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Selbstversuch : Den ganzen Tag am Smartphone

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Franziska Krämer wagte einen Selbstversuch: Wie häufig nutze ich das Mobiltelefon wirklich? Segen oder Fluch: Immer informiert, aber auch immer erreichbar. Ihre Erkenntnis: das Smartphone ist den ganzen Tag im Einsatz.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 06:15 Uhr

Wir sind die Generation Smartphone. Die Generation der sozialen Netzwerke, Teil der weltweit vernetzten Gesellschaft, der Globalisierung und der Jahrgänge, die gefühlt immer weniger Zeit haben. Alles muss schnell gehen, jeder überall erreichbar sein. Auch eine im Oktober veröffentlichte Online-Umfrage unter 2500 Menschen spiegelt diesen Eindruck wider: In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen ist das Handy dreieinhalb Stunden täglich im Einsatz. Davon werden 68 Minuten für Internetdienste wie „WhatsApp“ genutzt, 44 Minuten wird auf Social-Network-Plattformen wie Facebook gesurft. Die Jugendlichen nutzen allerdings nur 13 Minuten, um zu telefonieren oder zu „simsen“.

Als ich von der Studie gehört habe, fiel mir sofort auf: Das entspricht ziemlich gut, vielleicht auch leider meiner Smartphone-Nutzung. Daraufhin entschied ich mich, einen Tag lang darauf zu achten, in welchen Situationen beziehungsweise wie oft ich mein Smartphone in der Hand halte.

Mein Tag beginnt nach dem Aufstehen direkt mit dem Blick aufs Handy – vor allem, weil ich bereits durch das Handy geweckt werde. In der Schule habe ich mein Mobiltelefon selbstverständlich ausgeschaltet. Allerdings fällt auf, dass ich nach und vor dem Unterricht, wie so viele in meiner Klasse, WhatsApp-Nachrichten lese oder auf diese antworte. Auch im Allgemeinen hat dieser Internetdienst in unserer Generation die SMS so gut wie abgelöst, genauso wie das Telefonieren.

Am Nachmittag ist es meine typische Angewohnheit, in Wartezeiten entweder wieder auf eingehende Nachrichten von Freunden zu antworten oder einfach aus reiner Langeweile auf meinem Smartphone nachzuschauen, was meine Freunde bei Facebook hochgeladen, geschrieben und kommentiert haben. Beim Hausaufgabenmachen erweist es sich sogar immer wieder als kleiner Helfer dadurch, dass man, um Vokabeln oder Ähnliches nachzuschlagen, einfach das World Wide Web fragen kann.

In solchen Situationen bin ich ziemlich froh, dass ich in der heutigen Zeit lebe. Auch wenn meine Freunde und ich für Klausuren lernen, herrscht ein ständiger Austausch durch unsere Handys. Ich würde es als ziemlich anstrengend empfinden, jedes Mal zum Telefon greifen zu müssen, nur weil ich mich beispielsweise nicht an eine mathematische Formel erinnere.

Gleichzeitig nervt mich der Gedanke, ständig für jeden erreichbar sein zu müssen. Genau das fiel mir an einem Abend auf, an dem ich auf einer Party mit vielen anderen Jugendlichen war. Ein Phänomen: Wirklich jeder hat sein Handy dabei, das permanent neben zehn anderen Smartphones auf dem Tisch liegt. In Situationen, in denen kein Gesprächspartner greifbar ist, wird dieser quasi durch das Smartphone ersetzt. Leider verfalle ich persönlich auch häufig in dieses Muster, obwohl ich immer wieder von Freunden höre, wie sehr sie das nervt.

Zu Hause angekommen, ist die letzte Tat des Abends, mein Smartphone an das Ladegerät anzuschließen – die ganze Nutzung verbraucht natürlich den entsprechenden Akku – , den Wecker für den nächsten Tag zu stellen und die letzten WhatsApp-Nachrichten zu checken.
Nach dieser kleinen Auflistung fiel mir selbst erst auf, dass ich das Handy als Kommunikationsmittel den ganzen Tag über nutze – was einerseits nützlich sein kann, andererseits die echte zwischenmenschliche Kommunikation in der heutigen Jugend negativ beeinflusst. Doch ich bin der Meinung, dass gerade diese Veränderungen das Zeitalter des 21. Jahrhunderts ausmachen.




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