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Der letzte Weihnachtsmarkt : „Das war eine richtige Schnapsidee“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Peter Dünne über seinen berühmten Punsch und die Rum-Rosinen im Besonderen sowie den Weihnachtsmarkt im Allgemeinen.

von
erstellt am 03.Dez.2015 | 18:56 Uhr

Peter Dünne hat in und für Rendsburg viel bewegt. Von 1974 bis zum Sommer dieses Jahres war er im RD Marketing (und dessen Vorläufern) aktiv. Er war der Erfinder des Geschenke-Baums, hat einige Jahrzehnte den Weihnachtsmarkt organisiert und war regelmäßig mit einem Stand zu Weihnachten auf dem Altstädter Markt vertreten – wo er auch viele Jahre einen Kiosk betrieben hat. Jetzt gibt es zum letzten Mal „Peter’s Punsch“ auf dem Weihnachtsmarkt. Sabine Sopha sprach mit Peter Dünne über Punsch, Pläne und ein Stück Stadtgeschichte.

Warum wird es „Peter’s Punsch“ nicht mehr geben?

Die Punschbude bedeutet sechs Wochen lang harte Arbeit. Ich bin jetzt 72 Jahre alt. Meine Frau Gudrun und ich feiern im kommenden Jahr goldene Hochzeit. Wir wollen die verbleibende Zeit noch für andere Dinge nutzen. Wenn ich jetzt nicht mit der Punschbude Schluss mache, komme ich nie raus aus den Weihnachtsaktivitäten. Und dass ich keinen Punsch mehr mache, ist ja auch nur die halbe Wahrheit.

Wie lautet die ganze?

Ich sage in meiner Werbung immer: „In Rendsburg hat Punsch einen Namen – Peter’s Punsch“. Damit das nicht ganz stirbt, haben wir beschlossen, den Punsch in Flaschen abzufüllen. Die Idee stammt von Marco Hauschildt und mir. Eine richtige Schnapsidee. Jetzt verkaufen wir den Punsch zum ersten Mal bei Edeka-Hauschildt.


Sie haben ja auch lange Jahre einen Kiosk betrieben.
Ich bin 1974 nach Rendsburg gekommen, habe von meinem Onkel und meiner Tante den Kiosk am Altstädter Markt übernommen (ich bin gelernter Einzelhändler). Damals war dort viel los. Ich hatte 1976 meine erste elektrische Kasse. So konnte ich feststellen, dass wir im Schnitt jeden Tag über 1000 Kunden hatten. Die „Bild“-Zeitung kostete damals zehn Pfennig. Was die „Landeszeitung“ gekostet hat, weiß ich nicht mehr genau. Aber ich habe über 60 Abhol-Abos gehabt. Die Leute holten morgens bei uns ihre Zeitung ab.


Seit 1980 gibt es in Rendsburg den Weihnachtsmarkt. Seit wann waren Sie dabei?

1984 hab’ ich mich überreden lassen. Wenn man neu auf einem Markt ist, sind die anderen Beschicker darauf bedacht, dass sich kein Angebot doppelt. Also konnte ich keinen Glühwein verkaufen. Da hab’ ich nach Punschrezepten gesucht und ein Pellwormer Rezept von meiner Mutter gefunden.

Sie stammen von Pellworm?

Ja, meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch. Bis zum sechsten Lebensjahr habe ich nur Platt gesprochen. Es war also ein altes nordfriesisches Punschrezept. Da ist Tee dabei. Und Tee-Punsch durfte ich ja verkaufen (lacht).

Wo stellen Sie den Punsch her? Bei sich zu Hause?
Also momentan in der Punschbude. Außerdem habe ich in der Innenstadt eine voll eingerichtete Küche. Wenn ich die Punsch-Produktion offiziell weiter betreiben will, muss ich die aber noch vom Veterinäramt abnehmen lassen.

Wo ist denn Ihre Küche?
Ich habe 35 Jahre lang in der Mühlenstraße 14 gewohnt. Im ersten Stock. Im Keller hatten meine Jungs einen Party-Raum, der hatte auch eine Küche. Die Nach-Mieter wollten den Keller nicht haben. Da habe ich ihn behalten, auch als Büro und Vorratsraum.

Der Punsch war fester Bestandteil des Weihnachtsmarktes. Den haben Sie ja über viele Jahre organisiert.

Das waren tolle Aktionen. (Hat einen Stapel Fotos vor sich, sucht.) Kutschfahrten durch die Stadt, Karstadt noch mit Beleuchtung, Märchenbilder in der ganzen Stadt – die hatten wir alle entworfen und zum Teil selbst gebaut. Und 1995 haben wir vor dem Stadttheater eine Marktdekoration aufgebaut und mit Tieren und Schauspielern die Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Am Autokran haben wir vom Dach der Sparkasse den Erzengel Gabriel einschweben lassen. Das ist bundesweit durch die Presse gegangen . Selbst im „Spiegel“ hat man gefragt, ob man so was machen kann, den Erzengel Gabriel einfach an den Haken nehmen (lacht).

Was ist das Geheimnis von „Peter’s Punsch“?
Punsch zu kochen, ist viel zu aufwändig für die meisten Geschäfte. Als wir anfingen, haben wir noch Apfelsinen ausgepresst, von Hand, so wie das früher zu Hause gemacht wurde. Das habe ich im Laufe der Zeit verändert, so dass ich den Punsch in großen Mengen herstellen kann. Ich nehme jetzt hundertprozentigen Orangensaft dazu. Und das eigentliche Geheimnis ist das Gewürz. Das mischt in Hamburg ein Tee-Importeur nach meinen Vorgaben. Da sind keine Aromastoffe drin. Das gibt dem Ganzen natürlich den Geschmack. Der Punsch schmeckt anders als ein Glühwein. Ist süffiger.

Und dann sind da ja noch die Rum-Rosinen ...

Die sind auch als Schnapsidee entstanden. Ich hatte im Sommer – damals gab’s noch die Butterfahrten – eine Flache 73-prozentigen Rum gekauft. In den habe ich Rosinen eingelegt, als eine Art Rumtopf, mit dem Hintergedanken: Das gibt’s am 23. Dezember in unseren Punsch. An dem Tag kamen nach dem Abbau der Buden immer unsere Freunde und Helfer zu uns. Die Rum-Rosinen waren so göttlich, das ich mir gedacht habe: Damit kannst du im nächsten Jahr Geld verdienen.

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