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Osterönfeld : Dem Schlips geht’s an den Kragen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Volksbank bricht als erstes regionales Geldinstitut mit einer jahrzehntelangen Tradition: In zwei Filialen wird testweise auf den Binder verzichtet.

Wie der Traditionsbruch bei den Kunden ankommen wird, vermag Georg Schäfer nicht einzuschätzen. „Ich bin allerdings optimistisch“, sagt das Vorstandsmitglied der Volksbank Raiffeisenbank. Heute erleben die Kunden des Geldinstituts eine Premiere. Auf Schäfers Initiative hin wird der seit Jahrzehnten für die männlichen Beschäftigten geltende Dresscode gelockert. In den Filialen Osterrönfeld und Nortorf sowie in der Verwaltungszentrale dürfen die Bankkaufleute ab heute auf den Schlips verzichten – zunächst testweise für acht Wochen.

Die Volksbank ist damit das erste Geldinstitut der Region, dessen Vorstand sich offiziell gegen die Krawatte entscheidet – analog zur Hamburger Sparkasse, die sich Anfang Mai zu einer neuen Kleiderordnung bekannte. Für Georg Schäfer und seinen Kollegen Friedrich Greten ist entscheidend, den Aufenthalt in der Bank für die Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten. Im modernen Geschäftsleben sei die Krawatte längst kein Muss mehr. Schäfer: „Immer öfter wird der Schlips als veraltetes Machtsymbol empfunden, das mehr Distanz als Vertrauen schafft. Mit unserer Dienstleistung und unserer Kompetenz hat dieses kleine Stückchen Stoff überhaupt nichts zu tun.“ Allerdings wird der Dresscode nicht komplett verbannt. Die Herren hinter dem Banktresen müssen weiterhin im Anzug erscheinen. Und Jeans bleiben ebenfalls verpönt.

Doch ohne das Votum des Volkes wollen die Vorstandsmitglieder nicht agieren. Wie vieles im Leben sei auch die Krawatte eine Geschmackssache. Deswegen können die Kunden ab sofort darüber abstimmen, ob sie die krawattenlose Bankfiliale gut oder schlecht finden. Dazu steht zunächst in Osterrönfeld ein Automat bereit, an dem man seine Stimme abgeben kann – ganz anonym per Klick. In vier Wochen wird der Automat in Nortorf Station machen. Sollte sich eine Mehrheit die guten alten Schlipse zurückwünschen, wäre die krawattenlose Zeit bei der Genossenschaftsbank Anfang August schon wieder vorbei.

Ein Hintertürchen hält sich der Vorstand ohnehin offen. „Natürlich wird es auch weiterhin Anlässe geben, bei denen wir eine Krawatte tragen“, sagt Friedrich Greten. Wenn die Volksbank in ihrer Osterrönfelder Zentrale beispielsweise zu ihren Empfängen bittet, gehört der klassische Binder weiterhin zum Pflichtprogramm.

Georg Schäfer genoss gestern Nachmittag die erste Arbeitsstunde in seinem Büro ohne einengendes Kleidungsstück um den Hals: „Irgendwie fühlt man sich freier.“

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