Demenz und ihre dramatischen Folgen

Jochen Kühl testet den Alterssimulationsanzug: Gewichte und Bandagen erschweren Bewegungen, die Brille schränkt das Blickfeld und die Farbwahrnehmung ein. Mit dem Kopfhörer wird Schwerhörigkeit veranschaulicht. Fotos: Frank (2)
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Jochen Kühl testet den Alterssimulationsanzug: Gewichte und Bandagen erschweren Bewegungen, die Brille schränkt das Blickfeld und die Farbwahrnehmung ein. Mit dem Kopfhörer wird Schwerhörigkeit veranschaulicht. Fotos: Frank (2)

Alzheimer-Gesellschaft wirbt um Verständnis für Betroffene

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25. Juni 2018, 12:58 Uhr

Zwei Prozent der 65-Jährigen leiden an einer Demenzerkrankung. Bei den 85-Jährigen sind es bis zu 20 Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland 1,3 Millionen Betroffene. Auf die Folgen der Erkrankung machte die seit fünf Jahren aktive Alzheimer-Gesellschaft Rendsburg-Eckernförde jetzt auf dem Kolonistenhof aufmerksam.

Eine Demenzerkrankung äußert sich durch Einschränkungen beim Hören, Fühlen, Sehen, Riechen und Schmecken. Alles Fähigkeiten, deren Wichtigkeit man im Alltag erst bemerkt, wenn man sie nicht mehr wie gewohnt ausüben kann. Dafür hatte das Team um Ursula Wendt Beispiele parat. Wie sich „Alter“ anfühlt, wenn Glieder schmerzen und schwerer beweglich sind, wenn Finger steif werden, Augen und Ohren nachlassen, konnte jeder auf dem Demenzparcours selbst erfahren. Nichts funktionierte mehr wie gewohnt. Einfachste Aufgaben wie etwas mit Messer und Gabel auf einen Teller legen, einen Stern oder Figuren zu malen, gelang im Spiegelkasten nicht. Ziel dieser Übungen ist es, Verständnis für an Demenz erkrankte Menschen zu wecken. Man konnte diese Bewegungseinschränkungen am eigenen Leib erfahren, und zwar mit dem Alterssimulationsanzug „Gert“.

Jochen Kühl (65) aus Kiel alterte damit innerhalb weniger Minuten – gefühlt – um Jahrzehnte. Assistent Sönke Feddersen schnallte ihm mit Klettband Gewichtsweste, Kniebandagen und Gewichte an. Mit schwerer Last auf den Schultern, steifen Knien und Fingern sowie Füßen, die nicht mehr abrollen, konnte er sich nur noch langsam bewegen und hatte größte Mühe, einen Betrag von 3,25 Euro aus dem Portemonnaie zu fischen.

Altersgemäße Seh- und Hörbehinderungen wurden mit Brille und Ohrpolstern simuliert: Kühl sah das Grün und die Blüten von Pflanzen hinter einer halb durchsichtigen Plane nur noch als grobe Farbflächen und hörte so wenig, dass man ihm ins Ohr schreien musste. „Ich verstehe nur einen Bruchteil von dem, was gesagt wird, sehe alles verschwommen. So starke Einschränkungen hätte ich nie erwartet. Das Leben ist wirklich anstrengend. Gut, dass es bei mir noch nicht so weit ist“, freute er sich, nachdem ihm Sönke Feddersen als „Wunderheiler“ in Sekundenschnelle alle Beschwerden wieder abgenommen hatte.

Auch ein Rahmenprogramm gab es. Zum Hören und Verstehen waren die Band „Hüttenfolk“ mit Songs und Ines Barber mit plattdeutschen Familiengeschichten engagiert. Für die Augen bot der Holzbildhauer Hans-Joachim Jungjohann Führungen über den Skulpturenweg an.

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