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25 Jahre Kantor in Hohenwestedt : Der Entdecker verschollener Musik

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Norbert Klose ist heute auf den Tag genau 25 Jahre Kantor an der Peter-Pauls-Kirche. In dieser Zeit haben sich Wiederaufführungen vergessener Werke als seine Spezialität erwiesen.

Die Wiederaufführung von verschollenen kirchenmusikalischen Werken ist die Spezialität und große Leidenschaft von Norbert Klose. Der Kantor der Peter-Pauls-Kirche ist heute auf den Tag genau seit 25 Jahren im Amt. Bei knapp 100 Konzerten erklangen im Hohenwestedter Gotteshaus mehr als 25 Kantaten und Oratorien, die seit dem 18. oder 19. Jahrhundert als vergessene Partituren in verstaubten Archiven überdauert hatten.

„Das war damals schon eine kleine Sensation“, meint Norbert Klose mit Blick auf die Entscheidung des Hohenwestedter Kirchenvorstands im Jahre 1990, das Amt des Peter-Pauls-Kantors wieder als höherwertige B-Stelle auszuschreiben. Fünf Jahre war die Stelle zur C-Stelle degradiert worden, damit Amtsvorgänger Wilfrid Myles auch im Ruhestand weiterwirken konnte. Der damals 31-jährige Norbert Klose, Absolvent der Musikhochschule Lübeck, hatte sich gegen drei andere Bewerber durchgesetzt, obwohl er beim Vorspielen auf der Hohenwestedter Kirchenorgel mit einem Handicap zurechtkommen musste – einer genähten Wunde am Zeigefinger. Er war kurz zuvor beim Bambusorgelfestival auf den Philippinen gewesen. Dort hatte ihn ein Seeigel gestochen.

Kloses erstes Konzert als neuer Peter-Pauls-Kantor am 23. Dezember 1990 trug den Titel „Pasticcio – Die Weihnachtsgeschichte zum Mitsingen“. Zwei Jahre später fand im Hohenwestedter Gotteshaus zum ersten Mal das statt, was in der Folgezeit zum Markenzeichen des neuen Kantors werden sollte: Die erste Wiederaufführung eines seit fast zwei Jahrhunderten nicht mehr gespielten kirchenmusikalischen Werks. „Das war sozusagen meine erste Ausgrabung“, sagt Klose über das Weihnachtsoratorium „Die Freude der Hirten“ des Bach-Schülers Gottfried August Homilius (1714-1785). Dessen autographische Partitur von etwa 1740 fand er in einem Archiv in Dresden. Am heimischen Atari-Computer übersetzte er sie in ein modernes Format und arbeitete alle Sing- und Instrumentalstimmen heraus, um das Werk am 13. Dezember 1992 in der Peter-Pauls-Kirche zur Aufführung zu bringen.

Die nächsten Wiederaufführungen galten Johann Heinrich Rolle (1716-1785), dessen „Befreiung Israels“ am 3. Juli 1994 und dessen Passionsoratorium am 2. April 1995 im Hohenwestedter Gotteshaus erklangen. „Kein Mensch kannte damals Rolle“, vermerkt Klose, der die Kantaten-Partituren des vergessenen Komponisten in seinem 1995 gegründeten „Renaissance Musikverlag“ herausbrachte. Im Februar 2013 klingelte bei Familie Klose auf dem Wettersberg in Haale das Telefon. Am Apparat: Steffen Schlandt, Kantor der „Schwarzen Kirche“ von Kronstadt in Rumänien. Auf der Suche nach einem Rolle-Experten war Schlandt im Internet auf seinen Hohenwestedter Kollegen und dessen Musikverlag gestoßen. Schlandt hatte vier ebenfalls verschollene Rolle-Kantaten ans Tageslicht befördert, die in den Bänken seines Gotteshauses versteckt gewesen waren. Im Herbst 2014 reiste Klose mit seiner Hohenwestedter „capella piccola“ nach Transsilvanien. Wie der Peter-Pauls-Kantor am 24. Oktober 2014 in der „Schwarzen Kirche“ von Kronstadt bei der Wiederaufführung der wiederentdeckten Rolle-Kantaten einen gemischten rumänisch-deutschen Chor dirigierte, kann man sich im Internet auf „YouTube“ (Stichworte: Black Church, Cantatas) ansehen. Am 22. Februar 2015 waren die vier wieder ausgegrabenen Kantaten von Johann Heinrich Rolle auch in der Peter-Pauls-Kirche zu hören. Kloses nächstes Projekt ist die deutsche Bearbeitung und Aufführung einer Kantate von Benjamin Britten (1913-1976), dessen „Saint Nicolaus“ am 6. Dezember erklingen wird.

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