Senioreneinrichtung : Defizit der Neuen Heimat steigt

Die Neue Heimat: Ihre Raumstruktur gilt als veraltet. Die zwölf Doppelzimmer sind nur schwer zu vermarkten.
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Die Neue Heimat: Ihre Raumstruktur gilt als veraltet. Die zwölf Doppelzimmer sind nur schwer zu vermarkten.

Sinkende Auslastung, weniger Einnahmen: Das Seniorenheim ist auf höhere Kredite angewiesen.

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09. März 2017, 09:43 Uhr

Die finanzielle Situation der Neuen Heimat entwickelt sich schlechter als erwartet. Dem Finanzausschuss liegt für die Sitzung am 14. März ein Antrag des Rathauses vor, das Limit für den Kassenkredit der städtischen Senioreneinrichtung auf eine Million Euro zu erhöhen. Bisher darf die Neue Heimat das Geschäftskonto bei ihrer Hausbank um maximal eine halbe Million Euro überziehen.

Der Wirtschaftsplan für 2017 kalkuliert mit einem Defizit von 733  000 Euro, das am Ende des Jahres von der Stadt ausgeglichen werden muss. Tatsächlich dürfte man weitaus tiefer in die roten Zahlen geraten. Einer der Gründe ist paradoxerweise das Verfahren, das die Senioreneinrichtung mit ihren 92 Heimplätzen wieder in wirtschaftlich sicheres Fahrwasser bringen soll. Die Beratung durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat mehr gekostet als erwartet. Statt 100  000 Euro müssen 230  000 Euro an die Fachleute überwiesen werden. Der zweite finanzielle Nackenschlag ist auf die Struktur des Hauses zurückzuführen. Doppelzimmer sind nicht mehr gefragt. Die Neue Heimat verfügt über ein Dutzend davon.

In der Konsequenz ist die Auslastung in den vergangenen Monaten weiter gesunken. Bürgermeister Pierre Gilgenast bestätigt, dass sie bei deutlich unter 90 Prozent liegt – mit den entsprechenden Folgen für das Defizit. Droht sogar ein siebenstelliger Verlust? Dazu Gilgenast: „Das hoffe ich nicht.“ Seine Hoffnung ist vielmehr, dass die Gremien der Stadt in den kommenden Sitzungen die erforderlichen Grundsatzentscheidungen für die Zukunft des Hauses treffen werden. Diese Überlegungen beziehen eine komplette Neuausrichtung mit ein. Gutachter haben dazu bereits Berechnungen angestellt. Demnach müsste die Zahl der Zimmer von 92 auf 140 steigen. Doppelzimmer wird es keine mehr geben. Der Haken sind die Kosten. Die Rede ist von 9,5 Millionen Euro.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Klaus Brunkert (CDU), drängt ebenfalls: „Wir müssen so schnell wie möglich zu einer Entscheidung kommen, damit wir endlich sanieren können.“ Für Brunkert ist wichtig, dass der Geschäftsbetrieb künftig „in die Hand von Profis kommt“. Dazu gibt es verschiedene Optionen wie einen Komplettverkauf oder eine Umwandlung des Eigenbetriebes in eine GmbH, die es erlaubt, private Investoren mit ins Boot zu holen. Auch die Vergabe des Geschäftsbetriebs sei möglich. Brunkert legt sich noch nicht fest, nur eines ist für ihn gesetzt: „Allein machen wir das als Stadt nicht weiter.“

Bürgermeister Gilgenasts hat dazu eine konkrete Vorstellung. Von einem Verkauf ist er nicht überzeugt. Um die ramponierte Braut zu schmücken, müsste die Stadt dem Käufer zwischen fünf und sieben Millionen Euro mit auf den Weg geben. Gilgenasts Ziel: „Eine GmbH-Lösung mit Partnern.“

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