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Landeszeitung

17. August 2017 | 21:33 Uhr

Dem KLV laufen die Mitglieder davon

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Kreis-Leichtathletik-Verband Rendsburg-Eckernförde schlägt Alarm: In den vergangenen zwölf Monaten hatte der KLV landesweit den höchsten Verlust an Mitgliedern zu beklagen.

In den vergangenen Jahren konnte sich der Kreis-Leichtathletik-Verband (KLV) Rendsburg-Eckernförde über konstante Mitgliederzahlen freuen. Für 2015 weist die Statistik ein Minus von fast 200 Mitgliedern aus. LZ-Mitarbeiter Rüdiger Müller sprach mit dem Verbands-Vorsitzenden Professor Götz Hofmann über den Rückgang und über Möglichkeiten, diesen Abwärtstrend zu bremsen.

Herr Professor Hofmann, in den vergangenen zwölf Monaten hat der KLV auffällig viele Mitglieder verloren und landesweit den größten Verlust zu beklagen. Wo sehen Sie die Gründe für den Rückgang?
In den sechs Jahren zwischen 2009 und 2014 lag die Mitgliederzahl im Verband Rendsburg-Eckernförde relativ konstant zwischen 1726 und 1798 Athleten. Die Gründe, warum wir in 2015 einen so deutlichen Rückgang zu verzeichnen haben, sind zur Zeit noch nicht geklärt.

Wie will der Verband diesen Trend stoppen oder zumindest verlangsamen?
In erster Linie braucht es engagierte Trainer und Betreuer, die die Freude an der Leichtathletik vermitteln. Diese persönliche Bindung ist ausschlaggebend, wie gern und wie lange die jungen Athletinnen und Athleten der Leichtathletik die Treue halten. Zudem leidet die Attraktivität unseres Sports durch die schlechter werdenden Bedingungen auf den Sportanlagen im Kreis. Auch die Zahl der Sportfeste ist rückläufig, weil schlichtweg das Personal und somit auch das Gemeinschaftserlebnis fehlt. Wir versuchen diesem Trend entgegenzuwirken, indem wir die Kreismeisterschaften seit Jahren vereinsübergreifend durchführen und damit Verlässlichkeit schaffen.

Gibt es konkrete Aktionen, die derzeit zur Mitgliederwerbung angedacht sind? Wie beurteilen sie so eine Initiative wie „Schule und Verein“?
„Schule und Verein“ wird von einigen Vereinen angeboten. Zumeist trainieren die Leichtathleten aus dem Verein auch in einer Schulmannschaft und dann häufig auch mit demselben Trainer. Nur wenige Schüler kommen auf diese Weise neu zu unserer Sportart. Gleichwohl können leichtathletik-affine Lehrer die Teilnehmerzahl in den Vereinen deutlich beeinflussen. Aus Schulen, an denen beispielsweise ein Trainer als Lehrkraft unterrichtet, finden doch überdurchschnittlich viele Schüler den Weg zur Leichtathletik. Auf der organisatorischen Seite haben wir die Zusammenarbeit mit den Kreisverbänden Kiel und Plön verstärkt und führen gemeinsame Wettkämpfe durch. Das verteilt den damit verbundenen Aufwand auf mehrere Schultern und sorgt für attraktivere Teilnehmerfelder.

Wie sieht es personell in den Vereinen aus? Gibt es ausreichend qualifizierte Trainer?
Die Zahl der lizenzierten Trainer mit eigener Erfahrung in der Leichtathletik ist überschaubar. Vielfach wird das Training durch Eltern geleitet, die sich über Jahre das Wissen angeeignet und Lehrgänge besucht haben. Manchmal wird eine Sparte auch gleich von Eltern neu gegründet. Besonders die technisch herausfordernden Disziplinen wie der Hürdenlauf oder Hochsprung verlangen aber viel Erfahrung und kleine Trainingsgruppen. Dafür steht oft nicht genügend Personal zur Verfügung. Wir gehen davon aus, dass fast jeder Verein im Kreis akuten oder zumindest latenten Bedarf an Trainern hat.
Was ist aus Ihrer Sicht nötig, um diesen personellen Engpass zu entspannen?
Ein besonderer Magnet für die Leichtathletik sind Veranstaltungen auf dem eigenen Platz. Egal ob vereinsinterne Sportfeste oder überregionale Meisterschaften, Jugendliche und Eltern oder Betreuer sind in diesen Fällen besonders motiviert und engagiert am Werk. Hier liegt ein Ansatzpunkt, um weitere Interessierte zu gewinnen. Aber auch hier wirken sich die vernachlässigten Sportstätten aus. Im gesamten Kreisgebiet steht momentan nur das Büdelsdorfer Eiderstadion für die Ausrichtung großer Veranstaltungen zur Verfügung. Alle weiteren Plätze sind in baufälligem oder nicht regelkonformem Zustand.

Eine Reihe von Trainern beklagt, dass der Nachwuchs zwar trainiert, aber nicht bereit ist, Wettkämpfe zu bestreiten. Was sind die Gründe dafür?
Denken Sie an die Idee, die Bundesjugendspiele abzuschaffen, weil Kinder aufgrund von Misserfolgen weinend nach Hause gekommen sein sollen. Viele Eltern vergessen, dass es zur sozialen Kompetenz gehört, verlieren zu können. Bei Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball kann man eine solche Erfahrung gemeinsam verarbeiten. Ein weiteres Problem ist das veränderte Freizeitverhalten. Am Wochenende will man etwas mit den Freunden erleben und nicht den ganzen Tag auf dem Sportplatz verbringen. Je mehr Bekannte und Freunde sich also auf dem Sportplatz tummeln, desto größer ist die Attraktivität. Und nicht zuletzt kommt es auf die Eltern an. Die sind nämlich nicht nur als Fahrer sondern auch als Wettkampfhelfer gefragt. Ohne ihr Engagement geht in der Leichtathletik gar nichts.

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