Grauel-Altenjahn : Den Frühling auf der Zunge spüren

In Form eine Hauses sind die ersten Kräuterbeete angelegt.
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In Form eine Hauses sind die ersten Kräuterbeete angelegt.

Der Mai als Aktionsmonat Naturerlebnis mit zahlreichen Veranstaltungen. Kräuter-Probe im Garten von Traute Struve.

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01. Mai 2015, 07:00 Uhr

Hmmm. Der Geschmack, würzig und intensiv, bleibt noch lange am Gaumen haften. Und macht Appetit auf mehr. „Knoblauchrauke schmeckt frisch – im Salat oder auf Brot“, sagt Traute Struve und zupft im Vorbeigehen ein paar Blätter ab. Sie liebt Kräuter und hat in Altenjahn einen paradiesischen Garten angelegt, in dem ein Großteil der Pflanzen essbar ist. Keine Frage also, dass sich die Landfrau am landesweiten Aktionsmonat Naturerlebnis beteiligt. „Die Menschen lesen nur noch über die Pflanzen“, bedauert die 53-Jährige. „Aber sie sollten sie auch probieren.“ Das sei ein Naturerlebnis.

Die Sonne bricht durch die Wolken, eine Katze streicht um die Beine der Besucher und schon hat Traute Struve das nächste Kraut gepflückt. Es ist junger Hopfen, der sich um einen Pfahl rankt. „Probieren Sie“, sagt die Kräuterfrau. Und was bräunlich-unscheinbar aussieht, entfaltet auf der Zunge wohlschmeckende Aromen. „Wenn er frisch ist, können Sie ihn roh essen. Sonst kann man ihn wie Spargel zubereiten.“

„Ich mag das Neue. Aber ich möchte auch das Alte bewahren“, sagt die 53-Jährige – und sie möchte ihre Kenntnisse weiter geben. Das grüne Wissen ist zwar im Zuge von Fertiggerichten in Vergessenheit geraten, aber es wird zunehmend wiederentdeckt. Die heutigen „Kräuterweiber“ sind moderne Frauen, die manchmal beim Landfrauen-Verband einen Kursus zur Kräuterexpertin absolviert haben – so wie Traute Struve. Aber egal ob Seminarteilnehmerin oder Autodidaktin, es gibt zahlreiche Kräuterfrauen im Kreis, die in den kommenden Wochen „Kräuter-Kleinode am Kanal“ erläutern, zu Bünzau oder Wittensee führen (siehe Infos links) und auch die Verwendung für die Küche erklären.

Manchmal müssen dann Vergleiche zu heutigen Produkten herhalten. Wie schmeckt Fenchel? Wieder reiben, schnuppern, probieren. Traute Struve lächelt angesichts der Ratlosigkeit. „Kennen Sie Ouzo?“ Klar, kein Besuch beim Griechen ohne den Anis-Schnaps. Die ätherischen Öle verleihen dem Fenchel einen ähnlichen, leicht süßlichen Geschmack. Moderne Bezeichnungen helfen also. Darum werde die Eberraute auf dem Wochenmarkt auch als Cola-Strauch verkauft. Später, auf der Veranda vor dem Holzhäuchen, wird Traute Struve einen erfrischenden Tee mit dem frischen Kraut servieren. Manche Pflanze ist in den vergangenen Jahren richtig populär geworden. So wie der Bärlauch, der sich inzwischen in Produkten vom Brot bis zum Pesto findet. Bei Traute Struve wächst er unter den Bäumen am Teich und bildet momentan Knospen. Wieder greift sie zu und kurz darauf ist die Luft von intensivem Knoblauchduft erfüllt, der noch eine Weile in der Nase hängen bleibt.

Aber schon führt der gewundene Pfad zum nächsten Gartenbereich, öffnen sich neue Perspektiven – so wie im richtigen Leben. „Jetzt kommen wir zu einer Pflanze, die früher der Feind der Gartenfreunde war“, sagt die Kräuterexpertin. „Aber ich liebe sie.“ Sie kann mit ihr umgehen, steckt sogar einige Brennnessel-Blätter in den Mund und erinnert sich an den Besuch einer Schulklasse. „Als Mutprobe sollten sie Brennnessel essen.“ Traute Struve demonstriert, wie das möglich ist: Fest zupacken, dann über die Ränder streichen, so können die Härchen nicht mehr brennen. Oder unter kaltem Wasser abspülen. Und die Mutprobe, das ist sich die Kräuterfrau sicher, war ein Erlebnis, das die Schüler niemals vergessen werden.

> Der Aktionsmonat Naturerlebnis wird unter Federführung des Bildungszentrums für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Volkshochschulen und der Stiftung Naturschutz. Förder sind die schleswig-holsteinischen Sparkassen.

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