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Landeszeitung

20. Oktober 2017 | 08:14 Uhr

Debatte um die Zukunft des Freibades

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Unternehmensberater stellte Gutachten im Senat vor / Kritik des Vereins Pro Freibad: „Wir sehen Schaden am Gemeinwohl auf uns zukommen“

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 11:33 Uhr

Die Akte zur Sitzung umfasste stolze 581 Seiten, doch der öffentliche Teil des Senats gestern Abend wurde von nur einem Thema beherrscht: Die Zukunft des Schwimmzentrums stand zur Debatte, und sowohl Vertreter von DLRG als auch des Vereins Pro Freibad nutzten die Einwohnerfragestunde, um für ihre Interessen zu werben.

Zuvor hatten sie Marco Steinert-Lieschied zugehört – der Geschäftsführer der Altenburg Unternehmensberatung präsentierte ein Strategiekonzept, das im Kern die Fortführung des Badebetriebs unter veränderten Bedingungen vorschlägt. „Ihr Bad befindet sich in einem guten Zustand, weil in der Vergangenheit stets investiert wurde“, sagte der auf die Beratung von Bäderbetrieben spezialisierte Experte. Problem: Um diesen Standard zu halten, müssten in den kommenden zehn Jahren 7,7 Millionen Euro investiert werden, davon 5,5 Millionen Euro allein im Freibad. „Ihr Hallenbad ist gut ausgelastet, beim Freibad ist das in Relation zur Wasserfläche anders“, beschrieb Steinert-Lieschied eine Hauptschwierigkeit. Die Erlöse würden allein von den Energiekosten aufgefressen. Für eine Schließung des Freibades seien die Besucherzahlen jedoch zu gut. Im Schnitt werden jährlich zwischen 50 000 und 56 000 Besucher gezählt. Aus Sicht des Beraters kein Grund, die Pforten zu schließen: „Mir ist kein Freibad mit 50 000 Besuchern bekannt, das geschlossen wurde. Damit fängt man erst ab 20 000 Besuchern an.“

Veränderungen seien dennoch nötig, so der Berater aus Düsseldorf. Ein Kostenfresser sei das Ganzjahres-Außenbecken, das mit 26 Grad Wassertemperatur „eine Energieschleuder ist und keine Aufenthaltsqualität bietet“. 26 Grad seien zu kalt. Neben anderen Punkten schlägt das Gutachten höhere Eintrittspreise und verringerte Öffnungszeiten vor. „Die Preise erhöhen und der Bevölkerung klarmachen, was man dafür erhält“, empfahl der Unternehmensberater.

Ein Sprecher des Vereins Pro Freibad hielt dagegen. Erfreulich sei zwar, dass „am Tag des 11. September“ die Schließung des Freibades vom Tisch sei. Nach wie vor stehe aber eine „Verstümmelungslösung“ im Raum. „Wir sehen Schaden am Gemeinwohl auf uns zukommen.“ Dem Unternehmensberater warf er indirekt vor, nicht unabhängig, sondern im Interesse der Stadt Rendsburg gearbeitet zu haben. Diesen Vorwurf wies Steinert-Lieschied von sich. „Wir arbeiten ergebnisoffen und immer mit dem Blick darauf, dass es viele Menschen gibt, die so ein Bad gar nicht nutzen. Es muss einen Ausgleich geben.“ Stefan Neuhardt, Vorsitzender des DLRG-Kreisverbandes, warnte erneut vor den Folgen schrumpfender Öffnungszeiten (wir berichteten). Das Schwimmzentrum sei als Ausbildungsstätte von elementarer Bedeutung. Ein Wegfall von Schwimm-Unterrichtszeiten müsse vollkommen ausgeschlossen werden, so Neuhardt.

Die Mitglieder des Senats behielten ihre Meinung weitgehend für sich. Politik und Verwaltung wollen sich mit einer Entscheidung Zeit lassen. Erst müsse die Öffentlichkeit beteiligt werden, so Bürgermeister Pierre Gilgenast. „Wenn es mehrerer Beratungsrunden bedarf, dann ist das so.“

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