80 Jahre SPD-Mitglied : Der Jahrhundert-Genosse
Siegfried Mader (97) aus Osterrönfeld ist seit 80 Jahren Mitglied der SPD / Ehrung durch den Landesvorsitzenden Ralf Stegner
Osterrönfeld | Keiner ist länger dabei als er: Seit 80 Jahren gehört Siegfried Mader aus Osterrönfeld der SPD an - so lange wie kein anderer Schleswig-Holsteiner. "Eine ganze Partei mit 19 000 Mitgliedern ist stolz auf Dich", sagt Landeschef Ralf Stegner, der den 97-Jährigen vor wenigen Tagen persönlich ehrt. Gerührt nimmt Mader eine Urkunde und die von der SPD nur selten vergebene Willy-Brandt-Medaille entgegen - die höchste Auszeichnung, die die SPD zu vergeben hat. "Das ist ein besonderer Moment für mich", sagt Mader.
Als der am 1. Mai 1932 in die SPD eintritt, ist Heinrich Brüning noch Reichskanzler. Der 16-jährige Siegfried trägt bei der Maifeier die rote Fahne durch seine Heimatstadt Kolberg in Pommern. "Damals war es schwer, in der SPD zu sein", erzählt Mader. Denn die Nazis liefern sich blutige Schlachten mit Kommunisten und Sozialdemokraten. "Ich konnte abends nicht mehr auf die Straße gehen, sonst hätte ich die Jacke vollgekriegt", sagt Mader. Aber er verteilt trotzdem Flugblätter. "Wer Hitler wählt, wählt den Krieg", steht darauf. Mader behält Recht. Kurz darauf ist Hitler an der Macht, verbietet die SPD - und zettelt den Zweiten Weltkrieg an.
Doch Mader bleibt strammer Genosse. "Ich war Soldat, keiner durfte wissen, dass ich in der SPD bin", sagt er. Das Parteibuch hat er zu Hause in Greifenberg, wohin er mittlerweile mit seiner Frau gezogen ist, versteckt. Bis heute hat er es nicht zurückbekommen.
Denn der Krieg verschlägt ihn nach Schleswig-Holstein. Hier gerät Mader in englische Gefangenschaft, zieht danach nach Fockbek. Der Malergeselle bekommt einen Job als technischer Zeichner bei der Bundeswehr - und ist auch wieder in der SPD aktiv. Jahrelang ist er Gemeindevertreter in Fockbek. Nach dem Tod seiner Frau wohnt Mader allein in einem Seniorenheim in Osterrönfeld.
An seiner Partei habe er nie gezweifelt, sei nie wirklich enttäuscht worden oder habe gar über einen Austritt nachgedacht, sagt Mader. Zu Hause habe er selten politisiert, erzählt seine Tochter Renate Schröder. Nur wenn sie im Geschichtsunterricht etwas über Otto von Bismarck gelernt habe, habe ihr Vater furchtbar auf den "Eisernen Kanzler" geschimpft. "Vermutlich, weil er die SPD mit den Sozialistengesetzen verboten hat", sagt sie.
In der SPD hat Mader alles erlebt, viele Parteivorsitzende kommen und gehen sehen. Bis heute verfolgt Mader die Landes- und Bundespolitik, und das durchaus kritisch. Seiner SPD räumt er bei der Wahl in Niedersachsen keine guten Chancen ein. "Bei der Bundestagswahl ist das schon etwas anderes." Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sei ein guter und "harter Mann", sagt Mader. das gefalle ihm . Steinbrück erinnere ihn ein bisschen an Helmut Schmidt, den er sehr verehre. "Raucht der noch so viel?", fragt Mader Ralf Stegner. "Furchtbar viel", sagt der Parteichef über den Alt-Kanzler, der 1946 in die SPD eingetreten ist. Und schnell sagt er noch über den bald 94-Jährigen: "Im Vergleich zu Dir ist der ja noch ein junger Kerl."
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