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Nach dem Orkan : Der Kahlschlag und die Gefahr danach

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Allein im Gerhardshain liegen 400 bis 500 umgewehte Bäume. Weil weitere Äste zu Boden stürzen könnten, warnt die Stadt vor dem Betreten der Waldgebiete. Bei der Gefahrenabwehr werden die Kameraden der Feuerwehr zum Teil beschimpft und bedroht.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 18:06 Uhr

Vom Dach des Feuerwehr-Löschfahrzeugs wird der ganze Schaden sichtbar: Allein im Gerhardshain fällte der Orkan „Christian“ am Montag 400 bis 500 Buchen. Hünen aus Holz, 100 Jahre alt und kerngesund – bis die Wucht des Wirbelsturms sie binnen Minuten umlegte. „Totaler Kahlschlag auf zwei Hektar“, sagt Bezirksförster Wilhelm Oeltzen von der Landwirtschaftskammer beim Blick auf die Schneise der Verwüstung. „20 bis 30 Prozent des Baumbestandes im Gerhardshain sind zerstört.“ Pierre Gilgenast steht neben ihm, auch den Bürgermeister schockiert das Ausmaß der Zerstörung. „Wir warnen dringend davor, die Forsten, Wälder und baumbestandenen Flächen zu betreten. Das Begehen ist unter Umständen sogar mit Lebensgefahr verbunden“, sagt der Verwaltungschef. An verschiedenen Stellen in der Stadt seien in den vergangenen Tagen Absperrbänder von Unbekannten entfernt worden. „Das ist sehr ärgerlich.“ Förster Oeltzen warnt eindringlich: „Die Bedrohung ist noch längst nicht vorbei, da Bäume noch in anderen Kronen hängen und jederzeit zu Boden gehen können.“

Seit Tagen ist die Freiwillige Feuerwehr im Dauereinsatz. Gefahrenabwehr steht im Mittelpunkt. Wehrführer Gerrit Hilburger zählte bis gestern Nachmittag rund 200 sturmbedingte Alarmierungen. Das ist nahezu die Hälfte der Einsatzzahl eines gesamten Jahres. Für diese Ausnahmeleistung sprach Gilgenast den Kameraden ein großes Lob aus: „Sie haben als Ehrenämtler über mehrere Tage außerordentlich viel geleistet, dafür sind wir sehr dankbar.“

Während sie öffentliche Wege von umgestürzten Stämmen und abgebrochenen Ästen befreien, schlägt den Feuerwehrleuten allerdings nicht nur Verbundenheit entgegen. „Wir werden leider zum Teil beschimpft, bedroht und beleidigt“, sagt Stefan Dohrwardt, der nach der tagelangen Arbeit im Akkord vor Heiserkeit kaum noch sprechen kann. Ein häufiger Streitgrund sind Bäume, die auf ein privates Grundstück gefallen sind, aber keine Gefahr für Haus oder Leben mehr darstellen. „Liegt ein Baum auf Privatgelände und man kann das Haus erreichen, bleibt der Baum liegen“, sagt der Wehrführer. „Das können wir nicht leisten.“ Einige Bürger sehen das offenbar anders und versuchen die Kameraden sogar mit Geld zu ködern. „100 Euro...200 Euro...500 Euro, wenn Ihr den Baum wegmacht“ – so zitiert ein Feuerwehrmann einen Bestechungsversuch. Ohne Erfolg. Geldgeschenke nehmen die Retter grundsätzlich nicht an.

Feuerwehrmann Dohrwardt beschreibt aber auch vorbildliches Verhalten. In der Adolfstraße habe ein Arzt einen gefährdeten Bereich mit Stühlen eigenhändig abgesperrt, weil Dachpfannen zu Boden gekracht waren.

Die Schäden in den anderen städtischen Waldgebieten sind vergleichsweise gering. Im Nobiskrüger Gehölz sind nach Angaben der Stadt nur einzelne Bäume betroffen, und auf dem Eiland hielten einige große Äste dem Winddruck nicht stand.

>Das durch den Sturm verursachte Totholz will die Stadt durch Spezialunternehmen bergen lassen und später verkaufen. Auch Privatleute sollen zum Zuge kommen. Zeitpunkt und Preise stehen noch nicht fest. Wer Interesse hat, kann sich im Rathaus auf eine „Holzliste“ setzen lassen. Mehr unter Tel. 04331/206-620 (nur vormittags). Die Stadt weist darauf hin, dass das vom Land ausgesprochene absolute Betretungsverbot für alle Wälder des Kreises Rendsburg-Eckernförde nach wie vor gilt.

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