Hanerau-Hademarschen : Der junge Deichgraf

Probenszene: Jürgen Warnholz als Hauke Haien (rechts) und Thomas Hollmer als Ole Peters geraten beim Boßeln aneinander.
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Probenszene: Jürgen Warnholz als Hauke Haien (rechts) und Thomas Hollmer als Ole Peters geraten beim Boßeln aneinander.

„Ein Dorf spielt seinen Schimmelreiter“. Unter diesem Titel wird die berühmte Storm-Novelle in Hanerau-Hademarschen auf die Bühne gebracht. Jetzt haben die Proben für den zweiten Teil der Trilogie begonnen.

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27. November 2013, 06:00 Uhr

Die Heizung bullert, im ehemaligen Speisesaal des Gemeindezentrums (JAW) in Hanerau-Hademarschen ist es kuschelig warm. Eine Gruppe von Frauen, Männern und Jugendlichen plaudert munter durcheinander, es wird gescherzt und gelacht. Dann stellen sich alle auf und bereiten sich auf die bevorstehende Probe vor: Die Boßelszene aus der Novelle „Der Schimmelreiter“.

„Stellt euch vor, es ist kalter Winter und ihr lauft über gefrorenen Boden, um zu boßeln. Es geht um den Konflikt zwischen Hauke Haien und Ole Peters. Dieses Bild muss erkennbar sein, der Zuschauer muss es fühlen können“, weist Theaterregisseur Frank Düwel die Gruppe an. Angesichts der Raumwärme frierende Menschen darzustellen, scheint schwer vorstellbar. Doch genau das macht diese besondere Spielart aus: Ohne viele Worte und Requisiten eine Atmosphäre zu schaffen, die die Zuschauer in die Zeit und Landschaft des 18. Jahrhunderts versetzt.

Die Proben für den zweiten Teil der Schimmelreiter-Trilogie haben begonnen. „Ein Ort spielt seinen Schimmelreiter“ bleibt dabei die große Überschrift. Bürger aus Hanerau-Hademarschen verwandeln sich als Laiendarsteller erneut in die Figuren der bekannten Novelle von Theodor Storm, die er in Hanerau-Hademarschen schrieb.

Viele bekannte Gesichter sind mit dabei, aber auch einige neue. Einige haben ihre Rolle behalten, andere ihre Figur getauscht, einige Rollen wurden neu besetzt. Wie die von dem älter gewordenen Hauke, denn: „Haukes Jugend ist vorbei, jetzt beginnt die Zeit des jungen Deichgrafens“, erklärt Frank Düwel. Das Spiel werde größer, erwachsener und anspruchsvoller. Es werden mehr Figuren benötigt und mehr helfende Hände, die die Abläufe koordinieren. Das Produktionsteam wurde auf sechs Mitarbeiter aufgestockt, die ebenfalls alle aus der Gemeinde kommen.

Eine Spiel-Routine, die sich auf den ersten Teil der Trilogie aufbaut, werde es definitiv nicht geben, denn das würde diese besondere, so andere und spezielle Form des Theaters zerstören, erklärt der Regisseur und fügt hinzu: „Wir haben hier einen Theater-Stil erfunden, den es so nicht gibt“.

Das Spiel beginnt also von neuem, die Arbeit wird intensiver und anstrengender. „Wir machen hier keinen Schwank“, so Düwel. Was vom ersten Teil geblieben ist, ist das Zuschreiben der Rollen auf die einzelnen Charaktere hin: „Ich schaue mir in improvisierten Szenen an, wie jeder spielt und was derjenige mitbringt. Vor dem Hintergrund, was erzählt werden soll, versuche ich, die einzelnen Charaktere der Geschichte in den Schauspielern zu erkennen. Erst dann beginne ich nach und nach die Texte zu schreiben. Ich schreibe den Darstellern ihren Text quasi ins Maul“, erläutert der Regisseur seine Arbeit. Verfeinert wird in den Proben, mitunter bis kurz vor der Aufführung, jeder dürfe seine Ideen mit einbringen.

Der zweite Teil zeichne sich durch seine Monologe aus, zum Beispiel wenn Hauke allein am Deich sitzt, „der Norddeutsche an sich redet ja ohnehin nicht so viel, wenige gute Worte sind da einfach besser“, schmunzelt Düwel. Um gut in das Thema zu kommen, werde es bei der Aufführung des zweiten eine Zusammenfassung des ersten Teils geben. Die Proben dazu mit neuen jungen Darstellern seien nicht minder herausfordernd, gibt Düwel zu. Der Spielort bleibe mit dem Gut Hanerau bestehen, der lasse sich nicht verpflanzen und mache den kostbaren Moment aus. Immer noch seien alle begeistert von der überwältigenden Resonanz auf den ersten Teil. „Das Projekt entwickelte eine Strahlkraft weit über die Grenzen des Ortes hinaus, hier handelt es sich um Kultur im und für den ländlichen Raum“, betont Renate Gaethke-Sander, Vorsitzende des Arbeitskreises Kultur- und Tourismusangebote Hanerau-Hademarschen und Leiterin des Produktionsteams. Das dürfe sich beim zweiten Teil der Trilogie gerne fortsetzen, „darauf hinzuarbeiten und die Erwartungen zu erfüllen, bereitet uns große Freude“, so Düwel. Aber bis dahin, „bleibt es für uns alle ein gemeinsames großes Abenteuer“.

Termine


Premiere: Donnerstag, 22. Mai, 19 Uhr.

Mai 2014: Freitag, 23. Mai, 19.30 Uhr, Sonnabend, 24. Mai, 15.30, 19.30 Uhr. Sonntag, 25. Mai, 19.30 Uhr. Donnerstag, 29. Mai, 19.30 Uhr. Freitag, 30. Mai, 19.30 Uhr. Sonnabend, 31. Mai, 15.30 Uhr und 19.30 Uhr.

August: Freitag, 29. August, 19.30 Uhr. Sonnabend, 30. August, 15.30, 19.30 Uhr. Sonntag, 31. August, 19.30 Uhr.

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