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Jahrelanger Streit : Der Kampf um das verschollene Erbe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wo ist der 268.000-Euro-Nachlass eines Büdelsdorfers geblieben? Marliese Möller (77) ist die Frau, die unter dieser Frage besonders leidet.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Der Streit schwelt seit Jahren. Er füllt bereits einen ganzen Aktenordner – Marliese Möller legt ihn vor sich auf den Tisch. Zeitungsausschnitte und Schreiben von Anwälten hat die 77-jährige Büdelsdorferin darin sorgsam abgeheftet. Und das Testament ihres 2009 verstorbenen Lebensgefährten Heinz Sierk. Der für die Auseinandersetzung zentrale Satz steht ganz am Anfang: „Zu meinem Erben bestimme ich den Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein“, heißt es. Im nächsten Punkt erteilt Sierk dem Verein eine eindeutige Auflage: „Das Vermögen, das meine Erbschaft darstellt, soll ausschließlich der Bezirksgruppe Rendsburg des Vereins zufließen.“

Der Nachlass, um den es geht, beläuft sich auf 268 000 Euro. Diese Summe hätte in Rendsburg landen und den blinden und sehbehinderten Menschen in der Region helfen sollen. Angekommen sind allerdings nur 6000 Euro, sagt Günter Neugebauer, der Ex-Landtagsabgeordnete aus Rendsburg, den Marliese Möller um Hilfe gebeten hatte und der seit Jahren mit dem Landesblindenverband im Clinch liegt (wir berichteten).

Wo ist der Rest? Unter dieser Frage leidet Marliese Möller besonders. „Es tut weh, wirklich weh“, sagt die Rentnerin und holt ein Foto ihres ehemaligen Lebensgefährten hervor. Es zeigt Heinz Sierk und sie beim Tanztee. Entstanden ist das Bild 2005 in der Seniorenwohnanlage „Am Park“ in Büdelsdorf. Im Jahr zuvor hatten sich beide in der Einrichtung kennengelernt. Heinz Sierk war Bewohner, er erblindete spät. Marliese Möller arbeitete für die „Grünen Damen“, die sich ehrenamtlich um kranke und hilfsbedürftige Menschen kümmern. „Ich bin wütend und verzweifelt. Die Sache belastet mich sehr“, sagt sie. „Immer wenn ich auf dem Friedhof bin, erzähle ich es ihm. Heinz würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was mit seinem Geld passiert ist.“ Das Testament hatte Heinz Sierk zwei Jahre vor dem Tod aufgesetzt. Am 9. Dezember 2009 starb er 81-jährig an den Folgen eines Gehirntumors. „Ich habe noch zu ihm gesagt, dass er das Vermögen besser splitten und einen Teil der Seniorenwohnanlage ,Am Park‘ zukommen lassen soll“, sagt Marliese Möller. „Aber es war sein Geld, es war sein Wille.“

Dass der Großteil des Erbes möglicherweise für andere Zwecke missbraucht wurde – dieser Gedanke schmerzt die Rentnerin sehr. 30 Jahre hat sie sich in ihrer Freizeit sozial engagiert. Marliese Möller weiß, wie wichtig es ist, mit Spenden äußerst vertrauensvoll umzugehen. „Ich werde weiter kämpfen, bis das Geld in Rendsburg ist.“

 

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