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Eine besondere Gärtnerei : Der Herr im Bambus-Hain

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Carsten Büge aus Hohn liebt die asiatischen Riesengräser. 238 Sorten besitzt er. Die Beschäftigung mit den Pflanzen ist Liebhaberei und Lebensaufgabe zugleich.

von
erstellt am 15.Apr.2015 | 18:53 Uhr

Manche seiner „Gräser“ wachsen Carsten Büge im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf. Bis zu elf Meter hoch wird beispielsweise „Huangwenzhu“. Vor fünf Jahren erst hat der Hohner ihn gepflanzt und inzwischen ragen etliche stattliche Rohre in den norddeutschen Himmel. Carsten Büge liebt Bambus. 238 verschiedene Sorten wachsen auf seinem Gelände – davon zahlreiche Raritäten. Außerdem sind die meisten seiner Pflanzen selbst gezogen. „Ich habe es nicht eine Sekunde lang bereut“, sagt der ehemalige Finanzmathematiker und Unternehmensberater, der sich vor knapp sechs Jahren mit seinem Hobby selbstständig gemacht hat.

Jetzt muss der 57-Jährige aufpassen, dass ihm auch die Gärtnerei nicht über den Kopf wächst. Die Nachfrage nach seinen Pflanzen ist groß. Doch Büge möchte den Betrieb nicht ausweiten. „Ich will keinen Stress mehr“, sagt er, während er sich im Schatten von „Phyllostachys sp. Shanghai 3“ eine Zigarette ansteckt. Der Bambus ist Geschäft und Hobby zugleich, ist Passion und Lebensaufgabe. Angefangen hat diese vor mehr als 30 Jahren. Büge wollte nicht mehr auf die grauen Stämme des angrenzenden Waldes blicken und etwas im Garten verändern. Er kaufte einen Bambus, der wuchs gut, er teilte die Pflanze, sie wuchs weiter – bis eine 70 Meter lange Hecke entstanden war.

Dann setzte die Sammelleidenschaft ein. Bald hatte der Hohner nicht nur ein umfangreiches Bambus-Sortiment, sondern auch ein umfangreiches Wissen erworben. „Bambus ist eine spezielle Pflanze“, sagt Büge, und nicht Bestandteil der Gärtnerausbildung. „Darum liest man viel Unsinn im Internet“, schimpft der Fachmann, der auch Mitglied in der Europäischen Bambus-Gesellschaft ist. Wer bei ihm im Hohner Industriegebiet vorbeischaut – dort liegt der 4000 Quadratmeter große Verkaufsbereich inklusive Schaufläche – erhält eine ausführliche Beratung.

Büge liebt seine Pflanzen und bringt gerne Licht in den Bambus-Dschungel. „Ich ziehe sie doch nicht sechs Jahre lang groß, damit sie dann ein halbes Jahr nach dem Verkauf tot sind.“ Das Telefon klingelt, Büge angelt es aus der Hosentasche. Jemand möchte wissen, ob ein Bambus im Kübel im Freien überwintern kann. „Ja“, sagt der Fachmann, „wenn Sie darauf achten, dass die Erde nicht durchfriert.“ Denn der Saftstrom darf nicht abreißen. Bambus ist durstig. Seine Saugwurzeln reichen bis in ein Meter Tiefe. Dennoch: „Im vergangenen Jahr habe ich bis zu 50  000 Liter Wasser täglich verbraucht“, erinnert sich Büge. Der Durst bedeutet auch, dass die Pflanze ein pflegeleichter Sichtschutz sein kann, denn „Bambus zieht so viel Wasser, dass darunter kaum Unkraut wächst“.

In Sachen Wachstum sollte der Bambus-Kunde aber wissen, wie hoch seine Pflanze sein soll. Es gibt ihn nämlich vom Bodendecker bis zum himmelhohen „Baum“. Und: „Manche wollen nicht bleiben, wo man sie hinpflanzt“, sagt Büge. Das sind die rhizombildenen Bambussorten, das heißt, deren Wurzel-Ausläufer lassen sich nur durch kräftige Sperren an der Wanderung hindern. Wie diese Sperren am besten aussehen sollen, das erklärt Büge den Besuchern gern. Ebenso, woher der Name seines Betriebes kommt. „Bambus vom Limhorn“ ist keine Sorte, sondern Limhorn wird das Waldstück hinter Büges Haus in Hohn genannt.

Und wie ist das mit der Geschichte, dass ein blühender Bambus stirbt? Das stimmt, sagt der Fachmann. Allerdings blüht eine Sorte nur alle 80 bis 120 Jahre. Dass 1994 weltweit Bambus starb, lag daran, dass es sich um Ableger einer einzigen Pflanze handelte. „1897 wurde ein Bambus von China nach Dänemark verpflanzt“, erzählt Büge. Er gedieh in Europa, wurde immer wieder geteilt – und damit auch die tickende Uhr der Blüte – und weltweit vertrieben. Kunden, die sich um den Bambus-Tod sorgen, rät Bambus-Experte Büge mit einem Augenzwinkern: „Dann kaufen Sie einen neuen. Er wächst ja schnell.“

 

 

Bambus-Fakten

> Ein Typ von Gras, das botanisch zu Familie der Süßgräser (Poaceae) gehört.


> Herkunft: Ursprünglich aus China, Japan, Südafrika, Nord- und Südamerika.


> Ein vielseitiger, hochwertiger und schnell nachwachsender Rohstoff.


> Zehn mal so hart wie Eiche.


> Nahrungsquelle:Giraffen naschen gerne von Bambusblättern. Panda-Bären verdrücken bis zu zwölf Kilo täglich.


> Wachstum: Innerhalb von sechs Wochen erreicht die Pflanze ihre Bestimmungslänge. Einige Sorten wachsen bis zu 50 Zentimeter in 24 Stunden.


> In Europa haben sich acht Länder mit ihren Mitgliedern der European Bamboo Society (EBS) angeschlossen. Die deutsche ist die zahlenmäßig weitaus stärkste Sektion: www.bambus-deutschland.de


> Carsten Büge im Internet: www.bambus-vom-limhorn.de
> Carsten Büge auf Messen: Flora Rendsburg, 9.+10. Mai / Lotusblütenfest im Arboretum Ellerhoop-Thiensen, 8.+9. August

 

 

 

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