Pendeln mit dem Fahrrad : „Den meisten Ärger bereiten Radwege“

Verbindet Arbeit und Vergnügen: Günter Blümer fährt bei Wind und Wetter mit dem Rad zu seinen Einsatzorten.
Verbindet Arbeit und Vergnügen: Günter Blümer fährt bei Wind und Wetter mit dem Rad zu seinen Einsatzorten.

Günter Blümer hilft auf den Bauernhöfen aus und fährt stets mit dem Drahtesel zum Einsatz. Viele Fahrradtrassen bereiten ihm Schmerzen.

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30. August 2017, 13:05 Uhr

Den inneren Schweinehund scheint Günter Blümer nicht zu kennen: Der 48-Jährige schwingt sich bei Wind und Wetter auf das Rad, um zu seinen Einsatzorten zu fahren. Der Kronshagener ist gelernter Landwirt und arbeitet für den Betriebshilfsdienst Aukrug. Dabei handelt es sich um einen Verein, der in landwirtschaftlichen Betrieben bei Urlaub oder in Krankheitsfällen mit Mitarbeitern aushilft. „Auch ein Bauer muss mal die Möglichkeit haben, für ein paar Tage aus seinem Unternehmen rauszukommen“, findet Blümers Chef Günter Hartmann. „Wir decken den südlichen Teil von Rendsburg-Eckernförde und den nördlichen Teil von Steinburg ab.“ Dementsprechend groß ist Blümers Einsatzbereich. Derzeit hilft er bei Eckhard Siebken in Gnutz aus. „Mein Sohn ist eine Woche lang im Urlaub. Weil wir das hier nur zu zweit meistern, benötige ich jetzt eben Hilfe“, so der 59-jährige Landwirt.

Obwohl Blümer einen Führerschein hat, steigt er lieber auf seinen Drahtesel, um den Arbeitsweg zu bewältigen. „Alle Entfernungen bis 30 Kilometer pro Richtung lege ich auf jeden Fall mit dem Fahrrad zurück“, erzählt der gebürtige Rheinländer. Um durchzuhalten, achtet er darauf, immer mindestens sechseinhalb Stunden zu schlafen. Nur bei Sturm oder Gewitter steigt er lieber auf sein Auto um. „Ich bin schon immer viel Rad gefahren, für mich ist das pure Leidenschaft. Vielleicht liegt es daran, dass ich an der holländischen Grenze geboren bin“, ergänzt Blümer und lacht.

Seine Routen passt er dem Verkehr und auch den Straßenverhältnissen an. So kann es passieren, dass eine Strecke mit dem Fahrrad auch mal länger ist als mit dem Auto. Seine längste, beruflich zurückgelegte Distanz führte den 48-Jährigen erst kürzlich nach Mühlenbarbek im Kreis Steinburg. 68 Kilometer lang war eine Strecke. „Da bin ich dann auch nur jeden zweiten Tag mit dem Fahrrad gefahren“, sagt Blümer. Er ist mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 Kilometern pro Stunde unterwegs. Wenn das Wetter mitspielt, fährt der Wahl-Kronshagener mit seinem Rennrad, bei Minusgraden greift er auf sein Mountainbike samt Spikes zurück. In den vergangenen 13 Monaten hat er bereits knapp 18  000 Kilometer mit dem Rennrad zurückgelegt. „Ein Rennlenker ist mir wichtig, weil ich so die meisten Griffmöglichkeiten habe und meine Hände nicht verdrehen muss.“ Das künstliche Licht sei ebenfalls elementar, weil er im Großteil des Jahres mindestens eine Fahrt am Tag im Dunkeln zurücklegen muss. Stets dabei hat er eine Tasche mit Flickzeug und Regenkleidung. „Ich habe alle paar tausend Kilometer mal einen Platten, was Schlimmeres passiert nicht.“ Um wieder fahrtüchtig zu sein, braucht Blümer dann zwischen fünf und zehn Minuten.

„Die meisten Leute halten mich für verrückt“, gibt der Landwirt zu. Und so erging es auch Eckhard Siebken: „Ich fand das am Anfang gewöhnungsbedürftig.“

Blümers Chef Günter Hartmann hat kein Problem mit der unkonventionellen Anreise seines Mitarbeiters: „Hauptsache, unsere Vereinsmitglieder sind zufrieden.“

Am beeindruckendsten sind für Blümer die Sonnenaufgänge, die er beobachten kann, während er durch die Landschaft fährt. Den meisten Ärger bereiten ihm die Radwege: „Von vielen kriegt man Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen.“ Über den Weg zwischen Felde und Bossee habe er sich sogar an offizieller Stelle beschwert: „Er ist neu, aber trotzdem ziemlich schlecht.“ In solchen Fällen müsse er mit dem Tempo runtergehen. Immer ginge das aber nicht. „Ich will ja auch mal ankommen.“ Also passe er oft seine Strecke der Qualität der Radwege an und nehme dadurch Umwege in Kauf. „Ich würde mir wünschen, dass unsere Radwege mit Sinn und Verstand repariert werden. Das betrifft ja nicht nur Radfahrer, sondern auch Rollstuhlfahrer oder Senioren im Elektromobil“, so Blümer. Aber selbst der schlechteste Weg wird ihn nicht vom Radeln abhalten können.

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