zur Navigation springen

Alt Duvenstedt : Deponie wirkt „wie ein riesiger Reaktor“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Abfallwirtschaftsbetrieb will Biogas aus alter Müllhalde selbst nutzen. Nachsorgerücklage soll dadurch entlastet werden.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 06:00 Uhr

Der Kreis füttert seine Rücklage für die stillgelegte Mülldeponie in Alt Duvenstedt mit zusätzlichem Geld – und bewahrt die Privat-Haushalte dadurch womöglich vor weiteren Erhöhungen der Abfallgebühren. Denn ab dem 1. Januar 2017 will er das Deponiegas, das der riesige Müllberg produziert, selbst nutzen. Dadurch verspricht sich die Verwaltung ein Einnahmeplus von rund 130  000 Euro. Das hat zumindest die kreiseigene Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) kalkuliert.

Die Gebühren für die Haushalte sind 2015 leicht angehoben worden (wir berichteten). Hintergrund: Der Kreis erhielt auf seine Millionensummen, die er in der Nachsorgerücklage für die 2005 geschlossene Alt Duvenstedter Deponie gesammelt hat, nicht so hohe Zinserträge wie geplant. Mit dem Geld soll unter anderem gewährleistet sein, dass in den nächsten Jahrzehnten Sickerwasser und Deponiegas aufgefangen wird.

Das Gas entsteht beim Abbau der organischen Anteile am Müll durch Bakterien. Es wird durch ein Rohrleitungsnetz, das wie eine Drainage funktioniert, per Unterdruck aus dem Deponiekörper gesaugt und speist ein Blockheizkraftwerk. „Der Ablauf ist mit dem einer Biogasanlage vergleichbar. Dabei ist die gesamte Deponie Gasspeicher und riesiger Reaktor zugleich“, erklärt AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt. Allerdings findet die Vergärung nicht kontrolliert statt, sodass Menge und Qualität des Gases variieren. Ihm zufolge entsteht in Alt Duvenstedt ein Biogas mit einem Methan-Anteil von etwa 40 Prozent, der Rest sind Störgase wie Kohlendioxid und Stickstoff. Zum Vergleich: Biogas aus der Landwirtschaft enthält etwa 60 Prozent Methan, bei Erdgas sind es nahezu 100 Prozent.

Jede Kilowattstunde gewonnenen Stroms wird bislang vom Unternehmen „Hansewerk Natur“ mit 1,7 Cent vergütet. Seit mehr als 20 Jahren bestehen Verträge mit dem Hansewerk und ihren Vorgängerfirmen. Da die Gasmenge jedoch mit dem Abbaufortschritt sinkt, bot Hansewerk einen Anschlussvertrag über eine Leistung von nur noch 50 Kilowatt pro Jahr an. Hintergrund ist laut Ralph Hohenschurz-Schmidt, dass dem Unternehmen Fördergelder entgehen würden, wenn es eine höhere Leistung installiert. Laut Hohenschurz-Schmidt lässt sich jedoch mehr Energie aus dem Gas des Müllbergs produzieren. Ginge es nach den Hansewerk-Plänen, müsste „ein zu hoher Anteil des Deponiegases abgefackelt“, werden, heißt es in einer Vorlage für den Umwelt- und Bauausschuss, der am Donnerstag darüber berät. Die AWR rechnet damit, 124 Kilowatt zu erzielen. Die Leistung würde reichen, um etwa 250 Haushalte pro Jahr mit Strom zu versorgen. Deshalb kündigte Hansewerk den Vertrag nun fristgerecht zum Ende des Jahres.

Damit ist der Weg frei, das Gas selbst zu nutzen. Die AWR will mit dem gewonnenen Strom die Sickerwasseranlage auf der Deponie speisen. „Das ist unser größter Verbraucher“, so Hohenschurz-Schmidt. Es entstehen jedoch große Einsparungen, da der Strom dafür nicht mehr für annähernd 20 Cent pro Kilowattstunde zugekauft werden müsse. Der Rest soll ins Netz eingespeist werden. Die Wärme des Heizkraftwerks vermarktet weiterhin „Hansewerk Natur“.

Dafür muss der Kreis jedoch erst einmal selbst investieren: In diesem Jahr fallen 450  000 Euro für ein neues Blockheizkraftwerk sowie einige Anlagen an. Das Geld soll aus der Nachsorgerücklage kommen, die jedoch bis 2026 durch die Eigennutzung des Stroms um mehrere zehntausend Euro jährlich weniger belastet wird. Am Ende soll ein Plus von knapp 130  000 Euro stehen.

Der Kreis-Politiker beschäftigen sich mit dem Thema am Donnerstag, 23. Juni, um 17 Uhr im Saal 2 des Kreishauses an der Kaiserstraße 8 in Rendsburg.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen