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Wanderausstellung : „Das war ja vor meiner Haustür“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Moritz Heinrich führt durch die Ausstellung zur „Reichskristallnacht“. Heute findet die Eröffnung im Jüdischen Museum statt. Besonders Schüler werden angesprochen.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 16:07 Uhr

Fritz Ring hat Glück gehabt. Er überlebte den Holocaust. Der Sohn eines Rendsburger Schneiders und einer Putzmacherin gelangte im Dezember 1938 mit einem Kindertransport nach England. Einige Zeit danach bitten ihn seine Eltern in einem Telegramm, sich für sie um ein Visum zu bemühen. Doch als er es erhält, ist es schon zu spät.

Das Schicksal von Fritz Ring ist eines von Tausenden nach den November-Pogromen im Jahre 1938. Doch große Zahlen sind abstrakt. Das weiß auch Christian Walda. Aber einzelne Lebensläufe können betroffen machen, so der Leiter des Jüdischen Museums. Und daher gehört deren Schilderung zu der Wanderausstellung „Die Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein“, die heute Abend im Betsaal eröffnet wird.

Es ist eine kleine Schau. Komprimiert erklärt sie die Entwicklung der Judenverfolgung und die Ereignisse am 9. November 1938. „Eine Herausforderung für die Kuratorin“, so Walda. Die Kieler Historikerin Julia Liedtke hat sie hervorragend gemeistert. Sie konzipierte auch die gleichnamige Ausstellung im Landesarchiv.

Als Moritz Heinrich die einzeln Tafeln betrachtet, die historischen Fotos aus Friedrichstadt, Kiel, Lübeck und Flensburg sieht, stellt sich genau das ein, was sich die Kuratorin wünscht: „Das war ja vor meiner Haustür“, sagt der Abiturient aus Malente. Sicher, die Pogrome waren Thema im Geschichtsunterricht, doch „ich wusste nichts über die Ereignisse in Schleswig-Holstein“, gesteht Moritz Heinrich. Dabei interessiert ihn Geschichte – ein Grund, warum er jetzt an der Landeszentrale für Politische Bildung in Kiel ein „Freiwilliges Soziales Jahr Politik“ absolviert und es übernommen hat, Schüler durch die Ausstellung zu führen.

In der Prinzessinstraße wird er seine Einführungen mit Hinweis auf die besondere Situation in Rendsburg beginnen. „Hier bin ich an einem der Tatorte.“ Denn die Synagoge brannte nicht ab, zu eng ist die Bebauung in der Altstadt und die Gefahr, dass die Flammen übergreifen, war zu groß, erklärt Christian Walda. Der Thora-Schrein wurde zwar gesprengt, aber das Gebäude-Ensemble von Synagoge und Thora-Schule blieb erhalten. Und noch etwas ist besonders: Hier befindet sich nicht nur ein Museum. Die Anlage ist ebenfalls Gedenkstätte. Und für die Gedenkstätten im Lande wurde die Wanderausstellung angelegt. Auch an Schulen kann sie verliehen werden.

An diesem Ort hat Fritz Ring seine Bar Mizwa, die Feier zur religiösen Mündigkeit. Als das Museum 1988 eröffnet wurde, kam er aus Amerika gereist, dort hatte er seine neue Heimat gefunden. Christian Walda weiß nicht, ob Fritz Ring noch lebt. Er war jedenfalls der letzte Überlebende der jüdischen Gemeinde in Rendsburg.

 

Eröffnung der Ausstellung „Die Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein“, heute (Mittwoch, 5. Februar), 18 Uhr, Jüdisches Museum, Prinzessinstraße. Eintritt frei.

Ab Mittwoch, 5. März, wird die Schau in Kiel im Flandern Bunker gezeigt. Buchbar ist die Wanderausstellung über die Landeszentrale für Politische Bildung, Tel. 0431 / 988-1644 oder Mail: lpb@landtag.ltsh.de

Sonderausstellung zum selben Thema im Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig, bis 23. Mai.

Führungen für Schulklassen, Buchung unter der Adresse info@jmrd.de oder Telefon 04331/25262

 

 

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