 1870.

Im Zentrum der Aufarbeitung stehen sicher die vier NS-Landräte: Wilhelm Hamkens, der von 1933 bis 1938 Landrat im Kreis Rendsburg war, sein Nachfolger Julius Peters (1939 bis 1945) sowie die Landräte Hans Kolbe und Peter Matthiessen aus dem Kreis Eckernförde. Die Rollen ihrer Vorgänger und Nachfolger bleiben dabei auch nicht unbeachtet. Wie die Aufarbeitung, für die der Kreistag bereits 25 000 Euro bewilligt hat, genau aussieht und wer damit beauftragt wird, ist noch nicht klar. Zunächst erarbeitet der Fachbereich von Martin Kruse Vorschläge, über die der Kulturausschuss und später der Hauptausschuss beraten soll. „Die Frage ist erst einmal, was überhaupt Gegenstand der Betrachtung sein soll“, sagt Kruse. Er geht davon aus, dass die aktuelle Form der Galerie noch mindestens ein Jahr nicht verändert wird. Wenn Ergebnisse vorliegen, erhalten die Porträts Informationstexte zu den jeweiligen Landräten. „Es war keine Ehrengalerie und wird künftig auch keine sein“, stellt Kruse klar.

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erstellt am 20.Feb.2014 | 12:05 Uhr

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